Montag 24. September 2018
Pfarre Rannariedl

Geheilt zum Glauben - Auferweckt zum Glauben

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis B

 

Zwei Menschen wenden sich in auswegloser Situation an Jesus. Da ist die Frau, die schon alles probiert hat, die austherapiert war, wie heute die Ärzte sagen – was normalerweise nichts Gutes bedeutet -, die alle ihre finanziellen Mittel dabei aufgebraucht hat. Sie entdeckt eine letzte Möglichkeit, eine kostenlose, die bis jetzt keine Option für sie gewesen ist: den Sprung in den Glauben: sich dem anzuvertrauen, von dem sie erzählen, dass rettende und heilende Kräfte von ihm ausgehen.

 

Der andere Mensch ist der Mann mit dem todkranken Kind. Von ihm wird nicht erwähnt, was er schon alles probiert hat. Die Todeskrankheit wird auch nicht beschrieben, so dass wir  irgendwie beurteilen könnten, wie hoffnungslos es wirklich gewesen ist. Dieser Mann kommt aus einem religiösen Umfeld. Er ist Synagogenvorsteher, so etwas Ähnliches wie heute ein Pfarrgemeinderatsobmann. Aber auch die betenden Leute verfolgt es – wie der Volksmund sagt. Angesichts der Aussichtslosigkeit, das Leben des Kindes zu erhalten, wendet er sich ebenfalls an Jesus, von dem er gehört hat, dass er Kranke heilen kann.

 

Beide setzen einen Akt des Glaubens, wagen diesen Sprung in die Hoffnung auf Jesus: die Frau indem sie nach seinem Gewand greift, der Mann, der sich niederwirft und so am Boden seine Bitte ausspricht. Beide drücken mit ihrer Haltung die eigene Hilflosigkeit aus und ihre allerletzte Hoffnung, die sie somit  auf Jesus setzen. Glaube zeigt sich hier als Entscheidung: ich tue es, ich wage es es, ich springe hinein in die Hoffnung auf Jesus.

Was hier von den beiden erzählt wird, das war jahrhundertelang für viele Menschen, die in Krankheiten und Leiden an ihr Ende gekommen und die Begrenztheit ihres Lebens aufgezeigt bekommen haben, der Rettungsanker, ihre einzige Hoffnung. Sie haben den Sprung des Glaubens gewagt, weil kein anderer Weg mehr möglich schien, aber es war für sie ein möglicher Weg, sich im Leid ganz Gott anzuvertrauen, die Heilung in seine Hände zu legen. Dass dieser Sprung des Glaubens nicht ins  Leere gegangen ist, dass sie dabei nicht in den Abgrund gestürzt sind, bezeugen tausende Votivtafeln und Votivgaben in unseren Wallfahrtskirchen und Kapellen.

 

Aber genau das ist im letzten Jahrhundert ganz anders geworden. Die schier  unbegrenzten Möglichkeiten der Ärzte ersparen den allermeisten Menschen diesen Sprung in den Glauben. Denn auch, wenn schon wirklich nicht mehr zu helfen ist, dann gelingt es zumindest, das Bewusstsein in der Schmerztherapie so weit zu trüben, dass der Kranke  sich nicht mit der Vorstellung der Begrenztheit und des Endes auseinandersetzen muss. Keiner braucht mehr am Ende sein Leben in Frage zu stellen, keiner braucht mehr seine falschen Wege zu bereuen und sich der Schuld in seinem Leben stellen, keiner mehr um Vergebung zu bitten, weil er in seinem Leiden erkannt hätte, wem er selber Leid zugefügt hat.

Medizin erspart dem Menschen die Umkehr, denn eine Glaubensentscheidung ist mit getrübtem Bewusstsein gar nicht mehr möglich. Aber in der Medizin geht es ja nicht um Glaubensentscheidungen. Es ist vielmehr ihre Pflicht, einem leidenden Menschen ein schmerzfreies Sterben zu ermöglichen. Kein vernünftiger Mensch wünscht einem anderen ein Sterben mit unerträglichen Schmerzen.  Aber es hat vieles im Leben eben zwei Seiten.

Gewiss, Glaubensentscheidungen sollen nicht erst in der Letzten Stunde gefällt werden, das Leben ist lang genug dafür. Das Leben ist auch noch lang genug für diese Frau, die Heilung bei Jesus gefunden hat. Sie hat noch viel Zeit, ihr Leben, das ihr in neuer Qualität geschenkt worden ist, im Glauben zu leben. Das Leben ist auch noch lange genug für dieses Mädchen, dessen Tod  Jesus als Schlaf gedeutet hat, aus dem er sie erweckt und gesagt hat: steh auf.

Denn mit Zwölf Jahren fängt ja die Auseinandersetzung mit dem Glauben erst an. Das Leben des Glaubens liegt noch vor ihr. Wir könnten diese beide Erzählungen mit den Überschriften versehen: Geheilt zum Glauben – Auferweckt zum Glauben.

Vielleicht sollte man  den gelten Firmritus umdrehen und zu den  12/13/14 Jährigen sagen: „wach auf, steh auf“, bevor man ihnen den Heiligen Geist auf die Stirne salbt. Denn zum Glauben in der Welt sind wir berufen durch die Heilige Salbung, zum Wachsein und Muntersein. Die Chance für den Sprung in den Glauben liegt mittens im Leben. Denn am Ende unseres Lebens werden wir die Möglichkeit zum Glauben aufgrund der üblichen therapeutischen Maßnahmen höchstwahrscheinlich nicht mehr haben.

Das Abschiedsmahl Jesu

 

 

Der Gründonnerstag hat mit seinen Lesungen und dem Gedenken an das Abschiedsmahl Jesu eine eigene Stimmung. Es ist nicht oft, dass Menschen ein Abschiedsmahl feiern. Es geht ja hier nicht um eine Pensionierung oder das Ende einer Amtsperiode, sondern es geht um das Auseinandergehen und das nicht mehr Zusammenkommen in  dieser Welt. Und die biblischen Texte lassen Zweifel aufkommen, ob seine Jünger den Ernst des Abschieds verstanden haben, denn Jesu Worte klingen einsam und unverstanden. Aber vielleicht ist Abschied immer schwer vorzustellen. Ganz anders konnte z.B. Sokrates Abschied feiern von seinen Schülern. Sie blieben bis zu seinem Tod bei ihm, sprachen mit ihm und wollten auch noch das Letzte von ihm hören. Und sie deckten ihn zu, als der Gifttrank seinen Körper erstarren ließ. Sie feierten mit ihm ein heiliges Sterben. Bei Jesus und seinen Jüngern lief es völlig anders. Er musste alleine sterben, entblößt und qualvoll.

Was bleibt von Jesus? Es bleiben vor Worte, es bleiben Gesten: das Waschen der Füße, das Teilen des letzten Brotes und des letzten Bechers Wein. Es bleibt die geheimnisvolle Widmung: für euch. Dieses Für Euch zeigt sich schon kurze Zeit später als die Soldaten Jesus am Ölberg gefangen nehmen:  Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese hier gehen. Jesus tritt ein für seine Jünger. Eben dieses FÜR, das wir beim Gedenken an sein Leiden immer wieder sagen, dieses für uns, bekommt in dieser Nacht  Gewicht, und das für Andere bleibt bis heute für Christen aktuell.

Vor zwei Wochen hat in Frankreich ein Polizist sein Leben gegeben  im Austausch für eine Geißel. Arnaud Beltrame, ein junger Katholik, der am Sonntag zuvor noch im Gottesdienst war, hat nicht geschrien Groß ist Gott, aber er hat sein Leben hingegeben für andere Menschen – wie sein Glaubensvorbild Jesus: für euch.

Seit Jahrhunderten sieht die Kirche in diesem Abschied  den Stiftungswillen Jesu für die Eucharistie und für das kirchliche Amt. Aber die Widmung  gehört allen, die sein Wort aufnehmen, von dem einen Brot essen und aus dem einen Kelch trinken, und seinem dienenden Beispiel in der Nachahmung folgen.

„Ist der Kelch, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi?  Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“  Der Gründonnerstag macht uns diese Teilhabe an Jesus mit Leib und Blut bewusster als jede andere Feier der Eucharistie im Jahr.

Vier also sind es, die uns innig mit Jesus verbinden: Das Wort, das Beispiel, das Brot und der Wein. Im Glauben sind diese vier mehr als sie unseren Augen und Sinnen scheinen: sie sind das tragende Wort, die rettende Tat, der stärkende Leib und das lebenspendende Blut.

Mit Wort und Tat, in Fleisch und Blut sollen wir Jesus nachgehen in dieser Welt. Deshalb kann der Gründonnerstag auch Anlass sein, alle Zeichen wirken zu lassen: das Wort eindringen lassen in das Herz, den Entschluss zu stärken, seinem Beispiel mehr zu folgen, sein Brot zu empfangen und aus seinem Kelch zu trinken, in dem Bewusstsein, dass er selber uns beides reicht, damit wir selber sein Leib werden in dieser Welt.

Einen neuen Bund schließt  Jesus mit uns heute, zeichenhaft und wirklich, dazu dient die vierfache Gabe der Eucharistie: das Wort und das Beispiel, das Brot und der Wein. Wir nehmen sein Leben an für uns und wir nehmen sein Leiden und Sterben an für uns. Das ist heute unser neuer Bund mit ihm.

Taufe Jesu

 

Vieles und Großes ist in den Weihnachtstagen über Jesus gesagt worden. Heute wird noch einmal getoppt. Heute kommt der höchste Titel für Jesus aus dem aufgerissenen Himmel: du bist mein geliebter Sohn.

Aber was steht hinter diesem großen Wort „SOHN“?  Es verbergen sich dahinter keine einheitlichen oder klaren Vorstellungen. Zu allen Zeiten haben sich Menschen verschiedene Bilder dazu gemacht. Die Frömmeren halten es eher mit den Erklärungen der Engelboten, die zu Maria und Josef sprechen, also mit der geistgewirkten Empfängnis Jesu. Die Liberaleren hingegen setzen auf eine Adoptionsvorstellung wie die Taufszene heute sie bringt: Gottes Geist nimmt Besitz von Jesus und macht ihn zum Sohn.

Aber schauen wir uns genauer an, was der Evangelist Markus heute bietet, ob es wirklich weniger ist als das, was seine jüngeren Kollegen Lukas und Matthäus in den Weihnachtserzählungen uns verkünden.

Da ist also zuerst von Johannes die Rede, der tauft und zwar mit Wasser. So wie wir alle, die taufen dürfen, nur mit Wasser taufen! Keiner tauft mit Geist. Über den verfügen wir nicht, wir nicht und der Täufer Johannes auch nicht. Nichts von unserem Geist springt  auf die Getauften über. Das tut uns zwar leid, aber es ist so. Der Geist kommt nicht von der Taufe, sondern aus dem aufgerissenen Himmel.

 

Der Himmel ist nicht geöffnet. Er hat ja keine Tür und kein Tor, das man öffnen und schließen kann. Er ist aufgerissen, wie es auch in der neuen Bibelübersetzung richtig heißen wird: aufgerissen, denn das ist etwas Einmaliges, was hier geschieht. Die Grenze zwischen Himmel und Erde wird durchbrochen, wenn es um Jesus geht. Haben wir nicht schon in einem Adventlied davon gesungen: o Heiland, reiß den Himmel auf! Heute also ist es soweit: Der Himmel ist aufgerissen, um Jesus zu sagen, dass er der Sohn ist.

 

Die Erklärung, die aus dem Himmel kommt hat es an sich. Sie ist keine feierliche Formulierung eines Glaubenssatzes wie in der Verklärungserzählung. Sie ist ein ganz persönliches Wort, wir könnten sagen ein Kompliment, das Jesus gemacht wird, oder noch besser: eine Liebeserklärung: DU bist der SOHN, MEIN GELIEBTER, Du gefällst mir!

Das wurde bis jetzt noch keinem gesagt von Gott. So etwas sagen normalerweise nur verliebte Menschen zueinander: Du bist mein(e) Geliebte(r), du gefällst mir!   

Diese Worte aus dem Mund Gottes sind unerhört, sie übertreffen auch bei weitem die Komplimente des Engels an Maria: der Herr ist mit dir, du bist voll der Gnade, du bist gesegnet unter den Frauen … Aber:  du bist meine Geliebte, das hat er nicht einmal zu Maria gesagt.

 

In der Tauferzählung  tritt Gott ein in eine sehr herzliche Beziehung zu Jesus, die nur mit Worten der Liebe umschrieben werden kann. Jesus ist der Sohn, weil er von Gott  geliebt ist mit Sympathie und Gefühl. Das ist das Weihnachtsevangelium des Markus: Jesus tritt auf und er ist der von Gott geliebte Sohn.

Vor einigen Jahren hat der Priester und Therapeut Henri Nouwen ein Bestseller Buch geschrieben. Es trug den Titel: „Du bist der geliebte Mensch.“ Er hat darin die Taufbotschaft, die Jesus empfangen hat, umgelegt auf die Taufe jedes Christenmenschen. Auch du bist der geliebte Mensch, wenn du Gott so nahe an dich heranlassen willst mit einem Wort herzlicher Liebe.

Unsere Liebe zu Gott ist meist eine Liebe auf Distanz, eine kühle Liebe, oft auch eine knausrige und sparsame, so als ob wir unsere Liebe noch für jemand Würdigeren aufsparen müssten. Gottes Liebe zu uns hingegen ist eine herzliche: Du bist mein geliebter Mensch, du gefällst mir. Und das gilt seit unserer Taufe.

 

Es kommen in unserem Leben nicht viele Worte aus dem Himmel, auch im Leben Jesu waren es diese wenigen. Aber sie haben Gewicht und gelten ein Leben lang – auch wenn Gott sich wieder ins Schweigen zurückzieht. Denn das Wichtigste ist uns gesagt: Du bist mein geliebter Mensch. Dem lässt sich nichts mehr hinzufügen.

 

2. Adventsonntag

 

Der Weg des Herrn

 

Glauben lernt man nicht wie ein Handwerk oder eine andere Fähigkeit, man lernt ihn nicht ein und man lernt ihn nicht auswendig, schon eher lernt man ihn im Mitgehen. „Glaube geht man“ könnte man sagen. Das ist schon bei Kindern so. Die meisten lernen 9 Jahre über den Glauben, andere 12 Jahre im Religionsunterricht in verschieden Schulen. Sie lernen über den Glauben und das rundherum. Nur mehr ganz wenige lernen den Glauben vom Mitgehen, weil niemand mehr mit ihnen mitgeht. Aber Glaube ist nun einmal ein Weg und das Lernen im Kopf genügt nicht.

Bei den Taufansprachen  sage ich: Taufen heißt ein Kind auf den Weg Jesu setzen. Aber es nicht bloß hinsetzen und sagen: Jetzt geh. Sondern dieses Kind an der Hand nehmen und sagen: gehen wir gemeinsam. Wir führen dich ein in die Übung des Gebetes, in die Feier des Gottesdienstes. Wir bereiten dich vor auf die christlichen Feste und auf den Empfang des Lebensbrotes. Immer weniger Kinder haben diese Möglichkeit, wir erleben das bei unseren Erstkommunionkindern, nicht einmal zur Familienmesse geht jemand mit  ihnen mit. Dabei ist das miteinander in die Kirche gehen ist ein wichtiger Glaubensweg, auch wenn es nur der Anfang des Weges ist.

Der Glaube ist ein Weg sagen auch die biblischen Texte des 2. Adventsonntags. Ein Weg durch die Wüste, eine Straße durch die Steppe über Berg und Hügel durch Kurven und Geraden. Der Glaube ist wie ein Weg. Am Rand dieses Weges steht der Rufer Johannes. Er ruft, was für alle gilt: Taufe und Umkehr, nicht nur das eine, auch das andere: Taufe und Umkehr. Ein Lästerer hat einmal gesagt: Ein Amerikaner bekehrt sich zweimal am Tag, ein Mühlviertler normalerweise nie, dem genügt die Taufe allein. Glaube aber ist ein Weg der Umkehr, der mit der Taufe beginnt.

Jeder Weg hat seine Kreuzungen und manchmal muss man umkehren, nicht nur, weil man sich vergangen hat, sondern viel öfter, weil man Wichtiges vergessen hat. Umkehr gehört zum Glaubensweg. Die Leute kommen zu Johannes und er sagt: kehrt um, ihr habt etwas wichtiges Vergessen in eurem Glauben, geht zurück, vielleicht sogar bis an den Anfang.

Und was ist mit dem Proviant für diesen Weg zurück? Der Proviant für den Glaubensweg ist das Gebet. Ohne dieses verhungert der Glaube, verläuft der Weg im Sand. Müssen wir vielleicht zurückgehen, weil wir das Gebet schon ganz vergessen haben?  Mit dem Gebet schaffen wir ja die Verbindung zwischen unserem Leben und Gott. Wo diese Verbindung wegfällt, wo ist dann noch  Glaube? Kehrt um, sagt Johannes, geht zurück, meint er vielleicht: kehrt um zum Gebet und tragt euer Leben wieder hin vor Gott.

Noch einmal ruft Johannes: kehrt um zum Nächsten. In diesen Tagen wird viel gekauft und geschenkt unter denen, die haben. Die aber, die nicht haben, geraten schnell  daneben, der nächste Sonntag erinnert wieder daran: Bruder in Not. Kehrt um zum Nächsten in der Ferne und zum Nächsten neben euch. Johannes schickt uns zurück in jene Tage unseres Lebens, in denen unser Herz vielleicht noch offener war und wir bereiter waren, Anteil zu nehmen an der Not anderer, zurück zu jenen Tagen als Geiz eben noch nicht geil war und Solidarität noch ein stolzes Wort in unserem Land, zurück zu jenen Tagen, in denen im Schlagzeilenpapier an den Straßenlaternen noch nicht in 5 cm großen Buchstaben  gehetzt wurde gegen die Bedürftigen so wie gestern und fast jeden Tag.

Johannes schickt uns zurück. Er sagt kehrt um. Kehrt um von der Hartherzigkeit zur Barmherzigkeit, vom immer mehr Habenwollen zur Genügsamkeit. Im Lukasevangelium sind diese Vorschläge des Johannes ausgedeutet. Wir könnten sie dort lesen.

Wo stehen wir  denn auf unserem Glaubensweg? Sollen wir umkehren, weil wir Wichtiges vergessen haben, oder können wir doch unbekümmert weitergehen, weil die Richtung eh stimmt und das Ziel klar ist? Sind wir auf dem Weg, der uns Gott und den anderen näher bringt?

Kehrt um – das will wohl heißen: prüfe dein Herz, wo es steht, und dann geh in die Richtung, die du erkennst als Ruf Gottes für dich.

 

 

Maria Empfängnis

 

Die Geschichte Gottes mit uns Menschen beginnt nicht erst, wenn wir sterben, auch nicht bei unserer Geburt. Sie beginnt schon vorher: „Durch alle Ewigkeit hindurch hast du mich geträumt“ hat einmal ein Mönch geschrieben. Diesen Gedanken finden wir schon in unseren Heiligen Schriften. Im Jeremiabuch spricht Gott: „Bevor ich dich bildete im Mutterleib, habe ich dich erkannt, bevor du hervorgingst aus dem Schoß der Mutter, habe ich dich geheiligt“. Dasselbe lesen wir bei seinem Kollegen Jesaja:  „Der Herr hat mich im Mutterleib berufen, er hat meinen Namen genannt als ich noch im Schoß meiner Mutter war.“ Und auch in den paulinischen Briefen steht  Ähnliches. „Vor der Erschaffung der Welt hat Gott uns erwählt.“

Was die Kirche heute feierlich von Maria bekennt, das hat die Bibel über bedeutende Zeugen Gottes schon in alter Zeit gesagt, nämlich, dass Gott einen Menschen im Plan gehabt hat, dass er einen/eine von Anfang an mitgedacht hat. Für Maria hat dies bedeutet, dass sie zur berühmtesten Frau der Welt geworden ist, obwohl sie ohne jede Macht und ohne jedes Ansehen als bedeutungsloses Mädchen in ihrer Zeit gelebt hat. Keine wurde in der Kunstgeschichte so oft gemalt und dargestellt wie sie – durch die Jahrhunderte preisen sie selig alle Geschlechter.

Aber das ist genau genommen nur die Hälfte von dem, was wir an diesem Festtag feiern, dass Gott sie vor der Erschaffung der Welt erwählt hat. Die andere Hälfte besteht darin, dass er sie verschont hat von der Ursünde. Die Ursünde ist  das Misstrauen des Menschen gegen Gott, die bohrende Frage: meint er es wirklich gut und ehrlich mit uns Menschen? Ist es  wirklich sinnvoll, ihm zu dienen? Oder wäre es nicht doch besser, alles daran zu setzen, damit wir selber wie Gott leben können. Die Bibel sieht darin eine teuflische Einflüsterung, teuflisch deswegen, weil sie den Menschen von Gott wegbringen möchte. Die Einflüsterung, die durch die Schlange verkörpert wird, sagt: Gott enthält euch in Wirklichkeit nur etwas vor. Lasst ihn einfach beiseite und ihr könnt ohne ihn glücklicher leben als mit ihm.

Dieses Misstrauen gegen Gott ist  seuchenhaft verbreitet und es wird von vielen geschürt. Dabei wird schrankenlose Göttlichkeit immer dort verheißen, wo alle Grenzen der Moral und der Verantwortung für andere überschritten werden. Dort wird das wahre göttliche Leben verheißen.

Maria blieb frei vom Misstrauen gegenüber Gott. Sie kannte es nicht, es blieb ihr aus Gnade erspart und fremd. Letzten Mittwoch habe ich bei der Lehrerversammlung in Linz Pf. Rainer Schießler aus München gehört, der vor tausenden Lehrern über den Glauben gesprochen hat.

Pfarrer Schießler hat auch von seiner Mutter erzählt. Er hat gesagt: sie hat im Leben alles verloren, alles was ihr lieb war und wertvoll und wichtig, alles hat sie verloren, aber ich habe aus ihrem Mund nie ein Wort des Misstrauens gegen Gott gehört. Nie wäre sie auf den Gedanken gekommen, wegen der vielen Unglücke ihres Lebens den Glauben hinzuschmeißen. Das Unglück hat ihren Glauben nicht in Frage gestellt. Sie hat das auseinandergehalten.

So ähnlich kommt mir das auch bei Maria vor. Das Unglück blieb ihr nicht erspart, auch nicht der Verlust ihres Sohnes auf grausamste Art und Weise, aber das Misstrauen gegen Gott bleib ihr erspart, das hat ihr Leben nicht verdunkelt. Er blieb ihre Hoffnung. Sie hat nicht gezweifelt, dass es sinnvoll ist, ihm zu dienen und das dies das allein Gute ist, das sie in ihrem Leben tun kann.

Maria von Nazareth, von Ewigkeit her hat Gott sie geträumt, im Schoß ihrer Mutter schon hat er ihrem Namen genannt, als Menschen ohne Misstrauen gegen ihn hat er sie erschaffen, ohne Drang, ihr Glück und ihren Sinn außerhalb von Gott zu suchen.

Uns heute fällt das nicht mehr leicht, uns quält das Misstrauen gegen Gott, wir sehen den Sinn und das Glück oft außerhalb oder neben Gott. Auf Maria zu schauen, bedeutet an diesem Festtag, daran zu glauben, dass Gott uns erdacht hat, dass er mit uns etwas vorhat, dass er mit uns rechnet und dass wir uns nicht in Zweifel treiben lassen sollen  von dem, was in unserem Leben hart und schmerzvoll ist.

 

 

32. Sonntag: Einsatzbereitschaft

Das Evangelium bringt schon eine Vorschau auf den Advent. Lampen, die brennen, und warten auf den Herrn, der kommen soll, sind die Stichworte. Dazu fällt mir auch ein Adventlied ein, in dem dieses Gleichnis besungen wird: „Wachet auf, ruft uns die Stimme… Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Steht auf, der Bräutigam kommt, die Lampen nehmt, macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegengehn…“

Wir kennen auch andere sehr ähnliche Worte aus dem Mund Jesu: „Eure Hüften sollen gegürtet sein und eure Lampen brennen. Seid wie Menschen, die auf den Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft. Selig, die der Herr wach findet, wenn er kommt.“ Was Lukas in einfachen Sätzen formuliert hat, das hat uns Matthäus in einem Gleichnis  erzählt. Es ist genau dasselbe und es geht um den Advent, auch wenn er noch gar nicht da ist. Aber unsere Mütter binden ja auch in diesen Tag bereits die Adventkränze, denn der Advent braucht eine Vorlaufzeit. Manchmal denke ich mir, es sei ohnehin besser, schon früher vom Advent zu reden, denn wenn er da ist, hat sowieso keiner mehr Zeit. Da ist alles dann wichtiger als die Gedanken an das Kommen des Herrn.

Es gibt Gleichnisse Jesu, die klingen eher unbeschwert und zuversichtlich, weil sie alles dem Wirken Gottes überlassen, und es gibt Gleichnisse, die etwas vom Menschen erwarten. Die klingen  ernst – so wie dieses heute. Es geht ja um die Aufforderung zur Wachsamkeit und zur Bereitschaft.

Christen haben Bereitschaftsdienst in dieser Welt. Und Bereitschaftsdienst ist eine adventliche Haltung: Da sein für das, was kommt, was möglicherweise kommt, auch wenn niemand  sagen kann, wann der Alarm losgeht und was genau passieren wird. Und das ist sicher: es zählt nur eines, nämlich in diesem Augenblick munter und einsatzbereit zu sein. Als Christen munter zu sein und einsatzbereit, dazu will Jesus uns mit Gleichnis von den klugen Jungfrauen / Jungmänner (gendern schadet manchmal nicht)motivieren. Natürlich gibt es auch welche, die ihre Einsätze verschlafen, weil sie anderweitig beschäftigt sind oder im christlichen Dienst schlafen. Deshalb hat er in seine Geschichte auch die törichten Jungfrauen oder Jungmänner eingebaut, als abschreckendes Beispiel dafür, dass Christen ihren Auftrag auch verschlafen können und dann ist es einmal zu spät.

Unsere Einsatzbereitschaft muss nicht immer im Licht der Öffentlichkeit stehen. Nein, sie ist meistens sogar im Hintergrund, so wie bei der Feuerwehr, bei der Rettung oder Polizei, aber sie muss im Ernstfall funktionieren, auch wenn wir nicht in einer Einsatzzentrale wohnen. Es ist auch nicht schlimm, wenn die Öffentlichkeit nur das Blaulicht und Folgetonhorn wahrnimmt, nicht aber das oft lange Warten auf den Einsatz, das mit vielen wichtigen Aufgaben und Übungen ausgefüllt ist.

Einsatzbereit sein für das Kommen Jesu ist der Sinn dieses Gleichnisses Jesu. Gemeint ist damit nicht erst die Todesstunde, sondern das tägliche Leben. Und die Uniform? Ist nur das Taufkleid! Und die Ausrüstung: ein klarer Blick, ein offenes Herz und zwei helfende Hände. Als Gegenteil der Einsatzbereitschaft nennt Papst Franziskus die Seuche der Gleichgültigkeit, die auch so viele Jungfrauen und Jungmänner im Christentum befallen hat. Die Gleichgültigkeit, die nur quatscht, im Weg steht, zuschaut, nichts einbringt, ja bestenfalls laut kritisiert, wenn die Einsatzkräfte nicht alles geschafft haben.

Adventlich leben heißt: einsatzbereit leben, klug – wir könnten auch sagen kompetent ausgebildet und wach, nicht aber töricht – praxisfern und bequem. Und genauso töricht wäre es, zu behaupten: der Alarm wird nie losgehen, die Sirenen werden nie heulen, es ist egal wie wir leben. Gegen diese Sicherheit hat Jesus das Gleichnis erzählt.

„Bis du kommst in Herrlichkeit“ beten wir immer nach der Wandlung und reden von seinem Kommen, aber nicht nur in Herrlichkeit, auch in Elend und Not, in Todesangst und Niedergeschlagenheit, auf der Flucht und in Hilfsbedürftigkeit – das alles sind Alarmsituationen seines Kommens und eine große Herausforderung, wenn man die Uniform des Taufkleids trägt. Nächsten Sonntag ist Elisabethsonntag. Papst Franziskus hat ihn unbenannt: Welttag der Armen. Er wird heuer erstmals unter diesem Titel begangen und ist auch so eine große Herausforderung an unsere Einsatzbereitschaft für Bedürftige in unserem Land.

Allerseelen 2017

Wo bist du? Wo ist Abel?

Früher wusste man, was kommt – nach dem Tod. Es gab drei Möglichkeiten: am billigsten war die Hölle zu haben, mehr an Einsatz und Moral kostete  das Fegefeuer mit Ausblick in den Himmel und am teuersten war immer der Himmel selber. Gerade um diese drei Ausblicke ist es in den letzten Jahren still geworden. Sie haben sich sowohl aus den Befürchtungen als auch aus den Hoffnungen der Menschen verabschiedet. Und mehr noch: die Sicht des Todes selber hat sich verändert. Er ist nicht mehr Übergang in eine andere Welt, sondern einfach Ende in dieser einzigen Welt geworden. Und das hat dann logische Folgen.

Der Tod ist dadurch verfügbar geworden. Kaum eine Woche vergeht, da nicht jemand über sich selbst und oft auch über  nächste Angehörigen den Tod verhängt: Der Tod wird immer öfter zur Lösung schwieriger Probleme. Vergangene Woche hat aus aktuellem Anlass eine Fachfrau erklärt: „Es gibt Menschen, denen der Status ihres Ansehen wichtiger ist als das Leben. Wenn dieser Status gefährdet ist, wählen sie den Tod, und das nicht immer nur für sich allein.“ 

Der gewöhnliche Mensch macht sich immer öfter zum Herrn über den Tod – seit langem schon am Lebensanfang, zunehmend am Lebensende und gelegentlich dazwischen. Was früher ganz wenigen in einer Gesellschaft zugestanden war oder was hauptsächlich im Krieg praktiziert wurde, kommt jetzt in das alltägliche Leben.

Mit dem beanspruchten Recht, über das eigene Leben und das naher Angehöriger zu entscheiden,  ist verbunden die Hoffnung, dass es keine weitere Verantwortung über den Tod hinaus gibt, dass also, wenn der  Staatsanwalt den Deckel eines Aktes schließt, dieser auch auf ewig geschlossen ist und niemand mehr Verantwortung einfordern wird. Der Tod wird so zur gelungenen Flucht vor einer Verantwortung für das eigene Leben und die darin getroffenen Entscheidungen.

Und was ist mit den Opfern. Die Opfer haben  einfach Pech gehabt, zur falschen Zeit am falschen Ort, also ewiges Pech. Immer mehr Menschen  können heute offensichtlich damit leben, dass die einen sich das Recht nehmen dürfen, den Tod über sich und andere zu verhängen, andere wiederum  als deren Opfer ewiges Pech haben.

Unsere Heilige Schrift glaubt nicht an das Recht, über das Leben anderer zu verfügen, genauso wenig glaubt sie an das ewige Pech der Opfer. Sie stellt diese Sicht schon auf ihren ersten Seiten in Frage: Die den Menschen am Anfang gestellten Fragen lauten: Wo bist du, Mensch? Was hast du getan? Wo ist Abel, dein Bruder?

Wo bist du? Du kannst dich nicht verkriechen: weder im Staub der Erde noch in deiner Asche. Auch wenn du dich selber ganz auslöscht, deine DNA im Feuer vernichtest, ich entlasse dich nicht aus deiner Verantwortung. Ich frage: wo bist du?

Was hast du getan? Was du getan hast wird nicht ungeschehen, weil du tot bist, sondern es bleibt auf ewig deine Tat. Du wirst sie von allein nicht los. Du kannst dich nicht erlösen durch den Tod. Der Tod ist nicht  die Lossprechung für dein Tun.

Wo ist Abel, dein Bruder?, Also wo sind die Opfer deines Lebens? Wo hast du sie hingeräumt, verscharrt vor mir? Ich erspar dir die Frage nicht: Wo sind sie?

Der Gott des Lebens, wie er sich zeigt in unserer heiligen Schrift, garantiert nicht, dass der Täter auf ewig unbehelligt davon kommt. Der Gott des Lebens garantiert auch nicht, dass die Opfer auf ewig Pech haben werden. Er stellt das Pech genauso in Frage wie die Flucht aus der Verantwortung. Und Allerheiligen hat seinen Ursprung darin, dass die Christen von Anfang an die Opfer gefeiert haben, Menschen deren Leben des Glaubens willen von anderen zerstört worden ist.

Was aber hat Gott zu bieten? Den Tätern die Hölle, den Opfern den Himmel, denen dazwischen eine Reinigungsprozedur? Oder was bedeutet Verzweiflung vor Gott, Aussichtslosigkeit des Lebens, Verlust des Status? Was bedeutet die Sehnsucht nach dem Ende der Depression oder der unerträglichen Leiden? Viele Fragen bleiben für uns in unserer begrenzten Sicht offen. Wir können nicht so tun, als ob wir die Antworten  darauf kennen würden und wir wissen auch gar nicht wie Gott damit umgeht. Verantwortung hat auch undurchsichtige Seiten.

Aber trotzdem ist es sinnvoll, am Prinzip der  Verantwortung festzuhalten. Es gibt es ja nicht nur extreme Lebenssituationen. Verantwortung ist ein Prinzip unseres Lebens vor Gott überhaupt. Dies drückt auch das uralte Gebet des Psalms 139 aus, der von Juden und Christen gebetet wird. Der Mensch ist nicht Alleinverfüger auf der Welt, sondern lebt sein Leben unter dem Blick Gottes. Dieser Blick ist von Anfang an liebevoll und wohlwollend. Er bleibt dies auch im Ernst des Lebens. Weil Gott auf uns blickt, deshalb ist nichts gleichgültig und bedeutungslos, sondern vielmehr prägend  auch für die endgültige Beziehung zu Gott nach dem Tod, die wir im Glücksfall Himmel nennen.

„Wenn ich hinaufstiege zum Himmel – dort bist du!

Wenn ich mich lagerte in der Unterwelt – siehe, da bist du“.

Vor Gott wird der Akt unseres Lebens nicht mit dem Tod geschlossen. Niemand kann den Deckel seines Aktes vor Gott zuschlagen. Die Hoffnung, vor Gott fliehen zu können und damit aus der Verantwortung, ist nach unserer heiligen Schrift eine Täuschung. Eine Selbsttäuschung des Menschen: „Würde ich sagen: Finsternis soll mich verschlingen und das Licht um mich soll Nacht sein. Auch die Finsternis ist nicht finster vor dir, die Nacht leuchtet wie der Tag.“ Vor Gott ist es anders, als wir es uns zurechtrichten, anders als es sich in unserem Recht ordnen und regeln lässt.

Und so bleibt es die Herausforderung eines christlichen Lebens, verantwortungsvoll zu leben – nicht aus Angst vor dem Tod aber unter dem wohlwollenden Blick Gottes. Denn der Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod und auch die Hölle tobt sich oft schon vorher aus in unseren Beziehungen. Beides ist vielmehr Besiegelung dessen, was uns in unserem Erdenleben wichtig war.

Deshalb „erforsche mich Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Sieh doch, ob ich auf dem Weg der Täuschungen bin. Leite mich auf den Weg, der in Ewigkeit Bestand hat.“ Amen

Kontaktpersonen der Pfarre
KonsR Mag. Markus Rubasch
KonsR Mag. Markus Rubasch
Pfarrmoderator
KonsR Mag. Franz Schlagitweit
KonsR Mag. Franz Schlagitweit
Ständiger Diakon
 Erich Pumberger
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1. Pfarrgemeinderatsobmann
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