Wednesday 16. October 2019
Pfarre Rannariedl

Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben

 

Predigt 7. Sonntag im Jahreskreis C

 

Wie funktioniert die Welt? Die Welt funktioniert so, dass man denen Gutes tut, die einem selber auch gut sind, dass man für die etwas übrig hat, von denen man selber auch was hat, dass man die grüßt, die einen selber auch grüßen, dass man die mag, die einen selber auch mögen, dass man für die betet, die einem nahe stehen. So funktioniert normalerweise die Welt und das Zusammenleben.

Mit dem Glauben hat das noch  gar nichts zu tun, sagt Jesus, denn so verhalten sich ganz normale sündhafte Menschen zu einander. Welchen Dank wollt ihr für solches Verhalten erwarten, fragt Jesus.  Das Plus des  Glaubens beginnt dort, wo man die Grenzen des eigenen Vorteils überschreitet, das Plus des Glaubens beginnt dort, wo man sich etwas von Gott abschaut, der gütig ist gegen die Undankbaren und Bösen. Dort erst geht es zur Sache des Glaubens, dort erst beginnt das Christentum.

Das Christliche beginnt, wo jemand nicht nur alles für seinen Clan oder seine Familie getan hat, wie es im Todesfall meist heißt, sondern, wo jemand über diese Grenzen mit seinem Gutsein hinausgegangen ist, dorthin wo er/sie keine Rückvergütung mehr erwarten konnte. Dort beginnt das Christliche. Dort, wo Gott unser Maßstab wird und die guten Taten nicht mehr im Kreis des eigenen Nutzens laufen.

„Tut Gutes denen, die euch hassen, segnet die, die euch verfluchen, betet für die, die euch beschimpfen“ so hat das Evangelium Jesu heute begonnen und Jesus sagt es nicht wenigen Auserwählten, etwa den Zwölfen, sondern er sagt es der großen Schar, die von überall her zu ihm gekommen ist. Jesus teilt seine Botschaft nicht ein in einen Teil für Normalverbraucher und einen Teil für Fortgeschrittene. Sie gilt immer denjenigen, die seine Jünger sein wollen oder wie wir meist sagen: die Christen sein wollen.

Wir ahnen es, dass wir da genug Arbeit haben, dass wir da viel mit uns selber kämpfen müssen, wenn wir damit beginnen, denen Gutes zu tun, die uns nicht mögen oder sogar hassen. Wir ahnen, dass wir viel Zeit zum Gebet brauchen, wenn wir beginnen für die zu beten, die schlecht über uns reden und uns beschimpfen. Da werden wir oft von vorn anfangen, dann wieder  aufhören, weil wir meinen, dass wir das nicht zusammenbringen, und dann hoffentlich doch nicht aufgeben. Und wer glaubt, er habe als Christ nichts zu beten, da findet man ein reiches Betätigungsfeld und Übungsfeld.

Den ersten und wohl sperrigsten Satz habe ich ja noch weggelassen: Liebt eure Feinde! Was meint er da mit dem Lieben? Wir können es herumdrehen wie wir wollen, aber wir kommen nicht darum herum, dass dieses Verhältnis mit unserem Herzen zu tun haben muss. Vielleicht hilft uns der nachfolgende Satz Jesu etwas weiter: „Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen.“

Wir sagen oft, das muss e jeder selber wissen. Ja, das weiß bestimmt jeder selber, was ihm gut tut und wie er von anderen behandelt werden will. Und genauso soll er es machen mit den anderen und auch mit denen, die er für seine Feinde hält. Was uns gut tut, das tut uns im Herzen gut.  Und es tut auch dem Feind oder der Feindin  im Herzen gut. Jeder Mensch weiß, wie heilsam es ist, gemocht und geschätzt zu werden, und auch der Feind ist ein Mensch.

Das Maß für diese Großzügigkeit, ist nicht das,  was wir selber bekommen haben oder uns widerfahren ist, das Maß ist Gott selber. Er setzt die neuen Maßstäbe. Wo ihr nichts erhoffen könnt, wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Söhne und Töchter des Höchsten sein, der gütig und barmherzig ist.

 

 

Fest der Taufe Jesu

 

Viele zieht es an den Jordan.

In Scharen ziehen sie hinaus.

Ein Mensch steht dort mit neuer Botschaft.

Voll Erwartung blicken sie auf ihn.

 

Was er tut ist neu und nie geschehen,

er taucht ins Wasser, die vor ihm stehen.

Vergebung erbitten sie von ihm

und Änderung ihres Lebens nehmen sie sich vor.

 

Mit dem Haufen steigt Jesus in den Fluss,

taucht ein wie die andern neben ihm.

Verlassen hat er seines Vaters Werkstatt.

Hat vor sich einen neuen Weg.

 

Zuspruch erbittet er von Gott,

der aus dem Wasser ihn erhört.

Mein geliebter Sohn bist du

Gefallen habe ich an dir.

 

Ein Wort, das lange gelten muss.

Ein Zuspruch für ein ganzes Leben.

Er sagt ja nicht: Hab Mut, du schaffst es.

Auch nicht: alle Vollmacht gebe ich dir!

 

Nicht sagt er: nimm dich zusammen, s´ geht schon gut.

Und nicht: ich rechne mit dir, also wanke nicht!

Nein, das alles nicht, nur: Mein geliebter Sohn bist du.

Gefallen habe ich an dir.

 

„Dies Wort, vergiss nicht, gilt für jeden Tag.

Hat Gültigkeit für deinen ganzen Weg.

Nimm´s mit in die Stadt und geh von Dorf zu Dorf

Und halte dich ganz fest an ihm.

 

Triffst du  Kranke, Sünder,  Ferne

Denk dran: Du bist mein Geliebter.

Stößt  auf Ablehnung du und  Widerstand,

fehlt dir  Erfolg in deinem Mühn,

denk dran: Gefallen habe ich an dir.

 

Feinden sie dich an, rotten sich zusammen:

Bedenke: mein geliebter Sohn bist du.

Treiben sie dich in die Enge,

vergiss nicht: Gefallen habe ich an dir.

 

Sollten dich verlassen deine Jünger:

Erinnere dich: mein Sohn bist du.

Und hängen sie dich an das Römerkreuz -

Gilt immer noch: Gefallen habe ich an dir.

 

Niemals nehme ich zurück,

was am Jordan hab ich dir bezeugt.

Bis in den Tod gilt mein Versprechen:

Mein Sohn bist du – Gefallen habe ich an dir.

 

Mein Wort überdauert deinen Tod

Erweist sich stärker als der gröbste Schmerz.

Und wenn dein Körper leidend aufgibt –

Mein Wort ist stärker als dein Tod.

 

Ich werd´ meinen Geliebten nicht verlassen.

Der mir gefällt, er wird für immer bei mir sein.

Niemals geb´ ich Recht denen, die dich schänden,

die in meinem Namen deine Richter spiel´n.

 

Der Platz zu meiner Rechten, er gehörte dir allein,

denn Gefallen habe ich an dir.

Nichts von deiner Liebe ist bei mir verloren,

denn deine Treue ist im Leiden nicht verpufft.

 

Es gilt auf ewig, was am Jordan ich dir sagte:

Mein geliebter Sohn bist du

Gefallen habe ich an dir

weit hinaus über alle Weltzeit.

 

Was du am Jordan hast gehört,

gilt für alle deine Jünger

Töchter,  Söhne sind in der Taufe sie mir geworden

mit Wohlgefallen schaue ich auf sie.

 

Amen

Maria Empfängnis 2018

 

 

Vor 60 Jahren begann Alexander Solschenizyn  im Geheimen an seinem großen Werk Archipel Gulag zu schreiben, in dem die Welt 15 Jahre später erstmals vom Leben in den stalinistischen  Umerziehungs- und Arbeitslagern erfahren sollte. Er verarbeitete 200 Berichte von ehemaligen Gefangenen dieser Lager. Er schrieb über deren Alltag, Gewalt, Demütigung, Sklavenarbeit in Sibirien. Er schrieb über das Gute und Böse, das sie darin erlebten, über gute Menschen und das böse System. Auf einmal schreibt er:

 „Wenn es nur so einfach wäre, dass irgendwo schwarze Menschen mit böser Absicht schwarze Werke vollbringen und es nur darauf ankäme, sie unter den übrigen zu erkennen und zu vernichten. Aber der Strich, der das Gute vom Bösen trennt, durchkreuzt das Herz eines jeden Menschen. Und wer vermag schon von seinem Herzen ein Stück vernichten?“

Der Strich, der das Gute vom Bösen trennt, durchkreuzt das Herz eines jeden Menschen. Das steckt auch hinter dem Gedanken von der Erbschuld, vor deren Bewahrung es am heutigen Marienfesttag geht. Und wer vermag schon von seinem Herzen ein Stück vernichten, das Böse in sich ausrotten? Gott hat nichts vernichten müssen im Herzen Mariens, denn er hat sie vor dem Bösen bewahrt. Reine Gnade, reine Bevorzugung, kein Verdienst, reine Erwählung. Maria, die Bevorzugte und Erwählte Gottes. So könnte man diese Glaubenswahrheit von Maria Empfängnis  ohne größeren Fehler umformulieren.

Seit über 20 Jahren  hat Maria Empfängnis eine neue Bedeutung im österreichischen Kalender bekommen. Aus dem Marienfeiertag ist der Einkaufsfeiertag im Advent geworden  und darin finden wir uns bis heute wieder und es ist mir Anlass, über diesen Gegensatz Empfangen  - Kaufen nachzudenken.

Empfangen oder kaufen, empfangene Maria oder gekaufte Maria? Empfangen von ihrer Mutter, aufgenommen und angenommen von ihren Eltern als Gabe, als Geschenk Gottes – auch wenn die Eltern gar nichts von der besonderen Erwählung ihrer Tochter geahnt hatten. Selbstverständlich angenommen, rein und unverfälscht wie Gott sie gedacht hat, unverdorben durch jede Gier, fern von allem Habenwollen.

Empfangen oder gekauft, das ist nicht dasselbe, geschenkt oder erworben - da ist ein großer Unterschied. Ihren Eltern geschenkt, der Welt geschenkt als neuer Anfang für Jesus, als neuer Anfang der Schöpfung: das Große ist nicht käuflich, es ist Gabe, die empfangen wird.

Maria Empfängnis im Advent sagt: Stopp: Das Wichtigste ist nicht käuflich! Niemand kann es erwerben mit eigener Leistung, Euro, Dollar und Bitcoin. Auch das Wichtigste für Weihnachten ist nicht käuflich. Stopp, macht euch keinen Stress! Das Wichtigste für Weihnachten gibt es nirgends zu kaufen!

In der Natur erleben wir: Wir empfangen die Gaben von der Erde. Sie sind uns nicht einfach verfügbar, dass wir danach greifen können. Wir müssen warten, ehe wir sie empfangen. Wir warten und empfangen, wenn sie reif sind. Weil uns das aber zu schwer fällt, kaufen wir in der Auswahl des Supermarkts. Da müssen wir nicht warten, das sind wir keine Empfänger, nur Käufer, die hingreifen und zahlen. Aber kaufen macht nicht satt.

Wir sehen es in den von oben bis unten gerammelt vollen Spielzeugregalen der Kinder. Kaufen macht nicht satt. Alles wird gekauft, auch wenn man nicht mehr weiß, was man noch kaufen könnte, weil sie alles haben. Das gekaufte macht die Kinder nicht satt, eine Viertelstunde, dann ist es schon wieder uninteressant. Auch Kinder müssen lernen zu empfangen nicht bloß: Haben wollen, immer mehr, immer Neues, Außergewöhnliches . Lernen wir ihnen zu Weihnachten nicht das Habenwollen, lernen wir ihnen das Empfangen und nicht das Anhäufen.  Denn es ist Maria Empfängnis ! Amen

 

 

           

Geheilt zum Glauben - Auferweckt zum Glauben

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis B

 

Zwei Menschen wenden sich in auswegloser Situation an Jesus. Da ist die Frau, die schon alles probiert hat, die austherapiert war, wie heute die Ärzte sagen – was normalerweise nichts Gutes bedeutet -, die alle ihre finanziellen Mittel dabei aufgebraucht hat. Sie entdeckt eine letzte Möglichkeit, eine kostenlose, die bis jetzt keine Option für sie gewesen ist: den Sprung in den Glauben: sich dem anzuvertrauen, von dem sie erzählen, dass rettende und heilende Kräfte von ihm ausgehen.

 

Der andere Mensch ist der Mann mit dem todkranken Kind. Von ihm wird nicht erwähnt, was er schon alles probiert hat. Die Todeskrankheit wird auch nicht beschrieben, so dass wir  irgendwie beurteilen könnten, wie hoffnungslos es wirklich gewesen ist. Dieser Mann kommt aus einem religiösen Umfeld. Er ist Synagogenvorsteher, so etwas Ähnliches wie heute ein Pfarrgemeinderatsobmann. Aber auch die betenden Leute verfolgt es – wie der Volksmund sagt. Angesichts der Aussichtslosigkeit, das Leben des Kindes zu erhalten, wendet er sich ebenfalls an Jesus, von dem er gehört hat, dass er Kranke heilen kann.

 

Beide setzen einen Akt des Glaubens, wagen diesen Sprung in die Hoffnung auf Jesus: die Frau indem sie nach seinem Gewand greift, der Mann, der sich niederwirft und so am Boden seine Bitte ausspricht. Beide drücken mit ihrer Haltung die eigene Hilflosigkeit aus und ihre allerletzte Hoffnung, die sie somit  auf Jesus setzen. Glaube zeigt sich hier als Entscheidung: ich tue es, ich wage es es, ich springe hinein in die Hoffnung auf Jesus.

Was hier von den beiden erzählt wird, das war jahrhundertelang für viele Menschen, die in Krankheiten und Leiden an ihr Ende gekommen und die Begrenztheit ihres Lebens aufgezeigt bekommen haben, der Rettungsanker, ihre einzige Hoffnung. Sie haben den Sprung des Glaubens gewagt, weil kein anderer Weg mehr möglich schien, aber es war für sie ein möglicher Weg, sich im Leid ganz Gott anzuvertrauen, die Heilung in seine Hände zu legen. Dass dieser Sprung des Glaubens nicht ins  Leere gegangen ist, dass sie dabei nicht in den Abgrund gestürzt sind, bezeugen tausende Votivtafeln und Votivgaben in unseren Wallfahrtskirchen und Kapellen.

 

Aber genau das ist im letzten Jahrhundert ganz anders geworden. Die schier  unbegrenzten Möglichkeiten der Ärzte ersparen den allermeisten Menschen diesen Sprung in den Glauben. Denn auch, wenn schon wirklich nicht mehr zu helfen ist, dann gelingt es zumindest, das Bewusstsein in der Schmerztherapie so weit zu trüben, dass der Kranke  sich nicht mit der Vorstellung der Begrenztheit und des Endes auseinandersetzen muss. Keiner braucht mehr am Ende sein Leben in Frage zu stellen, keiner braucht mehr seine falschen Wege zu bereuen und sich der Schuld in seinem Leben stellen, keiner mehr um Vergebung zu bitten, weil er in seinem Leiden erkannt hätte, wem er selber Leid zugefügt hat.

Medizin erspart dem Menschen die Umkehr, denn eine Glaubensentscheidung ist mit getrübtem Bewusstsein gar nicht mehr möglich. Aber in der Medizin geht es ja nicht um Glaubensentscheidungen. Es ist vielmehr ihre Pflicht, einem leidenden Menschen ein schmerzfreies Sterben zu ermöglichen. Kein vernünftiger Mensch wünscht einem anderen ein Sterben mit unerträglichen Schmerzen.  Aber es hat vieles im Leben eben zwei Seiten.

Gewiss, Glaubensentscheidungen sollen nicht erst in der Letzten Stunde gefällt werden, das Leben ist lang genug dafür. Das Leben ist auch noch lang genug für diese Frau, die Heilung bei Jesus gefunden hat. Sie hat noch viel Zeit, ihr Leben, das ihr in neuer Qualität geschenkt worden ist, im Glauben zu leben. Das Leben ist auch noch lange genug für dieses Mädchen, dessen Tod  Jesus als Schlaf gedeutet hat, aus dem er sie erweckt und gesagt hat: steh auf.

Denn mit Zwölf Jahren fängt ja die Auseinandersetzung mit dem Glauben erst an. Das Leben des Glaubens liegt noch vor ihr. Wir könnten diese beide Erzählungen mit den Überschriften versehen: Geheilt zum Glauben – Auferweckt zum Glauben.

Vielleicht sollte man  den gelten Firmritus umdrehen und zu den  12/13/14 Jährigen sagen: „wach auf, steh auf“, bevor man ihnen den Heiligen Geist auf die Stirne salbt. Denn zum Glauben in der Welt sind wir berufen durch die Heilige Salbung, zum Wachsein und Muntersein. Die Chance für den Sprung in den Glauben liegt mittens im Leben. Denn am Ende unseres Lebens werden wir die Möglichkeit zum Glauben aufgrund der üblichen therapeutischen Maßnahmen höchstwahrscheinlich nicht mehr haben.

Das Abschiedsmahl Jesu

 

 

Der Gründonnerstag hat mit seinen Lesungen und dem Gedenken an das Abschiedsmahl Jesu eine eigene Stimmung. Es ist nicht oft, dass Menschen ein Abschiedsmahl feiern. Es geht ja hier nicht um eine Pensionierung oder das Ende einer Amtsperiode, sondern es geht um das Auseinandergehen und das nicht mehr Zusammenkommen in  dieser Welt. Und die biblischen Texte lassen Zweifel aufkommen, ob seine Jünger den Ernst des Abschieds verstanden haben, denn Jesu Worte klingen einsam und unverstanden. Aber vielleicht ist Abschied immer schwer vorzustellen. Ganz anders konnte z.B. Sokrates Abschied feiern von seinen Schülern. Sie blieben bis zu seinem Tod bei ihm, sprachen mit ihm und wollten auch noch das Letzte von ihm hören. Und sie deckten ihn zu, als der Gifttrank seinen Körper erstarren ließ. Sie feierten mit ihm ein heiliges Sterben. Bei Jesus und seinen Jüngern lief es völlig anders. Er musste alleine sterben, entblößt und qualvoll.

Was bleibt von Jesus? Es bleiben vor Worte, es bleiben Gesten: das Waschen der Füße, das Teilen des letzten Brotes und des letzten Bechers Wein. Es bleibt die geheimnisvolle Widmung: für euch. Dieses Für Euch zeigt sich schon kurze Zeit später als die Soldaten Jesus am Ölberg gefangen nehmen:  Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese hier gehen. Jesus tritt ein für seine Jünger. Eben dieses FÜR, das wir beim Gedenken an sein Leiden immer wieder sagen, dieses für uns, bekommt in dieser Nacht  Gewicht, und das für Andere bleibt bis heute für Christen aktuell.

Vor zwei Wochen hat in Frankreich ein Polizist sein Leben gegeben  im Austausch für eine Geißel. Arnaud Beltrame, ein junger Katholik, der am Sonntag zuvor noch im Gottesdienst war, hat nicht geschrien Groß ist Gott, aber er hat sein Leben hingegeben für andere Menschen – wie sein Glaubensvorbild Jesus: für euch.

Seit Jahrhunderten sieht die Kirche in diesem Abschied  den Stiftungswillen Jesu für die Eucharistie und für das kirchliche Amt. Aber die Widmung  gehört allen, die sein Wort aufnehmen, von dem einen Brot essen und aus dem einen Kelch trinken, und seinem dienenden Beispiel in der Nachahmung folgen.

„Ist der Kelch, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi?  Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“  Der Gründonnerstag macht uns diese Teilhabe an Jesus mit Leib und Blut bewusster als jede andere Feier der Eucharistie im Jahr.

Vier also sind es, die uns innig mit Jesus verbinden: Das Wort, das Beispiel, das Brot und der Wein. Im Glauben sind diese vier mehr als sie unseren Augen und Sinnen scheinen: sie sind das tragende Wort, die rettende Tat, der stärkende Leib und das lebenspendende Blut.

Mit Wort und Tat, in Fleisch und Blut sollen wir Jesus nachgehen in dieser Welt. Deshalb kann der Gründonnerstag auch Anlass sein, alle Zeichen wirken zu lassen: das Wort eindringen lassen in das Herz, den Entschluss zu stärken, seinem Beispiel mehr zu folgen, sein Brot zu empfangen und aus seinem Kelch zu trinken, in dem Bewusstsein, dass er selber uns beides reicht, damit wir selber sein Leib werden in dieser Welt.

Einen neuen Bund schließt  Jesus mit uns heute, zeichenhaft und wirklich, dazu dient die vierfache Gabe der Eucharistie: das Wort und das Beispiel, das Brot und der Wein. Wir nehmen sein Leben an für uns und wir nehmen sein Leiden und Sterben an für uns. Das ist heute unser neuer Bund mit ihm.

Taufe Jesu

 

Vieles und Großes ist in den Weihnachtstagen über Jesus gesagt worden. Heute wird noch einmal getoppt. Heute kommt der höchste Titel für Jesus aus dem aufgerissenen Himmel: du bist mein geliebter Sohn.

Aber was steht hinter diesem großen Wort „SOHN“?  Es verbergen sich dahinter keine einheitlichen oder klaren Vorstellungen. Zu allen Zeiten haben sich Menschen verschiedene Bilder dazu gemacht. Die Frömmeren halten es eher mit den Erklärungen der Engelboten, die zu Maria und Josef sprechen, also mit der geistgewirkten Empfängnis Jesu. Die Liberaleren hingegen setzen auf eine Adoptionsvorstellung wie die Taufszene heute sie bringt: Gottes Geist nimmt Besitz von Jesus und macht ihn zum Sohn.

Aber schauen wir uns genauer an, was der Evangelist Markus heute bietet, ob es wirklich weniger ist als das, was seine jüngeren Kollegen Lukas und Matthäus in den Weihnachtserzählungen uns verkünden.

Da ist also zuerst von Johannes die Rede, der tauft und zwar mit Wasser. So wie wir alle, die taufen dürfen, nur mit Wasser taufen! Keiner tauft mit Geist. Über den verfügen wir nicht, wir nicht und der Täufer Johannes auch nicht. Nichts von unserem Geist springt  auf die Getauften über. Das tut uns zwar leid, aber es ist so. Der Geist kommt nicht von der Taufe, sondern aus dem aufgerissenen Himmel.

 

Der Himmel ist nicht geöffnet. Er hat ja keine Tür und kein Tor, das man öffnen und schließen kann. Er ist aufgerissen, wie es auch in der neuen Bibelübersetzung richtig heißen wird: aufgerissen, denn das ist etwas Einmaliges, was hier geschieht. Die Grenze zwischen Himmel und Erde wird durchbrochen, wenn es um Jesus geht. Haben wir nicht schon in einem Adventlied davon gesungen: o Heiland, reiß den Himmel auf! Heute also ist es soweit: Der Himmel ist aufgerissen, um Jesus zu sagen, dass er der Sohn ist.

 

Die Erklärung, die aus dem Himmel kommt hat es an sich. Sie ist keine feierliche Formulierung eines Glaubenssatzes wie in der Verklärungserzählung. Sie ist ein ganz persönliches Wort, wir könnten sagen ein Kompliment, das Jesus gemacht wird, oder noch besser: eine Liebeserklärung: DU bist der SOHN, MEIN GELIEBTER, Du gefällst mir!

Das wurde bis jetzt noch keinem gesagt von Gott. So etwas sagen normalerweise nur verliebte Menschen zueinander: Du bist mein(e) Geliebte(r), du gefällst mir!   

Diese Worte aus dem Mund Gottes sind unerhört, sie übertreffen auch bei weitem die Komplimente des Engels an Maria: der Herr ist mit dir, du bist voll der Gnade, du bist gesegnet unter den Frauen … Aber:  du bist meine Geliebte, das hat er nicht einmal zu Maria gesagt.

 

In der Tauferzählung  tritt Gott ein in eine sehr herzliche Beziehung zu Jesus, die nur mit Worten der Liebe umschrieben werden kann. Jesus ist der Sohn, weil er von Gott  geliebt ist mit Sympathie und Gefühl. Das ist das Weihnachtsevangelium des Markus: Jesus tritt auf und er ist der von Gott geliebte Sohn.

Vor einigen Jahren hat der Priester und Therapeut Henri Nouwen ein Bestseller Buch geschrieben. Es trug den Titel: „Du bist der geliebte Mensch.“ Er hat darin die Taufbotschaft, die Jesus empfangen hat, umgelegt auf die Taufe jedes Christenmenschen. Auch du bist der geliebte Mensch, wenn du Gott so nahe an dich heranlassen willst mit einem Wort herzlicher Liebe.

Unsere Liebe zu Gott ist meist eine Liebe auf Distanz, eine kühle Liebe, oft auch eine knausrige und sparsame, so als ob wir unsere Liebe noch für jemand Würdigeren aufsparen müssten. Gottes Liebe zu uns hingegen ist eine herzliche: Du bist mein geliebter Mensch, du gefällst mir. Und das gilt seit unserer Taufe.

 

Es kommen in unserem Leben nicht viele Worte aus dem Himmel, auch im Leben Jesu waren es diese wenigen. Aber sie haben Gewicht und gelten ein Leben lang – auch wenn Gott sich wieder ins Schweigen zurückzieht. Denn das Wichtigste ist uns gesagt: Du bist mein geliebter Mensch. Dem lässt sich nichts mehr hinzufügen.

 

2. Adventsonntag

 

Der Weg des Herrn

 

Glauben lernt man nicht wie ein Handwerk oder eine andere Fähigkeit, man lernt ihn nicht ein und man lernt ihn nicht auswendig, schon eher lernt man ihn im Mitgehen. „Glaube geht man“ könnte man sagen. Das ist schon bei Kindern so. Die meisten lernen 9 Jahre über den Glauben, andere 12 Jahre im Religionsunterricht in verschieden Schulen. Sie lernen über den Glauben und das rundherum. Nur mehr ganz wenige lernen den Glauben vom Mitgehen, weil niemand mehr mit ihnen mitgeht. Aber Glaube ist nun einmal ein Weg und das Lernen im Kopf genügt nicht.

Bei den Taufansprachen  sage ich: Taufen heißt ein Kind auf den Weg Jesu setzen. Aber es nicht bloß hinsetzen und sagen: Jetzt geh. Sondern dieses Kind an der Hand nehmen und sagen: gehen wir gemeinsam. Wir führen dich ein in die Übung des Gebetes, in die Feier des Gottesdienstes. Wir bereiten dich vor auf die christlichen Feste und auf den Empfang des Lebensbrotes. Immer weniger Kinder haben diese Möglichkeit, wir erleben das bei unseren Erstkommunionkindern, nicht einmal zur Familienmesse geht jemand mit  ihnen mit. Dabei ist das miteinander in die Kirche gehen ist ein wichtiger Glaubensweg, auch wenn es nur der Anfang des Weges ist.

Der Glaube ist ein Weg sagen auch die biblischen Texte des 2. Adventsonntags. Ein Weg durch die Wüste, eine Straße durch die Steppe über Berg und Hügel durch Kurven und Geraden. Der Glaube ist wie ein Weg. Am Rand dieses Weges steht der Rufer Johannes. Er ruft, was für alle gilt: Taufe und Umkehr, nicht nur das eine, auch das andere: Taufe und Umkehr. Ein Lästerer hat einmal gesagt: Ein Amerikaner bekehrt sich zweimal am Tag, ein Mühlviertler normalerweise nie, dem genügt die Taufe allein. Glaube aber ist ein Weg der Umkehr, der mit der Taufe beginnt.

Jeder Weg hat seine Kreuzungen und manchmal muss man umkehren, nicht nur, weil man sich vergangen hat, sondern viel öfter, weil man Wichtiges vergessen hat. Umkehr gehört zum Glaubensweg. Die Leute kommen zu Johannes und er sagt: kehrt um, ihr habt etwas wichtiges Vergessen in eurem Glauben, geht zurück, vielleicht sogar bis an den Anfang.

Und was ist mit dem Proviant für diesen Weg zurück? Der Proviant für den Glaubensweg ist das Gebet. Ohne dieses verhungert der Glaube, verläuft der Weg im Sand. Müssen wir vielleicht zurückgehen, weil wir das Gebet schon ganz vergessen haben?  Mit dem Gebet schaffen wir ja die Verbindung zwischen unserem Leben und Gott. Wo diese Verbindung wegfällt, wo ist dann noch  Glaube? Kehrt um, sagt Johannes, geht zurück, meint er vielleicht: kehrt um zum Gebet und tragt euer Leben wieder hin vor Gott.

Noch einmal ruft Johannes: kehrt um zum Nächsten. In diesen Tagen wird viel gekauft und geschenkt unter denen, die haben. Die aber, die nicht haben, geraten schnell  daneben, der nächste Sonntag erinnert wieder daran: Bruder in Not. Kehrt um zum Nächsten in der Ferne und zum Nächsten neben euch. Johannes schickt uns zurück in jene Tage unseres Lebens, in denen unser Herz vielleicht noch offener war und wir bereiter waren, Anteil zu nehmen an der Not anderer, zurück zu jenen Tagen als Geiz eben noch nicht geil war und Solidarität noch ein stolzes Wort in unserem Land, zurück zu jenen Tagen, in denen im Schlagzeilenpapier an den Straßenlaternen noch nicht in 5 cm großen Buchstaben  gehetzt wurde gegen die Bedürftigen so wie gestern und fast jeden Tag.

Johannes schickt uns zurück. Er sagt kehrt um. Kehrt um von der Hartherzigkeit zur Barmherzigkeit, vom immer mehr Habenwollen zur Genügsamkeit. Im Lukasevangelium sind diese Vorschläge des Johannes ausgedeutet. Wir könnten sie dort lesen.

Wo stehen wir  denn auf unserem Glaubensweg? Sollen wir umkehren, weil wir Wichtiges vergessen haben, oder können wir doch unbekümmert weitergehen, weil die Richtung eh stimmt und das Ziel klar ist? Sind wir auf dem Weg, der uns Gott und den anderen näher bringt?

Kehrt um – das will wohl heißen: prüfe dein Herz, wo es steht, und dann geh in die Richtung, die du erkennst als Ruf Gottes für dich.

 

 

Kontaktpersonen der Pfarre
KonsR Mag. Markus Rubasch
KonsR Mag. Markus Rubasch
Pfarrmoderator
KonsR Mag. Franz Schlagitweit
KonsR Mag. Franz Schlagitweit
Ständiger Diakon
 Erich Pumberger
Erich Pumberger
1. Pfarrgemeinderatsobmann
Pfarre Rannariedl
4143 Neustift im Mühlkreis
Pühret 12
Telefon: 07284/8373
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