Samstag 23. Februar 2019

Warum Umbau?

Im Dokument über die Liturgie formuliert das 2. Vatikanische Konzil, dass die Eucharistie "Höhepunkt und Quelle" des christlichen Lebens ist. Christus ist in der Gemeinde gegenwärtig in seinem Wort, in den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein, im Priester und in der betenden Gemeinde. Deshalb muss das Volk Gottes auch bewusst und tätig an der gemeinsamen Feier teilnehmen können und nicht bloß als Zuschauer. Nicht der Priester feiert also die Messe, sondern unter seiner Leitung die ganze Gemeinde.



Foto: Innenraum nach Umbau

 

Gottesdienst ist eine Feier des Volkes, nicht eine Feier für das Volk!
Das Bild von der Kirche als wanderndes Gottesvolk, als Gemeinschaft der Getauften, gilt also gerade auch für die Liturgie. Damit das in der Feier auch leiblich erfahrbar werden kann, braucht es eben auch die entsprechende Raumgestalt. Die Gestaltung des Raumes ist also Spiegelbild eines ganz bestimmten Kirchenverständnisses und prägt den Glauben und das Gottesbild mit.
Jede Epoche hat die Kirchenräume nach ihren theologischen Vorstellungen gestaltet. Nun war auch bei uns die Gelegenheit gegeben, den Feierraum kommunikativer zu gestalten, von der engen Autobus-Sitzordnung wegzukommen, den Altar und den Ambo näher zum Volk zu bringen. Die räumliche Trennung von Presbyterium und Kirchenschiff, von Bühne und Zuschauerraum ist nicht mehr erwünscht.
So war die Liturgie die eigentliche Bauherrin unseres Projekts. Durch den Umbau kann nun das gläubige Handeln der ganzen Gemeinde sichtbar werden, ganz gemäß dem Schriftwort: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20).
All diesen Vorstellungen des Konzils und einer modernen Liturgie sind wir durch den Umbau entscheidend näher gekommen. Nun gilt es mit Leben zu erfüllen, wofür das Bauwerk die Möglichkeiten bietet. Denn letztlich sind wir Christinnen und Christen selber "die aus lebendigen Steinen erbaute Kirche, das wahre Gotteshaus" (1 Kor 3,9).

Raumkonzept

Das Raumkonzept

Gemeinsam mit dem Architekten Franz Treml und den Künstlern Sepp Auer und Inge Dick haben wir einen Gottesdienstraum erarbeitet, der von klaren und einfachen Linien geprägt ist, in dem Helligkeit und Licht eine wichtige Rolle spielen und der die Wand des ehemaligen Triumphbogens bewusst weiß und leer lässt. Der Raum ist immer noch relativ klein und so war es bei der Einrichtung auch ein Ziel, durch helle und zierliche Möblierung das Gefühl der Leichtigkeit zu fördern.
Dieser schlichte und offene Feierraum kann deutlich machen, dass bei Gott andere Bedingungen gelten. Hier ist es möglich in besonderer Weise Konzentration zu finden, ohne die Augen schließen zu müssen. Ein solcher Raum, der bewusst zurücktritt, kann den Blick auf das Wesentliche lenken.
Alles, was sich in einem solchen Raum befindet, bekommt eine besondere Kraft und erfährt eine besondere Aufmerksamkeit durch die Leere, die es umgibt. Weniger ist oft mehr! Aus diesem Grund und auch aus Platzgründen haben wir z.B. auf einen Bilder-Kreuzweg verzichtet und den Kreuzweg sehr schlicht tatsächlich als Weg im Fußboden verwirklicht.




Foto: Grundriss vor Umbau

 

"Leere Räume" können für die Menschen als Aufforderung wirken, selbst leer zu werden für Gott. Hier wird besonders deutlich, dass ein Gottesdienstraum ein Warteraum ist, der bereit steht für die Begegnung zwischen Gott und den Menschen. Der weiße Triumphbogen versinnbildlicht den unbeschreiblichen Gott und ermöglicht ohne Ablenkung den Blick auf das Wesentliche - Ambo und Altar. Beide symbolisieren Jesus Christus und damit das Begegnungsangebot Gottes, der in Wortgottesdienst und Eucharistie wiederum gegenwärtig wird. An dieser Schnittstelle des Kirchenraumes als Wirkraum des Heiligen Geistes steht auch das neue Kreuz.
Der neue Kirchenraum beherbergt weiterhin den bisherigen Hochaltar, die Seitenaltäre und die Orgel - allerdings in angepasster Farbgebung, die nicht willkürlich gewählt wurde, sondern in wiederhergestellter ursprünglicher Fassung.
Die Heiligenfiguren wurden ebenfalls restauriert und haben wieder ihren Platz gefunden. Auch sie gehören nicht ins Zentrum des liturgischen Geschehens und wurden daher - wie schon in der alten Kirche - seitlich platziert.



Foto: Grundriss nach Umbau

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