Tuesday 16. August 2022

Ansprach Mette 2010

Pfarrassistent Josef Rathmaier

Wenn in eine Familie ein Kind hineingeboren wird, dann kommen bald die Nachbarn, Verwandten und Freunde und besuchen das Kind und seine Familie. „Zuatraogn“ nennt man dies. Was ist der Sinn vom Zuatraogn? Man ist neugierig auf das Kind und schaut es an. Man kommt auch nicht mit leeren Händen, sondern beschenkt das Kind. Und man freut sich mit den Eltern mit.

 

In dieser Nacht ist nicht irgendein Kind geboren, sondern das Kind, das uns alle erfreuen will.  „Das Kind ist gekommen“, so heißt es auf der einen Altarkerze, die von Christine Steiner verziert wurde. Daneben hat sie eine Krippe gestaltet. Und auf der dritten Kerze heißt es: „Lasst uns gehen und schauen.“

 

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Kind von Betlehem, dieses Kind in der Krippe lädt uns heute ein, Pfarrassistent Josef Rathmaier.

 

Wenn in eine Familie ein Kind hineingeboren wird, dann kommen bald die Nachbarn, Verwandten und Freunde und besuchen das Kind und seine Familie. „Zuatraogn“ nennt man dies. Was ist der Sinn vom Zuatraogn? Man ist neugierig auf das Kind und schaut es an. Man kommt auch nicht mit leeren Händen, sondern beschenkt das Kind. Und man freut sich mit den Eltern mit.

 

In dieser Nacht ist nicht irgendein Kind geboren, sondern das Kind, das uns alle erfreuen will.  „Das Kind ist gekommen“, so heißt es auf der einen Altarkerze, die von Christine Steiner verziert wurde. Daneben hat sie eine Krippe gestaltet. Und auf der dritten Kerze heißt es: „Lasst uns gehen und schauen.“

 

Liebe Schwestern und Brüder, dieses Kind von Betlehem, dieses Kind in der Krippe lädt uns heute ein, dass wir zu diesem Kind gehen und es anschauen. Mehr noch, es lädt uns ein, dass wir ins „Zuatraogn komman“.

 

Was möchten wir dem Kind in der Krippe zutragen? 

Wir brauchen dem Kind nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen, wie die Weisen aus dem Morgenland. Wir brauchen auch keinen neuen Strampler oder Pullover bringen.

 

Was können wir dem Kind zutragen?

Ich meine, wir sollten diesem Kind all das zutragen, an dem wir selbst, unsre Mitmenschen und die ganze Welt wirklich zu tragen haben. Ich lade dich ein, fange heute Nacht einmal ganz persönlich bei dir an: Woran hast du zu tragen? Was kannst du kaum mehr ertragen?


Heute leiden in unserer Gesellschaft viele an unserem Wirtschaftssystem. Der Druck steigt: es soll immer mehr in kürzerer Zeit geleistet werden. Besonders ältere Arbeitnehmer, aber in manchen Bereichen auch junge Menschen spüren, dass sie das mit der Zeit überfordert und sie nicht mehr zu Ruhe kommen. Sie können nicht einmal in der Nacht abschalten. Psychische Krankheiten sind oft die Folge solcher Überforderung. Andere Menschen wiederum leiden darunter, dass sie die Gesellschaft nicht braucht.

 

Woran hast du zu tragen? Was kannst du kaum mehr ertragen?


Oft sind es die vielen kleinen und großen Sorgen, die die Menschen fast erdrücken. Es sind die Sorgen um die eigenen Kinder, wenn sie ganz andere Wege gehen, als uns lieb ist, oder weil sie in der Schule einen Außenseiterplatz bewältigen müssen.


Es sind die vielen Sorgen, die sich um das Thema Gesundheit und Krankheit drehen. Manche leiden darunter, weil sie in finanziellen Nöten sind. Wieder anderen tun sich schwer in ihren Beziehungen - in der Ehe oder sie haben zu kämpfen mit den Schwiegereltern, weil sie nicht in die zweite Reihe zurücktreten wollen.

 

Woran hast du zu tragen? Was kannst du kaum mehr ertragen?

 

Geh Zuatraogn zum Kind nach Betlehem! Vor diesem Kind brauchen wir nichts leisten. Wir brauchen nicht glänzen und auch nicht gut sein. Nimm alles mit, woran du zu tragen hast. Nimm alles mit, was dich fast erdrückt und dich zutiefst traurig macht. Dieses Kind kann dir deine Last leicht machen. Nämlich deshalb, weil es kein Kind blieb, sondern ein Mann wurde und mit ihm die Kraft Gottes war und ist.


Als Erwachsener hat er die Lasten der Menschen abgenommen und sie frei gemacht von dem, was sie bedrückte. Menschen konnten sich in seiner Gegenwart aufrichten, zu sich und anderen stehen. Sie wurden wieder fähig Gemeinschaft zu erfahren. Und zuletzt hat er die Greuel der Welt an das Holz des Kreuzes geheftet und das Kreuz selbst getragen.

 

„Das Kind ist gekommen. Lasst uns gehen und schauen.“

 

Liebe festlich gestimmte Feiergemeinde!

 

Weihnachten, diese Heilige Nacht geht uns nahe, weil ein Kind uns anrührt und berührt. Ein Kind öffnet uns das Herz, und all das Harte in uns wird auf einmal weich und geschmeidig. Dieses Kind öffnet uns auch die Augen für die Not anderer und zeigt auf die Armut, unter der diese Welt leidet.

 

Dieses Kind begegnet uns in allen Kindern und Hilfsbedürftigen dieser Welt und natürlich auch in unseren eigenen Kindern. Das Alter spielt dabei keine Rolle.

 

Dazu eine Geschichte („Das schönste Weihnachtsgeschenk“ von BEATE FLECK)

Aus der Poli­zeiwache am Marktplatz fiel ein Lichtschein auf die Straße. Verbre­cher und Straftäter nahmen auf Weihnachten keine Rücksicht; so war die Dienststelle auch heute besetzt.

 

Drinnen saßen zwei Polizisten, stumm über Akten gebeugt. Plötzlich durchbrach das schrille Klingeln des Telefons die Stille. Wachtmeister Fritz Langer nahm den Hörer ab.

 

»Polizeidienststelle Altenhof, guten Abend. Wer spricht bitte?«

 

Einen Moment lauschte er in den Hörer.

 

»Ja, ich komme sofort«, erwiderte er und legte den Hörer auf. »Das war die Tankstelle unten an der Ausfallstraße. Die haben einen Jungen beim Diebstahl von Cola-Dosen geschnappt. Ich fahr hin und hol das Bürschchen her.«

 

Oberwachtmeister Hermann Stöcker nickte. Es geschah immer häufiger, dass junge Leute etwas aus Läden mitgehen ließen.

 

Eine halbe Stunde später war Langer wieder da. Mit einem ver­legenen Gesicht zog er einen halbwüchsigen Jungen hinter sich her. Als die beiden ins Licht traten, blieb Stöcker fast das Herz stehen.

 

»Du?«, fragte er völlig fassungslos und trat einen Schritt zurück. »Du?!«, rief er nochmals, diesmal lauter.

 

Vor ihm stand sein eigener Sohn Ralf. Stöcker ließ sich auf seinen Stuhl fallen. Kollege Langer zog sich diskret in einen Nebenraum zurück. Das sollten die beiden unter sich ausmachen. Eine Ewigkeit sahen sich Vater und Sohn stumm an: der Junge mit einem hochmüti­gen Blick, als freue er sich an dieser unerhörten Situation; der Alte mit ungläubigem Entsetzen. Dann räusperte sich Stöcker.

 

»Warum hast du... ich meine wieso?« »Ich hatte Durst.«

 

»Wir haben genug zu trinken zu Hause.«

 

»Aber keine Cola.« »Cola ist ungesund.« »Ich hatte Durst auf etwas Ungesundes.« »Und dann gehst du einfach in die Tankstelle, stiehlst die Dosen und findest das wohl noch richtig, was?«

»Es war die einzige Gelegenheit, einen Termin bei dir zu bekom­men.«

 

»Was soll das heißen, einen Termin? Ich bin dein Vater. Wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es mir zu Hause.«

 

»Das kann ich leider nicht. Du bist nie da. Du schiebst hier deinen Dienst, machst laufend Überstunden, kommst jeden Tag erst nach Hause, wenn ich schon im Bett liege. Selbst heute, am Heiligabend, sitzt du hier. Du hast mehr Zeit für deine Verbrecher als für mich.«

 

Der hochmütige Ausdruck auf Ralfs Gesicht verflog und darun­ter erschien ein verletztes Kindergesicht. Den Tränen nahe, fügte er noch hinzu: »Ich bin dir doch völlig egal!«

 

Stöcker war wie vom Donner gerührt. Er versuchte die Hand sei­nes Sohnes zu ergreifen, aber Ralf zog sie wie elektrisiert zurück.

 

»Aber Junge, das stimmt doch nicht! Du bist mir doch nicht egal! Aber ich muss hier meine Pflicht erfüllen. Die Pflichterfüllung ist ein wichtiger Bestandteil unseres... «

 

»Hör auf zu predigen, Vater. Ich bin keiner deiner Untergebenen. Ich kann das Wort Pflichterfüllung nicht mehr hören. Wie steht es denn dann mit der Pflicht des Vaters dem Sohn gegenüber. Der Pflicht, für den Sohn da zu sein?«

 

»Es ist doch keine Pflicht für mich, dein Vater zu sein.«

 

»Doch, eine lästige sogar. Warum sonst ist es dir völlig gleich, was ich tue?« Bleischwer legte sich wieder Stille über die beiden. Ralfs Worte hatten Stöcker bis ins Mark getroffen. Machte er wirklich diesen Ein­druck auf seinen Sohn? Je mehr er über Ralfs Worte nachdachte, umso mehr musste er ihm Recht geben.

 

Als vor drei Jahren seine Frau gestorben war, hatte sich Stöcker vor lauter Gram in die Arbeit gestürzt und dabei Ralf vernachlässigt. Vor lauter Selbstmitleid hatte er vergessen, dass nicht nur er, Stöcker, seine Liebe verloren hatte, sondern Ralf auch die Mutter. Stöcker stand auf und holte seinen Mantel.

 

»Fritz«, rief er seinem Kollegen zu, »ich gehe jetzt nach Hause. Weihnachten feiern mit meinem Sohn!«

 

Dann drehte er sich zu seinem Jungen. »Vorausgesetzt, du möch­test mit mir Weihnachten feiern.«

 

Die Augen des Jungen glänzten auf.

 

»Ja, das möchte ich.«

 

Sie traten beide auf die dunkle Straße. Als Stöcker diesmal nach der Hand seines Sohnes griff, zog er sie nicht weg.

 

Zu Hause schmückten sie den Weihnachtsbaum und zündeten die Kerzen an. Dann fingen sie an zu reden. Stöcker erzählte von sich, und Ralf sprach über sein Leben. Sie sprachen bis tief in die Nacht hinein. Als alles gesagt war, nahm Stöcker Ralf in den Arm.

 

»Ich verspreche dir, dass alles anders wird. Ich bin froh, dass du mir die Augen geöffnet hast. Die Vergangenheit ist vergangen. Wir schauen jetzt in die Zukunft. Versprich du mir aber, nie wieder so einen Unsinn zu machen.«

 

Das versprach Ralf seinem Vater gerne. Und Stöcker wusste, dass sein Sohn ihm trotz allem das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht hatte.

 

Liebe Schwestern und Brüder!  Das Kind ist gekommen, geh zutraogn! Und manchmal trägt das Kind in der Krippe uns etwas zu, was uns zwar anfangs nicht schmeckt, uns aber letztendlich große Freude bereitet.

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