Samstag 26. Mai 2018
Pfarre Oberkappel

Das Rosenkranzgebet ist eine wichtige Schrift des Glaubens!

Viele Menschen können mit dem Rosenkranz nicht viel anfangen. Er erscheint als Gemurmel und Geleier. Ich denke jedoch, dass das Rosenkranzgebet gut in unsere Zeit passt.

Perikopen: Apg 1,12-16 Lk 1,16-38

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Am Beginn der Predigt zum Rosenkranzfest muss zugegeben werden, dass viele Menschen mit dem Rosenkranz nicht viel anzufangen wissen. Er erscheint als Gemurmel und Geleier. Ich denke jedoch, dass das Rosenkranzgebet doch gut in unsere Zeit passt. Der Priesterschriftsteller Wilhelm Willms hat einmal ein tiefes Wort über diese Gebetsform gesagt. Es lautet: „Mit den Fingerspitzen werden wir diese Perlen wie eine Blindenschrift abtasten. Mögen uns dabei die Augen aufgehen.“ Der Rosenkranz ist wie eine Blindenschrift. Man muss behutsam, mit Fingerspitzengefühl eine Perle nach der anderen abtasten, wie ein Blinder die Buchstaben seiner Schrift abtastet. Wer diese Perlen durch die Finger gleiten lässt, lernt die Schriften des Glaubens zu lesen, dem gehen die Augen auf für ungeahnte und wichtige Horizonte.

 

So ist der Rosenkranz erstens nicht das Gebet der Gedankenlosen, sondern der Nachdenklichen. Beim Rosenkranz geht es weniger um den Wortlaut. Es geht um diese wiederholende, gleichmäßige Atmosphäre. Ich möchte sagen, dass der Rosenkranz eine Art Hintergrundmusik ist, die uns helfen kann all unsere Gedanken, alles, was uns bewegt zu ordnen. Er hilft uns über unser Leben nachzudenken und es in die Hände Gottes zu leben. Es fällt uns oft schwer unser Leben in Gedanken zu ordnen. Wir sind sprunghaft, unruhig, nervös, unkonzentriert, wir sind, wie es die Verhaltensforschung sagt „Momentanisten“, Menschen die den Moment erleben, aber das Leben in seiner Ganzheit verlieren wir oft aus dem Blick. Genau da kann die Hintergrundmusik des Rosenkranzes helfen ruhiger zu werden und das Leben zu ordnen. Im heutigen Evangelium finden wir Ähnliches Mit einer einfachen Bemerkung hat es geendet. Wir alle haben den Text schon so oft gehört, dass wir an manchen Stellen aufpassen müssen, nicht darüber hinwegzuhören. Der Schlusssatz heißt: „Danach verließ sie der Engel.“ Da war Maria allein auf sich gestellt, allein mit der großen göttlichen Erwählung und Berufung, Mutter Jesu zu werden, ledige Mutter zu werden. Nach dem Gespräch mit dem Engel, in dem Gott ihr so viel anvertraut und zugetraut, aber auch zugemutet hatte, war sie allein, mitten unter vielen Menschen. Allein in Nazareth in ihrem Alltag mit den vielen unzähligen Kleinigkeiten. Sie war geschockt, herausgefordert, eingeweiht in den großen Plan Gottes von seiner Menschwerdung in ihr und durch sie. Doch sie war auch verlassen und konnte vermutlich mit keinem Menschen darüber reden. Was werden die Nachbarinnen und Freundinnen alles getuschelt und geredet haben über sie? Je mehr und je länger wir darüber nachdenken, umso mehr tun sich Abgründe auf, die uns erahnen lassen können, wie Maria wohl damals zumute war, wie es ihr damit gegangen ist, die Mutter Jesu zu werden. Und da wird sie viel Zeit gehabt haben über das Geschehene nachzudenken, ihr Leben zu ordnen. Sie war nachdenklich und nicht gedankenlos. Das ist die wichtigtse Funktion des Rosenkranzes.

 

Aber es gibt auch noch eine zweite. Das wichtigste Wort bei jedem „Ave Maria“ ist Jesus. Es geht um Jesus Christus, um sein Kommen in diese Welt, sein Leiden und Sterben und um seine Auferstehung und Himmelfahrt. Die zentralen Geheimnisse des Lebens Jesu werden in den drei klassischen Rosenkränzen durchgebetet. Das Leben, Wirken, Sterben und Auferstehen Jesu soll uns immer vor Augen stehen, und zwar als etwas wirklich Lebendiges, so als ob wir Leibhaft dabei wären. Ich glaube, dass wir unseren Herrn Jesus Christus oft zu sehr als irgendeine schöne, vergangene Geschichte betrachten. Wir bewundern Jesus, aber sind wir wirkliche Nachfolger. Der Bewunderer sagt „oh, wie schön,“ der Nachfolger sagt „ich gehe mit, ich werde etwas tun.“ Darum geht es beim Rosenkranz. Es gehen uns die Augen für das Leben Jesu auf, dass eine lebendige Wirklichkeit sein soll. Übrigens können wir dieses Verweilen bei Jesus auch noch ausbreiten, indem wir andere Phasen seines Lebens betrachten und weitere Gesätzchen formulieren. Ich nenne einige: „Jesus, der die Kranken liebt; der um unsere Sorgen weiß; der uns liebt; dem ich viele gute Menschen verdanke; der mir inneren Friede schenkt.“ Es gibt unzählige Möglichkeiten Jesus im Rosenkranz nahe zu kommen. Dadurch gehen mir die Augen für das ganze Leben Jesu auf, aber auch für mein Leben und das der Mitmenschen.

Noch ein dritter Gedanke zum Rosenkranzgebet scheint mir wichtig. Der Oktobermonat, der Rosenkranzmonat, dieses Jahres 2017 hat seine eigene Prägung durch den 100. Jahrestag der 6. Erscheinung am 13. Oktober 1917 in Fátima. Bei dieser letzten Erscheinung, die mit dem Sonnenwunder vor 70 000 Zeugen weltweit Aufsehen erregte, sagte Maria zu den Kindern: „Ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz.“ Was sagen uns die Erscheinungen von Fatima heute, in unserer Zeit, in der das Übersinnliche oft in den Hang des Lächerlichen gezogen wird? Viel! Es gibt zwischen Himmel und Erde mehr an Geheimnissen, als wir uns ausdenken können. Rätsel werden gelöst, Geheimnisse bleiben. Ihnen soll sich der Mensch nähern, in Ehrfurcht und im Gebet. Gläubige Menschen können durch die tiefe Liebe Gottes besondere Erfahrungen machen, die sich dem rein weltlichen Denken entziehen. So wie Maria damals durch die Botschaft des Engels „die Botschaft“ schlechthin erhalten hat, so wird begnadeten Menschen auch heute eine Botschaft zuteil, für ihr Leben, für die Kirche, für die Welt. Viele dieser Botschaften, besonders auch die in Fatima, haben mit dem Gebet zu tun. Die Botschaft der Gottesmutter in Fatima schreibt der Kraft des Gebetes eine unerhörte Sprengkraft zu. Im Gebet vertrauen wir, dass Gott Wege zu mehr Frieden und Gerechtigkeit aufzeigen kann. In einer scheinbar durch und durch planbaren Welt setzen Betende auf eine andere Möglichkeit, die diesem unausweichlichen Lauf der Zeit und Geschichte entgegenläuft. Gebet hat etwas Widerständiges an sich. Es gibt sich nicht zufrieden mit dem Ist-Zustand, es arbeitet an einer Welt, die anders und besser sein soll. Ja, und Gebetserhörungen können den Charakter eines Wunders annehmen, das alle Erwartungen, alle Verfügbare durchbricht. Im Gebet dürfen wir mit einem Eingreifen Gottes rechnen. Die Gottesmutter Maria weist uns in der Botschaft von Fatima eindringlich auf die Dimension des Betens hin. Gebet ist in Sprache gegossener Glaube. Wer sich glaubend Gott anvertraut, dem ist es möglich, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Im gemeinsamen Gebet, das im Rosenkranzgebet eine besondere Tiefe erreicht, wird auch die Gemeinschaft im Glauben erfahrbar. „Geeintes Gebet ist eine Macht, die Gottes Barmherzigkeit auf diese Welt herabzieht“, so formulierte es Pater Petrus Pavlicek, der Gründer des Rosenkranz-Sühnekreuzzugs. So mögen uns, besonders im Rosenkranzgebet die Augen aufgehen, im Nachdenken über unser Leben, in der Erfahrung des Lebens, Sterbens und Auferstehens Jesu, als eine lebendige Wirklichkeit, und indem was die Botschaft und die Erfahrungen von Fatima uns Menschen von heute sagen. „Heilige Maria, du Königin vom heiligen Rosenkranz, bitte für uns.“ Amen.

 

Pfarrwallfahrt Oberkappel, Maria-Schmolln 

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