Sonntag 25. Februar 2018
Pfarre Oberkappel

Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

"Die Gleichnisse Jesu müssen die Welt treffen, auch heute!"

Predigt 26. So. Jkr., 1.10.2017, Oberkappel (8:30), KFB-Wallfahrt Pfarrkirchen (15:00)

Perikopen: Ez 18,25-28 Mt 21,28-32

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Wenn man die Gleichnisse Jesu so hört, muss man zugeben, dass sie einfach passen. Sie treffen auch nach 2000 Jahren unsere Welt ziemlich genau. Auch das heutige Gleichnis, das wir wieder in drei Schritten bedenken wollen, passt in unsere Welt hinein, hinterfragt sie aber auch.

 

Kommen wir zum ersten Gedanken. Ein Mann hat zwei Söhne im arbeitsfähigen Alter. Die Arbeit im Weinberg drängt, vermutlich ist Erntezeit. Der Vater hat nach damaliger Auffassung auch das Recht die Söhne um die Arbeit zu bitten. So redet er den ersten Sohn mit Zuwendung an: „Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg!“ Der Sohn weiß um seine Sohnespflichten, er redet den Vater mit „Herr“ an, wie das in der damaligen Welt üblich war und sagt „Vater ich gehe.“ Es hört sich großartig, nahezu idyllisch an. Doch schon bald wird in der Familie klar geworden sein, dass es nur leere Worte waren. Dieser Weinberg ist jene neue Welt, die wir Menschen von heute aufbauen sollen. Wir dürfen dabei mithelfen. Ja, und ist es nicht öfters so, dass wir uns wie dieser Sohn verhalten? Es kann sein, dass wir sagen: „Ja, ich gehe, ich lasse mich brauchen, ich helfe dir, wenn du mich brauchst.“ Es kann sein, dass wir freundlichst „Herr Doktor..Frau Leher.. Frau Direktor..Herr Pfarrer,“ sagen, und uns in Wirklichkeit denken „du kannst mi den Buckel herunterrutschen. Es kann sein, dass wir sagen: „Dein Wille geschehe“,„Dank sei Gott“, „Lob sei dir Christus,“ „Das ist würdig und recht,“ oder wie diese Formeln heißen, die wir in der Liturgie verwenden und die es in anderer Form auch im Alltag gibt. Wir reden oft sehr schön, förmlich und höflich in der Liturgie und auch im Leben. Wir machen vor Gott und voreinander die schönsten Worte, aber in den Weinberg gehen wir nicht, eine neue Welt wollen wir eigentlich nicht mitgestalten. Auch nicht ganz richtig. Die eigene kleine Welt, die eigenen vier Wände, können nicht schön genug gestaltet sein, aber die Welt im Großen betrifft uns weniger bzw. macht uns weniger betroffen. Wir haben unsere eigenen Interessen, die uns wichtiger sind als der Plan Gottes und das Gemeinwohl. Das war der erste Gedanke.

 

Kommen wir zu einem zweiten Gedanken. Es ist der zweite Sohn. Er wird vom Vater auch höflich angeredet. Er antwortet nicht höflich mit der damals üblichen Redeweise „Herr.“ Er sagt klipp und klar: „Ich will nicht.“ Später reut es ihn jedoch, er wird nachdenklich und tut doch den Willen des Vaters. Ja, und so kann es auch bei uns sein, dass wir wirklich einmal nicht wollen, und wir das nicht mit höflichen Floskeln verschleiern, sondern einmal klar sagen: „Nein, ich will einfach nicht.“ Und so entspricht der zweite Sohn, der nicht will, mehr der menschlichen Wahrheit, als der erste Sohn. Denn genaugenommen will der Mensch oft nicht, was Gott will. Er möchte in Ruhe gelassen werden und sein eigenes Leben führen. Er möchte, dass ihm keiner hineinredet. Er möchte sein eigener Herr sein. Martin Luther hat das einmal richtig gesagt: „Der Mensch kann von sich aus nicht wollen, dass Gott, Gott sei. Vielmehr will er, dass er selbst Gott sei und dass Gott nicht Gott sei.“ Wenn der zweite Sohn sagt „ich will nicht“ entspricht das der Wahrheit, auch wenn es hart ist. Das „Ja Herr“ des ersten Sohnes verschleiert die Wahrheit und mach deshalb auch die Umkehr so schwer möglich. Der zweite Sohn hat offen gesprochen und genau dadurch kann er sich später schämen, dass er so geredet hat, kann umdenken und den Willen des Vaters neu herausfinden. Ja, und genau hier, tritt für mich eine Frage auf: Tut sich der Mensch von heute nicht deshalb so schwer mit dem Schämen, dem Bereuen, dem Umdenken und Neuanfangen, auch die Beichte, gehört in diesen Bereich, weil er die Grundwahrheit des Lebens verloren hat, weil er zu allem sagt „ich gehe,“ es letztlich nicht tut, aber meint, dass es so in Ordnung ist, dass er auch gar kein schlechtes Gewissen mehr hat. „Der Mensch hat die Grundwahrheit verloren, aber er weiß nicht, dass er sie verloren hat“, so lässt sich das Ganze formulieren.

 

Kommen wir noch zu einem dritten Gedanken, der uns hilft das Gleichnis in unserem Alltag ankommen zu lassen. Ich habe in dieser Woche ein interessantes Glaubensgespräch mit einer Familienmutter geführt. Dabei ist mir ein Satz hängengeblieben, der da lautet: „Wer will sucht Möglichkeiten, wer nicht will sucht Gründe.“ Was suchen wir, Möglichkeiten oder Gründe, damit wir unser Wollen bzw. Nichtwollen zum Ausdruck bringen? Es sollte beides geben. Das wirkliche und ersthafte Wollen, nicht ein vorschnelles, wie des ersten Sohnes. Dadurch wachsen uns viele Möglichkeiten zu. Aber auch das Nichtwollen, das wir freilich begründen müssen. Der zweite Sohn hat nach kurzer Zeit sein Nichtwollen begründet, indem er sein Verhalten bereut hat und in den Weinberg gegangen ist. Er wollte dann doch die neue Welt mit gestalten, und hat dadurch auch zur Wahrheit seines Lebens gefunden. So wird das Resultat des ganzen Gleichnisses darin sichtbar, dass wir das, was wir als das Richtige, als den Willen Gottes erkennen, wirklich bejahen und umsetzen. In diesem Zusammenhang dürfen wir im Rosenkranzmonat auch besonders auf die Gottesmutter Maria schauen. Denn ihr JA-Wort, ihr „mir geschehe nach deinem Wort,“ war begründet, weil sie mit Gott mitmachen wollte, und es hat der Welt die Geburt desjenigen ermöglicht, der auch unserer heutigen Welt noch immer dieses Gleichnis erzählt.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

So darf das heutige Gleichnis unsere Welt treffen. Die Gestaltung der neuen Welt geschieht nicht durch höfliche Worte ohne Konseuquenz, sondern durch ein Leben in der tiefen Grundwahrheit Gottes, die wir freilich nicht immer wollen. Wir können eine wirkliche begründete und vieles ermöglichende Freude am Willen Gottes entdecken. Die Gottesmutter Maria möge uns helfen diese Freude am Willen Gottes zu entdecken. Amen

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