Donnerstag 14. Dezember 2017
Pfarre Oberkappel

Predigt zum 12. Sonntag im Jahreskreis, 25.6.2017

"Fürchtet euch nicht vor den Menschen" -

Von der Angst um die eigene Beliebtheit

Predigt 12. So. i. Jkr., 25.6.2017, Ok (8:30); Nst (9:45)

Perikopen: Jer 20,10-13 Mt 10,26-33

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Das heutige Evangelium ist ein Teil der sogenannten Aussendungsrede, aus der wir bereits am vergangenen Sonntag ein Stück gehört haben. Jesus schickt die Jünger auf den Weg, damit die Botschaft Gottes die Menschen erreicht. Und die Botschaft Gottes, so ehrlich müssen wir sein, gehört nicht gerade zu den Modeartikeln, die uns aus der Hand gerissen wird. Das war wahrscheinlich zu allen Zeiten so.

Vielleicht ist das mit ein Grund, oder gar der Hauptgrund, dass Jesus ganz am Anfang zu seinen Jüngern sagt: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen.“ Menschenfurcht ist wahrscheinlich auch in unserem Leben ein Thema. Furcht davor, was andere über uns denken und meinen. Und die Hauptangst, die sich dahinter verbirgt, ist die Angst um den Verlust der Beliebtheit. Wer ist nicht gerne ein beliebter Mensch? Was wird nicht alles unternommen, dass man Aufmerksamkeit erhascht und Beliebtheit steigert, oftmals auch mit nicht ganz redlichen Methoden. Man möchte den Menschen gefallen.

Es ist ja auch nicht ganz verkehrt so zu denken. Jesus hat sicher nicht gemeint, dass man sich bei den Menschen möglichst unbeliebt machen soll. Das ist sicher nicht sein Kriterium. Es geht vielmehr darum, dass wir uns nicht vom Jubel, vom Zuspruch und von der Meinung der anderen abhängig machen. Gerade bei Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, sieht man öfters wie tief man fallen kann, wenn die Beliebtheit nachlässt. Da können die menschlichsten Tragödien herauskommen. Wir wissen auch aus unserem persönlichen Lebensumfeld, dass Beliebtheit im falschen Sinn, nicht gut ist.

Wie ist das bei Eltern und Kindern? Passt die Elternrolle, wenn man sich bei den Kindern beliebt macht, indem man alles durchgehen lässt. Oder braucht es manchmal auch ein Nein, oder eine Konsequenz. Man ist vielleicht für einige Augenblicke, Kinder vergessen bekanntlich schneller als Erwachsene, nicht der beliebter Vater oder die beliebter Mutter, aber man bleibt doch der geliebte Mensch. Geliebtsein ist wichtiger als oberflächliches Beliebtsein.

Ähnlich ist es auch im Lehrberuf. Wenn ich an meine eigene Schulzeit, insbesonders an die Gymnasialzeit denke, dann sind heute nicht jene Lehrer am Positivsten präsent, die damals in unseren Augen am beliebtesten waren, weil sie wenig von uns gefordert haben, weil sie in unseren Augen möglichst cool waren und uns mit einem lässigen Stil der Gleichgültigkeit begegnet sind. Das hat uns damals schon ein wenig gefallen. Aber geprägt hat doch eher das, wo wir auch gefordert wurden, wo etwas verlangt wurde, wovon wir profitieren konnten. Geprägt und weitergebracht hat so mancher Widerspruch, der uns aus Loyalität entgegengebracht wurde. Prägend war hier langfristig nicht die Beliebtheit, sondern die Erfahrung, dass dieser Lehrer oder jene Lehrerin, an unserer Entwicklung interessiert war.

Ich denke, dass es gerade auch in der Kirche bei uns Priestern so geworden ist. Ich wünsche mir sicher nicht, dass man sich als Priester bei den unbeliebt macht. Das kann nie im Sinn Jesu sein. Aber ich denke, dass auch hier oft ein falsches Beliebtheitsverständnis vorherrscht. Ein guter Priester ist in den Augen der Menschen vielfach, der menschlich beliebt ist. Zum Teil sicher richtig, weil gerade in der persönlichen Begegnung etwas vom Geheimnis Gottes, das man ja vermitteln will, sichtbar werden kann. Aber es besteht doch ein Unterschied darin, ob ich Menschen persönlich gefallen will, oder ob ich auf Menschen zugehe, weil ich ihnen das Evangelium sagen will, weil ich eine Botschaft habe für die es absolut keinen besseren Ersatz habe. Diese Botschaft ist nicht nur beliebt, sie eckt auch an, fordert heraus und will, dass wir unser Leben immer wieder neu überdenken. Die Botschaft ist nicht immer bequem und beliebt, und so ist wahrscheinlich jener, der die Botschaft ausrichtet auch nicht immer bequem, weil er mitunter an Dinge erinnert, die nicht immer beliebt. Es gibt Dinge zu denen man nicht schweigen darf. Sie stehen zwar nicht im Dienst einer Beliebtheit in den Augen dieser Welt, wohl aber im Dienst der Liebe Gottes, der unser Heil, unser Glück und unsere Zukunft will. Ich möchte in diesem Zusammenhang an eine Begebenheit aus dem Leben des heiligen Pfarrers von Ars erinnern, dessen Spiritualität zwar aus einer für uns fremden Zeit stammt, die wir aber für uns neu lesen lernen dürfen. Der heilige Pfarrer von Ars wurde von seinem Bischof in die religiös völlig desolate Pfarre Ars geschickt. Er machte sich, wie das damals üblich war, zu Fuß auf den Weg, den er nicht ganz genau kannte. Er bat einen Hirtenjungen, den er unterwegs traf, ihm den Weg zu zeigen. Dieser tat es bereitwillig und führte ihn in seine neue Pfarre. Dort verabschiedete sich der Pfarrer von dem Jungen und sagte: „Ich danke dir. Du hast mir jetzt den Weg nach Ars gezeigt. Ich werde dir dafür den Weg zum Himmel zeigen.“ Den Weg zum Himmel zeigen, darum geht es. Es ist nicht ein Weg der immer über das Beliebtsein läuft, das ist eine Gefahr, der man immer wieder erliegt. Es ist ein Hinzeigen auf eine Liebe, die nichts anders will als Ewigkeit, als tiefe, tiefe Ewigkeit.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

„Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ Erliegen wir nicht der Menschenfurcht, aufgrund einer falschen Beliebtheit. Stehen wir für wichtige Werte ein, auch wenn sie nicht immer beliebt. Dieser Weg führt dauerhaft zum Ziel, denn das Gute und Richtige setzt sich durch, auch wenn es manchmal Zeit braucht. Das sagt uns der Herr ebenfalls im Evangelium: „Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.“ Setzen wir jene Sendung fort, die der Herr damals begonnen hat. Es ist die Sendung aller von Gott geliebten Menschen, denn Gott kann gar nicht anders als lieben, sein Wesen ist die Liebe. Daran werden wir erinnert, wenn wir gerade im Monat Juni auf das Heiligste Herz Jesu schauen, das vor Liebe zu uns Menschen brennt. Amen.

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