Dienstag 12. Dezember 2017
Pfarre Oberkappel

Predigt zum Pfingstsonntag 2017

Der Geist macht die Welt bewohnbar!

Predigt Pfingstsonntag, 4.6.2017

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Es gibt einen Film aus dem Jahr 1992 mit dem Titel „Das Fest des Huhnes.“ Hier macht sich ein afrikanisches Expeditionsteam auf, um die Sitten und Gebräuche der Oberösterreicher zu erforschen. Auch der Religion kommen sie auf die Spur. Sie finden heraus, dass sich hier einiges geändert hat, denn dem Gekreuzigten Gott, der einst in Form eines friedlichen Lammes verehrt wurde, ist nun ein Huhn gefolgt, das in monumentalen Zeltfesten verehrt wird. Immerhin steht das Huhn noch irgendwie in Beziehung zur Taube, dem Zeichen für den Heiligen Geist. Ja, meine Lieben! In diesem Film wird ironisch, und nicht gerade respektvoll, sensibel und ehrfürchtig der Glaube der Oberösterreicher gezeichnet. Und das stellt uns vor die Frage: Was ist Pfingsten und der Heilige Geist? Sind ein paar Urlaubstage und Feste des Jahres letzte Überreste des Glaubens an den Heiligen Geist, oder müssen wir uns dem Heiligen Geist anders nähern. Versuchen wir dem Geist von der Bibel her auf die Spur zu kommen. Dort schwebt er im Buch Genesis über der Urflut. Er macht die Erde bewohnbar, macht aus dem Durcheinander ein Miteinander und erschafft den Menschen, der fähig ist mit Gott und den Menschen in Kontakt zu treten. Der Geist Gottes ist der Gradmesser unseres Lebens. So wollen wir nachdenken, wie eine Welt bzw. nehmen wir eine kleinere Einheit, wie unsere Pfarre aussehen kann, wenn der Heilige Geist hier wirken darf.

 

Zuerst einmal stoppt der Heilige Geist die Resignation. Er begeistert stets neu. Er weckt auf. Ja, wir sind teilweise müde geworden in unserer Gesellschaft, im öffentlichen Leben, in unserer Kirche. Schon vor über sechzig Jahren, als die Kirche noch ein Haus voll Glorie war, als es noch eine Volkskirche war, hat der von den Nazis ermordete Jesuit Alfred Delp geschrieben: „…und gerade in den letzten Zeit hat ein müde gewordener Mensch in der Kirche auch nur müde gewordene Menschen gefunden.“ Müdigkeit ist nicht bloß eine körperliche Erscheinung. Es gibt die innere Müdigkeit, die Gleichgültigkeit, das sich Heraushalten. Uns Christen ist vielfach die Begeisterung abhandengekommen. Dadurch verliert der Glaube Strahlkraft. Ich wünsche uns ein Aufwachen aus dieser Müdigkeit und neue Begeisterung im Einsatz für Gott und unser Miteinander. Nicht der ermüdende Satz „was habe ich davon, wenn ich etwas tue, wenn ich mich einsetze,“ sondern der hoffnungsfrohe Ausruf „wir alle haben etwas davon, wenn wir unsere Talente entfalten,“ möge unser Leben bestimmen und so unsere Pfarre zu einem Ort machen, an dem wir gerne wohnen.

 

Und so ist der Heilige Geist zweitens dafür da, damit wir unser Leben verstehen lernen. Eine Geistesgabe ist die Erkenntnis. Erkennen warum das Ganze überhaupt. Ist es nicht öfters so, dass wir uns selber fremd sind, dass wir unser Leben gar nicht richtig benennen können. Viele Menschen tun sich schwer, sowohl ihre Stärken, als auch ihre Schwächen zu benennen. Unsere Augen brauchen das Licht des Heiligen Geistes, damit sie immer tiefer sehen können, wo und auf welche Weise Gott in meinem Leben seine Hand im Spiel hat. Diesem Geist müssen wir uns öffnen. Wenn man einen dunklen Raum mit Licht füllen will, zumindest so, dass wir ein bisschen etwas erkennen können, muss man die Tür zumindest einen Spalt weit öffnen. Ein kleiner Spalt genügt. Übertragen auf das Licht des Heiligen Geistes heißt das: Es genügt ein kleiner Spalt, ein kleiner Wunsch, eine kleine Sehnsucht, dass unser Leben heller wird, damit wir es verstehen lernen können. Den Wunsch uns selber besser kennen zu lernen, sollten wir nie zu Grabe tragen. Wo dieser Wunsch da ist, ist der Heilige Geist am Werk.

 

Und so zeigt sich der Heilige Geist drittens darin, wie miteinander und wie übereinander geredet wird. Ursprünglich sprachen alle Menschen die gleiche Sprache. Dann baut der Mensch den Turm zu Babel, möchte den Himmel stürmen, möchte selber Gott sein. Die Sprache wird verwirrt, der Mensch versteht sich nicht mehr. Dann kommt Pfingsten, ein Sprachwunder geschieht, wie wir es in der Lesung gehört haben. Aber es ist nicht mehr die gleiche Sprache. Jeder Mensch spricht nun seine Muttersprache und man versteht sich trotzdem. Und genau das ist es. Jeder Mensch hat seine Lebens- und Glaubenssprache, die ihm Originalität verleiht. Die Kunst ist, dass wir uns in unserer Unterschiedlichkeit trotzdem verstehen. Dass wir die Unterschiedlichkeit nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sehen lernen. Es ist die Frage, welche Sprache wir Christen sprechen in unserem Miteinander. Papst Franziskus spricht sehr oft davon, dass wir Christen viel verleumden, viel erfinden und einfach darauf losreden. Und der Papst sagt es immer wieder sehr drastisch: „Der Tratsch ist die größte Waffe des Teufels.“ Wo getratscht wird, da ist der Teufel am Werk. Wir sollen sehr vorsichtig sein im Reden. Wir sollen wirklich fragen: „Ist es wahr, was ich sage? Ist es notwendig, dieses oder jenes zu sagen? Ist es etwas Gutes, was ich sagen will.“ Sind wir wirklich achtsam in unserem Reden, damit das Sprachenwunder von Pfingsten auch heute aktualisiert werden kann.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Glaube an den Heiligen Geist, ist hoffentlich doch noch mehr als ein paar Urlaubstage. Der Geist macht unsere Welt, unsere Pfarre bewohnbar. Er stoppt Resignation und weckt uns auf, er lässt uns unser Leben immer tiefer verstehen, und er schenkt uns gute Verständigung in unseren Lebens- und Glaubenssprachen. „Komm, Heiliger Geist! Erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen, das Feuer deiner Liebe.“ Amen.

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