Sonntag 19. August 2018
Pfarre Oberkappel

Jesus heilt unreine Geister unserer Zeit!

Pfarrer Maximilian schildert wie Jesus unreine Geister heilt. Er zeigt auf, wie sich Mangelnde Entfaltung des Lebens, Mutlosigkeit und das Grundeln im Duchschnitt gegen die menschliche Wirklichkeit stellen.

 

 

Perikopen: Dtn 18,15-20; Mk 1,21-28

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

 

Jesus heilt die Menschen von ihren Krankheiten und Leiden. Das ist ein Zentralstück seines Wirkens. Er wird so zu unserem Heiland. Im heutigen Evangelium haben wir von der Heilung eines Mannes gehört. Er war von einem unreinen Geist, einem Dämon, besessen. Aber was ist das? Gibt es das heute auch noch, oder ist das so sehr dem Denken der Zeit Jesu entnommen, dass es für uns wenig Sinn hat. Mir hat zum besseren Verständnis dieser unreinen Geister ein Ausdruck des Münchner Neutestamentlers Friedolin Stier geholfen. Er übersetzt in diesem Zusammenhang die Bibel mit dem Wort Aber-Geist. Das liegt auf derselben Linie wie Aberglaube. Aber-Geist meint eine Stimme im Menschen, die geneigt ist ständig "aber" zu sagen. Der Aber-Geist will die menschliche Wirklichkeit nicht annehmen. Er muss gegen etwas sein. Menschen die ständig aber sagen, die nur zufrieden sind, wenn man gegen etwas sein kann, sind nicht angenehm. Sie erschweren das Leben. So erscheint es mir sinnvoll darauf zu schauen, wo heute der Aber-Geist besonders im Menschen wirkt.

 

Erstens: Ein großes Aber, das oft angestimmt wird, ist das Aber zur Entfaltung des menschlichen Lebens. Das Leben ist uns Menschen geschenkt, um es zu entfalten, am besten mit Gott. Und das Leben entfaltet sich nur, wenn es frei wird von den negativen Einflüssen, wie Neid, Hass und Gewalt, wenn es frei wird von der Entfaltung schlechter Gedanken und Einbildungen. Wir müssen zugeben, dass in unseren Köpfen mitunter viel an negativer Einbildungskraft vorhanden ist. Wir bilden uns ein, dass dieser oder jener, etwas gegen uns hat, bilden uns ein, dass wir benachteiligt werden, bilden uns ein, dass wir zur kurz kommen. Diese Einbildungskraft sagt aber zum Leben, hindert seine Entfaltung. Der große Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt: „Wenn wir uns Christus einbilden, können wir uns eigentlich niemals genug einbilden.“ Es geht darum Christus in unser Inneres einzubilden, hinein zu bilden, seine Gedanken, Worte und Werke, dann kann sich das Leben entfalten und der Aber-Geist verschwindet.

 

Zweitens: Ein anderer Aber-Geist möchte uns Menschen den Mut nehmen, streut Mutlosigkeit in unser Herz hinein. Er rechnet immer vor, was alles passieren könnte, wenn dieses oder jenes eintritt. Es stimmt zwar, dass vielen Entwicklungen, in Kirche und Gesellschaft, mit Vorsicht zu begegnen sind. Es verlangt einen kühlen Kopf und ein gutes Reaktionsvermögen. Aber es bleibt doch auch die Frage, ob wir weiterkommen, wenn wir permanent Mutlosigkeit ausstreuen, und wenn so das Gute in uns ermüdet wird. Wir müssen schon auch weiterfragen, ob jene Tendenzen, die uns oft verzagt machen, wenn sie schon nicht von Gott gewollt sind, wenigstens von ihm zugelassen sind, damit in uns neue Prozesse des Nachdenkens in Gang gesetzt werden. Sehr oft wird in der Bibel das Wort „Fürchtet euch nicht“ verwendet. Angeblich 366 mal. Das wäre dann für jeden Tag des Jahres einmal und sogar noch für das Schaltjahr. Ist das nicht ein großartiges Programm gegen den Aber-Geist der Mutlosigkeit?

 

Drittens: Und ein letzter Aber-Geist will uns Menschen einreden, dass es nichts über dem Durchschnitt gibt. Vom Genetiker Markus Hengstschläger stammt das Buch „Die Durchschnittsfalle.“ Darin zeigt er auf, dass die Mittelmäßigkeit der Liebling der Österreicher. Doch wohin führt der Durchschnitt? Der Durchschnitt hat noch nie etwas Innovatives geleistet. Da schwärmt ein Vater: ‚Mein Sohn ist so problemlos, ist noch nie negativ aufgefallen.‘ Aber auch positives Auffallen ist nicht erwünscht. Das wäre nämlich Stress. Die Gesellschaft arbeitet immer auf den Durchschnitt hin. Wie soll etwa eine Durchschnittsnote entscheiden, ob jemand ein guter Arzt wird? Der statistische Durchschnitt bringt nicht weiter und ist nicht zukunftstauglich. Der Durchschnitt blendet den Menschen mit der konkreten Wirklichkeit von Leid, Angst, Unterdrückung und Tod aus. Individualität hat keine Chance. Was ist bei einem statistischen Durchschnitt mit dem Gesicht, mit dem Antlitz, mit dem Namen? Was mit der Zärtlichkeit, was mit der Schönheit, was mit dem Beten? Sind Zahlen arbeitslos? Haben Statistiken Probleme? Sterben Zahlen an Krankheiten? Wir sollten uns vom Aber-Geist nicht zu viel Durchschnittlichkeit einreden, gerade im Glauben. Wir sollen nicht müde werden überdurchschnittlich das Gute zu tun! Wir sollen auch jene nicht vergessen, die weit unter dem Durchschnitt leben, weil sie eben nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Vielleicht hilft uns der Ausdruck des Aber-Geistes zu verstehen, was Jesus tut, wenn er Menschen von unreinen Geistern und Dämonen heilt. Es gibt heute viele Aber-Geister. Sagen wir entschieden Nein zu jenen Aber-Geistern, die wir heute bedacht haben. Dann entfaltet sich das Leben, dann wird uns neuer Mut geschenkt, und dann grundeln wir nicht im Umkreis fauler Durchschnitte herum. Amen.

 

Die Predigt im vollen Wortlaut

  

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