Saturday 8. May 2021
Pfarre Oberkappel

Geistliches Wachstum

02.05.2021

Rein körperlich ist der Mensch irgendwann ausgewachsen, aber das innere Wachsen und Reifen, das Innere Großwerden, das hört niemals auf, ein ganzes Leben lang.

Schriftstellen:

Lesung aus der Apostelgeschichte 9,26-31.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes 15,1-8.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Mich beeindruckt immer, wenn ich die Apostelgeschichte lese oder höre, dass da eine ziemliche Dynamik in der frühen Kirche spürbar war. Das Christentum breitet sich aus, es festigt sich, es wächst in der Kraft des Heiligen Geistes, wie uns der heutige, kurze Abschnitt berichtet hat. Das Evangelium mit dem Bild vom Weinstock vertieft das Ganze. Wenn wir mit Christus verbunden sind, wenn ein Lebenszusammenhang mit ihm besteht, dann wachsen wir weiter. Rein körperlich ist der Mensch irgendwann ausgewachsen, aber das innere Wachsen und Reifen, das Innere Großwerden, das hört niemals auf, ein ganzes Leben lang. Wir müssen mit Christus und seinem Reich mitwachsen, damit wir an wahrer, innerer Größe gewinnen. Und da möchte ich heute einmal der Frage nachgehen, was hilft uns beim Wachsen?

 

Erstens: Beim Wachsen hilft, dass ich mir bewusst mache: Ich bin freier Sohn, freie Tochter Gottes.  Gott engt mein Leben nicht ein, er nimmt mir nichts weg, er ist nicht mein Konkurrent. Er macht das Leben frei, weil er drüber steht. Wir sind freie Söhne und Töchter Gottes. Das war dir Erfahrung der ersten Christen. Dieses Bewusstsein wollte Christus den Menschen bringen. Auch, wenn mich so manches in dieser Welt einengt, Gott macht mich frei. Freilich gilt manchmal „homo homini lupus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.“ Doch wenn wir das biblische Bild vom freien Menschen in uns wachrufen, wird uns bewusst wir sind zur freien, liebenden Begegnung miteinander berufen. Wer in Gott eintaucht, der wird frei, der kann wachsen, der kann auch Frucht bringen, um das Bild des Evangeliums nochmals in Erinnerung zu rufen. In Gott finden wir diese tiefe Freiheit seiner Kinder. Man kann uns alles nehmen, uns demütigen, uns einsperren, aber die Freiheit in Gott, die kann uns niemand nehmen, höchstens unsere eigene Feigheit und Bequemlichkeit. Erwecken wir das in unserem Herzen und wachsen wir so mit Gott und seinem Reich.

 

Zweites: Beim Wachsen hilft mir folgendes Wortspiel „Warum willst du die andern ändern, sie sind doch schon anders.“ Man muss immer wieder, zumindest bis zu einem gewissen Punkt, die Menschen so nehmen, wie sie sind. Baron von Guttenberg schreibt in seinen Lebenserinnerungen von einer Begegnung mit dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er fragte ihn, wie er damit leben könne, dass ihn immer wieder so viele Leute, auch aus den eigenen Reihen kritisieren. Adenauer sagte: „Ich gebe Ihnen einen Rat, Herr Baron. Nehmen sie die Menschen, wie sie sind, es gibt keine anderen. Man kann das Realismus nennen, man kann es auch zynisch sagen, es kann aber auch wirklich Hilfe sein, sich selber zu ändern. Wenn Veränderung geschehen soll, dann zuerst bei mir selber. Wer Änderung der anderen wünscht, muss wahrscheinlich selber zu doppelt so viel Veränderung bereit sein. Sehen wir die Andersheit weniger als Bedrohung, sondern als Chance für unser persönliches Wachstum.

 

Drittens: Für das Wachsen brauche ich die Bereitschaft zur Fruchtbarkeit. Ich darf mir die Frage stellen, ob ich fruchtbar sein will durch mein Leben? Was sollen Früchte meines Lebens sein, und zwar solche, die bleiben für das ewige Leben? Es gibt ganz viele Möglichkeiten für unsere Welt und unsere Kirche fruchtbar zu werden: Gastfreundschaft pflegen, sich interessiert auf die Welt einlasen, Bekanntschaften und Freundschaften pflegen, sich für den Glauben und die Pfarre einsetzen, für Beeinträchtigte und Benachteiligte da sein, sich für die Öffentlichkeit engagieren. Gerade auch das Ehrenamt hat ein großes Potential der Fruchtbarkeit in sich. Martin Buber hat einmal die Frage gestellt: „Habe ich mich vorenthalten?“ Ja, das ist die Frage, haben wir uns einander vorenthalten, oder sind wir fruchtbare Gabe füreinander geworden? Haben wir uns auch ein bisschen füreinander verausgabt? Alfred Delp, der von den Nazis hingerichtete Jesuitenpater, hat diese Fruchtbarkeit in einen tiefsinnigen Satz gekleidet: „Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Licht in die Welt gekommen ist, dann hat es sich zu leben gelohnt.“

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wachstum, geistliches Wachstum vor allem in Glaube, Hoffnung und Liebe, ist die Botschaft dieses Sonntags. Beim Wachsen hilft mir das Bewusstsein der Freiheit der Kinder Gottes, die Einsicht, dass ich die andern nicht ändern kann, weil sie schon anders sind, und die Bereitschaft der Fruchtbarkeit. Maria, auf die wir um Mai besonders schauen, möge uns beim Wachsen helfen. Nicht umsonst nennen wir Jesus die Frucht ihres Leibes. Amen.   

 

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