Tuesday 18. May 2021
Pfarre Oberkappel

Würde täglicher Arbeit

01.05.2021

Aufgrund einer Fehleinstellung des Mikrofons könnn wir Ihnen heute die Predigt von Pfarrer Maximilian nur schriftlich anbieten.

 

Josef als einfacher Arbeiter macht uns die Würde der täglichen Arbeit bewusst.

Schriftstellen:

Lesung aus dem Brief an die Kolosser 3,14-15.17.23-24

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus 13,54-58.

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Josef als einfacher Arbeiter macht uns die Würde der täglichen Arbeit bewusst. Gerade in Corona, wo sich der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Homeoffice, ganz anders gestaltet, als wir das bis jetzt gewöhnt waren, tut es uns gut auf Joseph zu schauen, der mit seiner Hände Arbeit den Lebensunterhalt der Heiligen Familie verdient hat. Was können wir hier von Joseph lernen?

 

Erstens: Von Josef lernen können, dass das Gebet die alltägliche Arbeit durchdringen kann und soll. Josef bleibt in seinem Alltag offen Gott. Immer wieder lässt er von eigenen Überlegungen ab und folgt der Stimme Gottes. Er verlässt Maria nicht, als sie schwanger ist, sondern nimmt sie zu sich; er wagt die Flucht nach Ägypten. Josef hörte und war aufmerksam für das, was Gott ihm sagte. Er rang mit Gott und wusste doch, dass er sein tägliches Tagwerk von Gott her und zu ihm hin führt. Die Arbeit als Bestandteil unseres Lebens wird erst fruchtbar für uns selbst und andere, wenn wir uns in den Dienst Gottes stellen und Gottes Anruf unsere „Arbeitspläne“ durchkreuzen darf. Wenn wir Gott ernst- und annehmen, Verantwortung füreinander und die Schöpfung übernehmen, dann beherrscht nicht die Arbeit unser Leben, sondern Gottes Gegenwart. Die Schöpfung, die Gott dem Menschen anvertraut, bedeutet, dass der Mensch für alles, was Gott für den Menschen gemacht hat, Verantwortung trägt. Ausbeutung und Zerstörung sind damit per se ausgeschlossen. Die Schöpfung ist für den Menschen da, nicht nur dafür, dass der Mensch in ihr arbeitet. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit.

 

Zweitens: Was wir weiter von Josef lernen können, ist, dass er seine Arbeit heiligt, indem er den Ertrag für andere einsetzt, für seine Familie. Arbeit kann Ausdruck von Nächstenliebe werden, wenn sie die Liebe zu den Menschen in konkrete Hilfe umsetzt. Ich tue etwas für andere. Dadurch bekommt die Arbeit eine neue Richtung: Nicht nur der eigene Profit und Erfolg sind Ziel für des Arbeitens, sondern das Wohlergehen anderer.

 

Drittens:  So können wir noch von Josef lernen, dass Arbeit einen asketischen Wert für den Weg mit und zu Gott hat. Josef wendet sich nicht von den täglichen Pflichten ab, sondern er stellt sich ihnen. Die Verbundenheit mit Gott veranlasst ihn nicht, von Arbeit frei werden zu wollen und auszusteigen aus allen Verpflichtungen des konkreten Lebens. Das Leben mit Gott führt ihn in keine Sonderwelt, die die Niederungen des Alltags bei Seite lässt, im Gegenteil, es führt geradezu zurück in den Alltag, in welchem sein Leben Erprobung erfährt. Sein Leben bekommt durch die tägliche Arbeit eine gesunde Erdung. Schon die alten Mönche entdeckten, dass Müßiggang der Anfang aller Laster ist. Nichtstun und keine Aufgabe haben schadet dem inneren Gleichgewicht. So gesehen kann das Arbeitsverhalten ein Brunnen der Selbsterkenntnis werden. Wenn während der Arbeit in uns aufwühlende Gedanken, Ärger oder Wut, Selbstüberschätzung, Ängste und Minderwertigkeit aufsteigen, sehen wir, was in unseren Tiefen schlummert und erkennen uns, wie wir vor Gott wirklich sind. Ein solcher Arbeiter, der um seine eigene Gebrochenheit aber auch um seine Größe in Gott weiß, bleibt demütig und bescheiden, eben wie Josef war.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Josef, der Mann der Arbeit, er durchdringt seine Arbeit mit der Gegenwart Gottes, er setzt seinen Ertrag für andere ein, und er findet wohl auch in seinen Aufgaben inneres Gleichgewicht. Schauen wir auf ihn und beten wir mit dem Psalmisten: „Herr, lass das Werk unserer Hände gedeihen, ja, lass gedeihen, das Werk unserer Hände.“ Amen.

 

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