Saturday 17. April 2021
Pfarre Oberkappel

Ursprung des Feierns

Gründonnerstag

 

Gottesdienstliches Leben in der Kirche muss seine Fortsetzung finden im Leben des Christen in der Welt.

Schriftstellen:

Lesung aus dem ersten Brief an die Korinther 11,23-26.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes 13, 1-15

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Uns Christen ist es zu eigen, uns zu versammeln, um miteinander zu feiern. Wenn wir Christen nicht zusammenkommen, verkommen wir, habe ich schon öfters gesagt. Der Gründonnerstag ist Ursprung unseres Feierns. In der Lesung aus dem Korintherbrief haben wir die älteste Überlieferung jener Worte gehört, die der Herr damals beim letzten Abendmahl gesprochen hat, bevor ihr hinausgegangen ist um das Kreuzesopfer für uns auf sich zu nehmen. Wir Christen feiern Eucharistie, wir feiern Liturgie. Hier schlägt der Herr eine Brücke zu uns, und wir schlagen eine Brücke zu ihm. Was ist wichtig für unser gottesdienstliches Feiern? Was ist wichtig für unser christliches Leben? Diese zwei Fragen gehören zusammen. Die Fußwaschung, die der Herr heute ebenso eingesetzt hat, ist mit der Eucharistie verknüpft. Gottesdienstliches Leben in der Kirche muss seine Fortsetzung finden im Leben des Christen in der Welt. Was ist hier also wichtig? Josef Ratzinger berichtet in einem Text, den er über Liturgie geschrieben hat, von einem Wort von Mahatma Gandhi, das er in einem Kalender gefunden hat. In diesem Wort weist Gandhi auf drei Lebensräume und ihr Spezielles sein hin. Er sagt: „Im Meer leben die Fische und sie schweigen. Auf der Erde sind die Tiere und sie schreien. Die Vögel, deren Lebensraum der Himmel ist singen.“ Er fährt dann fort, dass der Mensch Anteil an allen drei Lebensräumen hat: „Er trägt die Tiefe des Meeres, die Last der Erde und die Höhe des Himmels, und deshalb gehören zu ihm auch alle drei Eigenschaften das Schweigen, dass Schreien und das Singen.“ So wollen wir heute im Blick auf unser Feiern und im Blick auf unser christliches Leben diese drei Eigenschaften ein wenig betrachten.

 

Erstens: Die Tiefe des Meeres – das Schweigen! Da müssen wir gleich zugeben, dass unser Feiern oft wenig Zeit der Stille und des Schweigens hat. Einerseits wird der Mensch ungeduldig, wenn es zu lange still ist in der Liturgie. Wir tun uns generell schwer das Schweigen auszuhalten. Andererseits muss, da wir Priester heute ja an mehreren Orten hintereinander Liturgie feiern müssen, der Gottesdienst eher zügig vorangehen. Da bleibt wenig Zeit für das Schweigen. Der Moment der Wandlung und die Zeit nach dem persönlichen Kommunionempfang bieten etwas Gelegenheit. Und doch, kann man, wenn man sich wirklich auf das heilige Geschehen einlässt, innerlich ruhiger und stiller hinausgehen. Man kann herausgehen aus der Diktatur des Lärms unserer Welt, um hier das Heilige zu erleben und stiller zu werden. Gottesdienstliches Feiern hilft uns die Stille Gottes, ja Gott selber aufzunehmen. Die Stille Gottes ist niemals eine langweilige Stille, es ist eine respektvolle Stille der Anbetung und der Liebe. Wenn wir von hier etwas ruhiger weggehen können, werden wir der Welt draußen anders begegnen. Ein Christ braucht die Stille nicht fürchten, weil er in ihr immer Gott finden wird. Immer, wenn wir zum Gottesdienst kommen, sollten wir mit dem einen Vorsatz kommen stiller und ruhiger werden zu wollen. Dann gehen wir auch beruhigter und stiller von hier weg. In den Psalmen heißt es: „Wie ein kleines Kind bei der Mutter, so ist meine Seele still in mir.“ Gottesdienstlich feiern kann für uns persönlich immer eine Schule der stille werden. Das hängt tief mit dem Gründonnerstag zusammen. Denken wir daran, dass sich nach dem heutigen Abend bald die Totenstille über den Herrn gebreitet hat.

 

Zweitens: Die Last der Erde – das Schreien. Was bedeutet das für unser Feiern? Es geht ja nicht darum, dass wir hier extra laut sind oder herumschreien. Nein! Wann schreit der Mensch? Wenn er Angst hat, wenn er Schmerzen hat, wenn ihn etwas schwer belastet. Der Mensch schreit nach Hilfe und Aufmerksamkeit. Dieses Schreien braucht seinen Platz in unserem Feiern. Es ist mein persönliches Schreien, all das, was in mir persönlich nach Hilfe und Aufmerksamkeit schreit. Es ist der Schrei nach persönlicher Erlösung von all dem, wo ich unter der Last der Welt, der Belastung dieser Erde stehe. Es ist auch der Schrei der Menschheitsfamilie in ihren Nöten und Anliegen, jetzt gerade ist wohl auch der Schrei nach der Nähe Gottes in unserer von Corona durchbeutelten Welt dabei. Es ist wichtig, dass dieses Schreien Teil der Liturgie ist, weniger im Sinn der Akkustik, als vielmehr, dass die Nöte der Einzelnen und die Belastungen der Welt eine Stimme bekommen die durch die Wolken zu Gott dringt. Wir stehen hier durchaus auf derselben Ebene mit Jesus über den im Hebräerbrief geschrieben steht: „Als Christus auf Erden lebte hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.“ Wir hören ja auch, das habe ich ja am Palmsonntag schon angedeutet, in jeder Feier der Eucharistie den Todesschrei des Herrn. Und wir dürfen in jede Eucharistie den Ruf nach Erlösung hineinlegen. Es geht hier um unser Bekenntnis, dass wir allesamt erlösungsbedürftige Geschöpfe in einer erlösungsbedürftigen Welt sind. Es ist der Schrei der Menschheit nach der Gegenwart Gottes, der sich in dieser Feier bündelt. Sollte Gott diesen Schrei nicht hören? Sollte er Vertrauen enttäuschen? Warum sollte er!? Der Schrei der Last der Erde gehört in diese Feier.

 

Drittens: Höhe das Himmels – das Singen! Nach dem Lobgesang ist Jesus mit den Jünger zum Ölberg gegangen. Singen ist wichtig für unsere Feiern. Wie sehr es uns in dieser Corona-Zeit abgeht, obwohl wir trotz der Einschränkungen immer eine gute, musikalische Gestaltung haben, wofür ich dankbar bin, wird uns wohl erst jetzt bewusst. Es geht bei diesem Singen um eines, das die Melodie Gottes, die Melodie des Glaubens in unser Herz Einzug hält. „Nehmt Gottes Melodie in euch auf,“ sagt der heilige Ignatius von Antiochien. Gottes Melodie sollte uns als permanenter Ohrwurm begleiten. Der hl. Augustinus, hat sich Gedanken über das Singen gemacht. Und er hat sich gefragt, wann singen die Menschen die Lieder ihrer Heimat? Er meint, wenn ein Wanderer in der Fremde unterwegs ist, etwa in dunkler Nacht, dann beginnt er die Lieder der Heimat zu singen. Diese vertrauten Lieder geben Mut und Kraft den Weg weiterzugehen. ,,Singe und schreite aus, gehe singend deinen Weg“, so der Rat des hl. Augustinus. Als Christen sind wir Wanderer in dieser Welt und gehen auch durch manche Dunkelheit. Die Lieder unserer Glaubensheimat sind geistliche Lieder. Darin zeigt sich, wo wir Christen zu Hause sind. Wir sind zuhause, wenn wir vertrauen können, wenn wir uns angenommen und verstanden wissen, wenn uns vergeben wird und wir uns des Lebens freuen können. Es geht darum diese eigentliche Heimat zu finden, wo sich unser, vielleicht manchmal auch klägliches Singen, mit dem Gesang der Engel vereinigt.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Gründonnerstag sagt uns: „Mensch sei dankbar, du darfst mit anderen deinen Glauben feiern.“ Dieses Feiern hat alles in sich, was notwendig ist für das Leben. Dieses Feiern befreit uns von unserer permanenten Hektik und Aktivität. Dieses Feiern lässt uns in die Tiefe Meeres gehen und die Höhe des Himmels finden. Dieses Feiern singt mit den Engeln des Himmels und schweigt mit der wartenden Tiefe des Meeres. Und so wird die schreiende Welt erlöst. Amen.

 

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