Thursday 29. October 2020
Pfarre Oberkappel

Was gehört wem?

Pfarrer Maximilian setzt sich mit dieser berühmten Bibelstelle auseinander! Wir kommen in unserem Leben nicht umhin, Steuern zu zahlen. Aber Gott gehört unser Herz, unser Vertrauen und unsere Liebe!

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Schriftstellen:  Perikopen:  

Erster Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher 1,1-5ab.

Aus dem Heiligen Evangelium nach Matthäus - Mt 22,15-21.

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

 

„Ist es erlaubt dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht?“ Die Antwort Jesu hat Geschichte gemacht. Die ersten drei Jahrhunderte haben sich die Christen an Jesu Weisung gehalten. Sie waren loyale Staatsbürger. Sie haben dem Kaiser gegeben, was ihm zusteht, aber sie haben ihm verweigert was alleine Gott gebührt. Den Kaiser als Gott zu verehren lehnten sie ab. Viele wurden dadurch zu Märtyrern. Im Jahr 313 mit der sogenannten konstantinischen Wende wurde der christliche Glaube Staatsreligion. Das führte zur Verbindung von Kirche und Politik. Es gab dann die Reichskirche, die Fürstbischöfe, den Kirchenstaat etc. Wir haben über die Jahrhunderte schmerzhaft lernen müssen, dass politische Macht und parteipolitische Interessen der Kirche nicht gut getan haben. Kirche darf nicht politischer Machthaber sein, wohl aber das Gewissen für jene, die in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Verantwortung haben. Kirche als Gewissen, als Stimme für ein Leben gemäß der Botschaft und Weisung Christi. Kirche als Gewissen, gerade im Blick auf das heutige Evangelium. Aber wie?

 

Erstens: Dieses Gewissen muss Falschheit und Heuchelei entlarven. „Zeigt mir die Steuermünze,“ sagt Jesus. Die Heuchler, die ihn hereinlegen wollen, müssen in die eigene Tasche greifen. Die römerfeindlichen Pharisäer haben das Bild des römischen Kaisers in der Tasche. Zum Hereinlegen ist jedes Mittel Recht, auch das vom Feind ausgeborgte. Diese Form der Heuchelei durchzieht die menschliche Geschichte zu allen Zeiten. Wir dürfen uns fragen, ob sie nicht auch in unserem Leben da ist. Es ist diese Haltung sich offiziell als etwas anderes auszugeben, als man zuinnerst ist. Und oft steht diese Heuchelei im Zusammenhang mit der Mehrheitsfähigkeit. Nur, weil etwas mehrheitsfähig ist, ist es noch lange nicht richtig. Nur weil die Abtreibung schon längerer Zeit mehrheitsfähig ist, bleibt sie Mord und ist ein schweres Vergehen am menschlichen Leben. Und bei der Sterbehilfe geht man auch gerade den Weg in die Mehrheitlichkeit. Und gleichzeitig dreschen dieselben politischen Lager, die das mehrheitsfähig machen wollen Phrasen von der guten Zukunft der Kinder, die ja unsere Zukunft sind, und von der Würde der alten Menschen. Welche Heuchelei! Kirche muss Gewissen sein im Kampf gegen die Heuchelei.

 

Zweitens: Dieses Gewissen muss uns immer wieder erinnern, dass der Mensch in erster Linie Gott gehört. Wem gehören wir? Wohl nicht dem Kaiser oder dem Staat. Wir sind auch geprägt wie eine lebendige Münze. Wir sind Abbild des lebendigen Gottes. Das mahnt uns zur Achtung der Würde eines jeden Menschen. Der Mensch hat eine Würde und nicht einen austauschbaren Wert. Wenn wir Gott gehören, müssen wir auch unser Leben von dieser Zugehörigkeit zu ihm her verstehen. Das verlangt freilich sehr viel Mut in einem Europa, das immer gottloser wird. Mut brauchen wir um der Stimme des Gewissens zu folgen. Wir dürfen uns um klare Stellungnahmen der biblisch christlichen Botschaft nicht drücken. Don Bosco hat einmal gesagt: „Der Mut der Schlechten stammt nur aus der Furcht der anderen. Die Gegner der Kirche heute, die die Stimme des religiösen Gewissens ganz zum Schweigen bringen wollen, wären nie so laut und stark geworden, wenn wir Christen nicht aus lauter Lauheit, Bequemlichkeit und Feigheit so lange geschlafen hätten und immer noch schlafen. Bisweilen macht es den Anschein, dass wir beim Jüngsten Gericht nicht unserem Herrn und Gott Rechenschaft ablegen müssen, sondern dem ORF, den Journalisten, den Funktionären von Politik und Wirtschaft, den synodalen Gremien und den lauten Schreiern, die es allerorts gibt. Wir gehören einzig und alleine Gott, ihm gegenüber haben wir Verantwortung.

 

Drittens: So sagt uns dieses Gewissen, dass der Mensch das Richtige, das Passende geben muss. „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott was Gott gehört. In allen Bereichen des Leben, in Beruf, Familie, Schule, Glaube, ja sogar in der Freizeit, muss der Mensch das Angemessene investieren. Um das dürfen wir uns nicht herumdrücken. Wo der Mensch hier seine Pflichten aufgibt, werden sämtliche Bereiche nach und nach ad Absurdum geführt. Wenn ich in der Arbeit nicht das Richtige investiere, laufe ich Gefahr sie zu verlieren. Wenn ich in Familie und Freundschaften nicht das Gefragte investiere, werden sie kaputtgehen. Wenn ich in Glauben und Kirche nicht das investiere, was Gott gehört, werde ich ihn nach und nach aus dem Blick verlieren. Die Konsequenzen dafür, werden uns dann wohl sehr schmerzlich in der Ewigkeit bewusst werden. Die Chance zu einer Besinnung das Angemessene und Richtige zu geben, ist uns in diesem Leben von Gott immer geschenkt. Es liegt an uns sie zu nützen. Liebe Brüder und Schwestern! Es ist gut, dass Politik und Kirche getrennt sind. Aber Stimme des Gewissens soll die Kirche bleiben. Diese Stimme möchte uns von der Heuchelei bewahren. Sie erinnert, uns dass wir zuerst Gott gehören, und sie appelliert an uns, dass wir in allen Bereichen das Angemessene geben. „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört.“ Maria, auf die wir im Oktober besonders schauen, ist eine Hörende, die große Hörerin des Wortes Gottes. Hören wir mit ihr auf die Stimme des Gewissens. Amen.

 

Pfarrer Maximilian Pühringer O.Praem.

 

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