Friday 3. July 2020
Pfarre Oberkappel

Predigt 14. Sonntag im Jahreskreis, 5.7.2020

Schriftstellen:  Röm 8,9.11-13 Mt 11,25-30

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

 

Nachdem das Evangelium des vergangenen Sonntages eine sehr fordernde Botschaft hatte, schlägt Jesus heute durchaus einen anderen Ton an, der uns freilich auch zum inneren Mitgehen einlädt. Werfen wir erneut ein Blick auf diese Botschaft. Versuchen wir das eine oder andere für unser Leben fruchtbar zu machen.

 

Erstens: Das Evangelium beginnt mit einem Lobpreis Jesu. Wer hat Lob und Anerkennung nicht gerne. Jesus preist den Vater, weil er das Evangelium „den Weisen und Klugen verborgen, aber den unmündigen offenbart hat.“ Vielleicht denken sich jetzt manche: Typisch Kirche, da will man keine Menschen, die mitdenken, sondern nur dumme Schafe, die im Rudel mitlaufen, fressen und schlafen. Stimmt das? Sicher nicht! Jesus will keine Bildungsschicht verunglimpfen, sondern eine bestimmte Haltung. Er wendet sich nicht gegen jene, die sich Wissen redlich erworben haben, nicht gegen die Gebildeten, sondern gegen die Eingebildeten, gegen jene, die meinen alles ganz genau zu wissen, die sich auch immer so ein Stück weit besser vorkommen, als die anderen. Das Eingebildetsein steckt wohl in allen Menschen ein wenig drinnen. Das gilt für viele Bereiche. Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob Eltern stolz sein können auf ihre Kinder, was ich allen wünsche, oder ob sie eingebildet sind auf ihre Kinder. Jesus preist die Unmündigen. Unmündigsein meint aber kein Dummsein. Es sind Menschen, die sich ihrer Armut vor Gott bewusst sind. Es sind Menschen gemeint, deren Sehnsucht weit über diese Welt hinausgeht und die ihr Heil nicht in ihrem eigenen Vermögen suchen. Sie sind nicht fertig vor Gott. Sie sind innerlich so arm, dass Gott jederzeit der Reichtum ihres Lebens werden kann. Ich darf so klein sein, dass Gott jederzeit in, neben, und mit mir groß sein kann. Der Glaube ist Antwort auf Gottes Liebestat. Seine Liebe ist groß. So muss meine Antwort, in aller menschlichen Kleinheit, immer eine große sein.

 

Zweitens: Es kommt fast eine Einladung Jesu zum Ferienmachen zum Urlaubmachen. „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Wir alle leben mit den unterschiedlichen Belastungen. Jesus will immer, dass der Mensch Aufatmen und Durchatmen kann. Es geht darum die Einladung Jesu anzunehmen, ihm die Lasten des Lebens anzuvertrauen. Das ist Glaube, Entlastung, Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und Sterben trägt. Eine solche Freundschaft braucht immerwährende Pflege. Es wäre Missbrauch der Freundschaft, wenn sie nur im Bedarfsfall hervorgeholt wird. Ich persönlich würde mir bei solchen Freunden gefrotzelt vorkommen. Ausruhen im, mit und durch den Glauben, das könnte Urlaubsprogramm für 2020 werden, wo nicht alle Reiseziele so erreichbar sind, wie sonst.

 

Drittens: So lädt uns dann Jesus noch zum Lernen ein. Das tut er nur dieses eine Mal im gesamten Evangelium: „Lernt von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen.“ Der Blick auf das Herz-Jesu (Herz-Jesu-Freitage), ist mir wichtig. Vom Herzen Jesu kann man lernen. Wir kennen alle Herz-Jesu Bilder mit einer Flamme im Strahlenkranz. Es ist das Bild des brennenden Feuers. „Am Anfang standen nicht die Kälte und die Finsternis; am Anfang stand das Feuer.“ Kälte oder Feuer: Mit den Blicken unseres Gesichtes können Kälte, Gleichgültigkeit und Verachtung signalisiert werden. Ohne Worte sagt da einer: Du bist für mich überflüssig, reiner Abfall und Müll, ein Kostenfaktor, den wir uns in Zukunft nicht mehr leisten wollen. Kalte Blicke können kontrollieren, überwachen, fixieren und lähmen. Wenn Blicke töten könnten, heißt es nicht umsonst. Und Kälte? Es entwickelt sich eine Gesellschaft der Zuschauer, die sich aus der Distanz am Elend anderer begeilen, eine Gesellschaft jener, die sich nicht zuständig fühlen. Wenn Mitleid und Barmherzigkeit eigentlich nicht sein sollen und diese Denkweise allmählich ins Bewusstsein aller einsickert, entspringen neue Kälteströme. Der Kult des schönen, starken, gesunden und erfolgreichen Lebens macht, dass es kein Erbarmen mehr gibt. Es gibt keine Sorge mehr für die, denen der Atem ausgeht; die Alten, Kranken, Behinderten werden auf Institutionen delegiert; die anderen sind verantwortlich. Wir sind in Gefahr, eine Anspruchsgesellschaft zu werden, in der sich eine wachsende Versorgungsmentalität breitmacht. Das Herz Jesu stellt uns das Feuer der göttlichen Liebe vor Augen: Gott befreit die Menschen vom egozentrischen Blick auf sich und von der Angst, sich ständig selbst behaupten zu müssen. „Eine Gesellschaft, die denen nicht aufhilft, die aus eigener Kraft nicht durchs Leben gehen können, und eine Weltordnung, die eigensüchtig unter wenigen aufteilt, was Gott in Liebe für alle Menschen geschenkt hat, werden zerbrechen.“ Vom Herzen Jesu gilt es zu lernen, dass die Liebe Wärmecharakter hat. Im Blick auf das Herz Jesu lernen wir: Du darfst mich nicht gleichgültig liegen lassen, du darfst mich nicht verachten, du musst mir helfen. Jesu Sehen führt in menschliche Nähe, in die Solidarität, in das Teilen der Zeit, das Teilen der Begabungen und auch der materiellen Güter.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wichtig sind alleine Gott, und alles, was mit ihm zu tun hat. Gehen wir den Weg mit ihm mit. Leben wir im Bewusstsein der Unmündigkeit vor ihm. Ruhen wir uns bei ihm aus. Lernen wir die Güte und Milde seines Herzens. Amen.

 

Pfarrer Maximilian OPraem.

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