Thursday 26. May 2022

Auch Kompromisse können wahr sein

Predigtgedanken - 6. Sonntag der Osterzeit - 22. Mai 2022

 

Der zweite Teil der Apostelgeschichte beschreibt die Mission durch Paulus und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unter den ersten Christen hatten sich Einflussgruppen herausgebildet: um Petrus herum, der die Gemeinde in Jerusalem maßgeblich prägte, oder um Paulus, der zum Leitungsteam der Gemeinde in Antiochia (im heutigen Syrien gelegen) gehörte.

Ihre Gemeinden machten jeweils eigene Erfahrungen. Das Netzwerk der kleinen, zum Teil weit abgeschieden liegenden Gemeinden stand vor dem Problem, sich auszutauschen, miteinander in Verbindung zu treten, um eine gemeinsame Linie zu finden.

 

Wie kann man Christ werden?

Es dauert nicht lange, bis sich erste, wesentliche Unterschiede in den Zielsetzungen der Gemeinden zeigten. Dabei stellt sich das Verhältnis zwischen „jüdisch“ (Jerusalem) und „heidnisch“ (Antiochia) geprägten Christen als spannungsreich dar. So war die Gemeinde in der Großstadt Antiochia dazu übergegangen, auch „Heiden“ in die Gemeinde aufzunehmen. Genauer gesagt ging es darum, auf welche Weise man Christ werden konnte. Paulus plädierte für eine stärkere Unabhängigkeit vom jüdischen Gesetz. Nicht länger sollte die Beschneidung Voraussetzung sein für die Aufnahme in die Gemeinde. Unter den Gemeinden, die sich sehr viel strenger an diese jüdische Tradition halten wollten, löste seine Praxis starken Protest aus.

 

Ein Konzil soll die Frage lösen

Zur Lösung des Konflikts reiste eine Delegation der führenden Leute aus Antiochia zur Gemeinde nach Jerusalem, von wo die Kritik am Agieren der Paulusleute ausging. Es kam zum sogenannten „Apostelkonzil“.

Das Ergebnis damals: Paulus und seine Leute konnten von der Urgemeinde in Jerusalem für ihr Vorgehen im fernen Syrien ein Okay (mit kleinen Einschränkungen) erreichen.

 

Was könnten wir daraus lernen

Für uns heute ist festzuhalten: Es war in dieser Situation gelungen, eine komplexe Fragestellung auszuhalten und für den Moment damit zu leben – anstatt sich darauf zu versteifen, dass alles gemeinsam und gleich geregelt und getan werden muss. Es ist davon auszugehen, dass das gemeinsame Ziel im Fokus stand. Es gab die Bereitschaft verschiedene Wege dorthin zuzulassen.

Und noch etwas springt ins Auge: Petrus steht im Kreis von Frauen, die zu diesem Konzil hinzugezogen sind. Alte Dokumente belegen, dass Frauen in den Gemeinden zunächst in verantwortungsvollen Aufgaben wirkten. Je weiter sich die Kirche im Folgenden zur Institution wandelte, desto weniger hatten Laien und Frauen zu sagen, desto stärker konzentrierte sich die Leitungsverantwortung auf den Klerus. Und je mehr die Kirche die Institution herausbildete, umso geringer wurde die Bereitschaft, andere Varianten dessen, was Christen glauben können, zuzulassen und auszuhalten.

Das Apostelkonzil einigte sich auf einen Kompromiss. Den klugen Köpfen war – Gott sei Dank! – klar geworden, dass nicht das Gesetz rettet, sondern die Gnade Christi. Sie machten einen Unterschied zwischen ewiger Wahrheit und einer pragmatischen Lösung für den Gemeindealltag.

 

zu den Bibelstellen: Apg 15,1-2. 22-29 | Ps 67,2-3. 5-8 |Offb 21,10-14. 22-23 | Joh 14,23-29

 

Franz Starlinger

 

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