Monday 14. October 2019
Pfarre Hofkirchen an der Trattnach

Um Welt bewusst sein = Schöpfungsverantwortung

Ihr erinnert euch noch: Im letzten Sommer erlebten wir eine lange Trockenperiode. Obwohl ich diese Tage ohne Regen auch genoss, begleitete mich doch immer ein murmeliges Gefühl. Ist der Klimawandel tatsächlich schon so spürbar? Die Prognosen der Klimaforscher schienen mir doch immer noch so fern. Es wird schon noch Jahrzehnte dauern, bis die Auswirkungen des Klimawandels auch uns treffen werden. So dachte ich mir.  Der vorige Sommer hat mich eines Besseren belehrt.  Irgendwie war ich  wach gerüttelt.


Seit fast vier Jahre bin ich im Hofkirchner Seelsorgeteam für den Verantwortungsbereich „Diakonie“ zuständig. Zu diesem Aufgabengebiet gehört neben der caritativen Arbeit  auch die Verantwortung für die Schöpfung. Ganz im Sinne des Vorwortes zum Konzilsdokument „Gaudium et spes“ (Freude und Hoffnung)–  - hier wird gesagt,  dass die Kirche engstens  mit der ganzen Menschheitsfamilie verbunden ist. Dies wird in dem Satz ganz deutlich zum Ausdruck gebracht:  Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Kirche Christi“.

 

Wir vor Ort setzen uns daher ein für Menschen in Armut und in schwierigen Situationen: Die Caritas Haussammlung, die Betreuung der Asylwerber, die Augustsammlung, die Möglichkeit zur Kleiderspende, die Einladung zum Elisabethsonntag, der Besuchsdienst in den Krankenhäuser, Altersheimen und Zuhause – all das soll hier in Hofkirchen die enge Verbundenheit der Kirche mit der ganzen Menschheitsfamilie  zum Ausdruck bringen.

 

Auch wenn wir nur kleine Schritte setzen können, sind diese wichtig. Denn viele kleine Schritte können letztendlich auch große Wirkung haben.
Immer wieder wird uns durch Berichte in den Medien und auch durch eigene Beobachtung bewusst, dass die Bienen und Insekten deutlich weniger geworden sind. So sagen Langzeitstudien, dass die Insektenhäufigkeit Mitteleuropas in den vergangenen 27 Jahren um 75-80 % abgenommen hat. Wir Menschen verändern nicht nur die Atmosphäre, wir beeinflussen allzu viele Ökosysteme in alarmierendem Ausmaß.  Es beginnt sich damit eine fataler Spirale zu drehen: ein Rückgang der biologischen Vielfalt hat unmittelbare negative Auswirkungen auf Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft.


Wahrscheinlich ist euch auch schon aufgefallen, dass beispielsweise auf den Windschutzscheiben der Autos bei Fahrten in der Dämmerung noch vor einigen Jahren  Hunderten von Insekten klebten. In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass kaum mehr der Fall ist. Dieser Veränderung ist aber nur  augenscheinlicher von Annehmlichkeit. Die Mehrzahl der heimischen Insektenarten hat unterschiedliche Funktionen. Viele davon halten Schädlinge als deren natürliche Feinde in Zaum. Die Reduktion von insektenverzehrenden Insekten sowie von Parasiten an Schadinsekten begünstigt das Erstarken von baumtötenden Insekten wie Borkenkäfern oder samenfressenden Insekten.

 

Uns so verhält es sich auch bei den Bienen. Bei der Baumblüte kann man immer weniger  Bienen bei der Bestäubung beobachten. Deshalb starteten wir auf Anregung von Herbert Pointner das Projekt „Blühwiesen für Bienen“. Erfreulicherweise haben sich viele Hofkirchnerinnen und Hofkirchner bereit erklärt, mitzumachen. So entstehen in Gärten von Hofkirchen über 3000 m2 Blühwiesen und 1,5 ha im landwirtschaftlichen Bereich.  Die Blühwiesenaktion möchten wir im nächsten Jahr fortsetzen.

 

Unser Projekt Nähcafe soll anregen, nicht alles gleich wegzuschmeißen. Tragbare Kleidung zu reparieren, aus altem Gewand neues zu machen, Stofftaschen zu nähen, die man anstelle von Plastiksackerln verwenden kann  und vieles mehr.  Dazu treffen wir uns einmal im Monat im Pfarrheim.

 

Zum Schluss möchte ich noch ein kurzes Stück aus der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus passend zu unserem Thema vorlesen:
"Wir sollten es sich uns zur Pflicht machen, mit kleinen alltäglichen Handlungen für die Schöpfung zu sorgen., Die Umweltverantwortung kann verschiedene Verhaltensweisen fördern, die einen unmittelbaren und bedeutenden Einfluss auf den Umweltschutz haben, wie die Vermeidung des Gebrauchs von Plastik und Papier, die Einschränkung des Wasserverbrauchs, die Trennung der Abfälle, nur so viel zu kochen, wie man vernünftigerweise essen kann, die anderen Lebewesen sorgsam zu behandeln, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen oder ein Fahrzeug mit mehreren Personen zu teilen, Bäume zu pflanzen, unnötige Lampen auszuschalten. All das gehört zu einer großherzigen und würdigen Kreativität, die das Beste des Menschen an den Tag legt. Etwas aus tiefen Beweggründen wiederzuverwerten, anstatt es schnell wegzuwerfen, kann eine Handlung der Liebe sein, die unsere eigene Würde zum Ausdruck bringt."
(Papst Franziskus: Enzyklika "Laudato si'", Nr. 211)

Pfarre Hofkirchen an der Trattnach
4716 Hofkirchen an der Trattnach
Jörgerstraße 1
Telefon: 07734/2008
Telefax: 07734/2008
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: