Monday 23. May 2022

Heilige Familie

Wort zum Sonntag

Gerade noch waren wir gemeinsam mit den Hirten Zeugen der Geburt des Kindes in der Krippe von Betlehem. Im heutigen Evangelium (Lk 2,41-52) begegnen wir plötzlich Jesus, dem Teenager.

Vielleicht nicht ganz von ungefähr, dass uns die Kirche am Fest der Heiligen Familie einen pubertierenden Teenager vor Augen führt. Das mag vielleicht ein Trost für manche verzweifelte Eltern von heute sein, die ihren Nachwuchs einfach nicht verstehen können. Vielleicht kann es aber auch sein, dass uns die Kirche so vor Augen führen möchte, was eigentlich “heilig” bedeutet. Blicken wir doch einmal in unsere eigenen Familien. Sind wir dort heilig, wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist? Ist das Klischeebild, das vielleicht manche von der Familie Jesu haben, tatsächlich Abbild einer heiligen Familie? Ich denke, dass sich eine heilige Familie damals und heute nicht in erster Linie dadurch auszeichnet, dass immer alle einer Meinung sind, sondern es geht um die Frage, wie wir miteinander umgehen, wenn wir gerade nicht einer Meinung sind. Gelingt es uns auch dort, den anderen so stehen zu lassen, wie er/sie ist oder wollen wir ihn/sie sofort auf unsere Seite ziehen? Können wir verstehen und akzeptieren, dass Menschen trotz ehrlichen Suchens zu einer anderen Meinung gelangen können als wir selbst?

Gerade in der heutigen Gesellschaft, die aufgrund der Pandemie so tief gespalten ist, wäre es notwendig auch andere Meinungen zu akzeptieren. Heilig bedeutet für mich in diesem Zusammenhang nicht, jede Meinung als meine zu übernehmen, aber es setzt die Toleranz und den Respekt vor dem anderen Menschen voraus, denn in ihm erkenne ich Antlitz Gottes. Um die Spaltung unserer Gesellschaft zu überwinden brauchen wir keine Rechthaberei, sondern liebevolle Annahme und den Respekt vor dem/der anderen. Das heutige Evangelium stellt uns eine Familie vor, die nicht immer überall einer Meinung ist, aber in der die Meinung und Ansicht des/der anderen respektiert und geachtet wird. Vielleicht brauchen wir in diesem Sinne auch in unserer Zeit mehr heilige Familien, damit unsere Gesellschaft wieder zueinanderfindet.

Andreas Golatz

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