Monday 23. May 2022

Mariä Empfängnis

Wort zum Feiertag

Eigentlich hat das Evangelium des heutigen Tages (Lk 1,26-38) mit dem Fest, das wir heute feiern gar nichts zu tun. Wir feiern ja heute die Empfängnis Mariens in ihrer Mutter Anna (9 Monate vor dem Fest der Geburt Mariens am 8. September). Nur gibt es dazu eben keinen Evangelienbericht. Und die Verkündigung durch den Engel Gabriel passt ja ganz gut in den Advent. Das Fest der Verkündigung feiern wir übrigens am 25. März, also mitten in der Fastenzeit oder rund um Ostern herum.

Vertrauen oder Sicherheit

Der Engel mutet Maria einiges zu: sie soll unverheiratet einen Sohn empfangen. Ihrem Einwand entgegnet er nur sehr allgemein: “Für Gott ist nichts unmöglich.” Die nächste Antwort überrascht und fasziniert mich immer wieder: “Ja, mir geschehe wie du es gesagt hast.” Ich frage mich dann, ob ich Gott vertraue, auch wenn ich nicht alle Details kenne, keinen genauen Fahrplan habe, sondern über weite Strecken im Dunklen tappe. Eigentlich möchte ich, wenn ich mich auf einen Weg einlasse, möglichst alle Details kennen, keine Überraschungen erleben und Planungssicherheit haben, von der wir heute immer wieder hören. Leben wir nicht alle mehr oder weniger nach dem Grundsatz “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!”? 

Die Botschaft des Engels an Maria im heutigen Evangelium ist eine andere: “Vertraue, traue Gott zu, dass Er weiß, was gut ist!” Wenn Vertrauen wirklich alles ist, zeigt sich wohl wahrer Glaube. Vielleicht hat sich ja deshalb das kirchliche Lehramt zu der Feststellung durchgerungen, dass diese junge Frau, die so bedingungslos vertrauen kann, solchen Glauben hat, nicht einmal den Hauch von etwas Gottlosem in sich haben kann, dass sie wohl ganz in seiner Gegenwart ist.

Ich denke, dieses Vertrauen brauchen auch wir heute, dass wir Gott zutrauen, dass er auch in den Herausforderungen dieser Zeit alles zum Guten führt. Gerade wenn wir nicht planen können, wenn wir gerade einmal den nächsten Schritt sehen, dann braucht es dieses Vertrauen, diesen Glauben, von dem die Bibel behauptet, dass er Berge versetzen könne.

Weihnachten ist das Fest, an dem Gott aus etwas Kleinem Großes machen kann. Es braucht nur die Geburt eines kleinen Kindes irgendwo im Nirgendwo in einem kalten Stall, damit die Welt sich für immer verändert.

Andreas Golatz

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