Wednesday 2. December 2020

Christkönigsonntag 22.11.2020

 

 

 

Gedanken zum Christkönigssonntag

22.11.2020, Pfarre Garsten

 

 

Am Schluss des Kirchenjahrs steht das Fest „Christkönig“ – eingeführt von Papst Pius XI. (1922–1939) im Jahr 1925 – zum einen als Ausdruck der Herz-Jesu-Frömmigkeit, zum anderen als politisches Signal mit Blick auf die totalitären Bewegungen der damaligen Zeit. (Nur) Jesus Christus ist der „König“, dem wir folgen, will die Kirche mit diesem Fest sagen.

Entscheidend zum Verständnis dieses Festes ist, dass hier nicht Jesus der Norm des gewohnten Titels „König“ untergeordnet wird (als wäre Jesus einer von vielen Monarchen), sondern dass die Bedeutung des „König“-Seins durch Jesus verändert wird. Es geht nicht darum, dass Jesus wie ein Aristokrat auftritt, sondern dass er als Person die eigentliche Autorität unseres Glaubens ist. Im Lauf der Jahrhunderte schlichen sich alle möglichen Traditionen, Vorstellungen und Verpflichtungen ein, die manchmal die Mitte und das Fundament des Glaubens nicht mehr sichtbar machen. Auch heute wird auf christliche „Werte“, auf Institutionen und deren Reformen, auf ethische Prinzipien und kulturelle Prägungen im Namen des Christentums hingewiesen. Das ist alles gut und recht – aber die Mitte des Glaubens ist eine Person: Jesus von Nazareth, der „Christus“ (= Gesalbter), der wie ein „König“ für uns da ist und uns leitet und stärkt.

Der hl. Ignatius von Loyola (1491–1556), der Gründer des Jesuitenordens, lässt die Gläubigen in seinen „Exerzitien“ Übungen machen, bei denen sie dem „König“ Jesus Christus ihr Leben anbieten und ihm folgen können. Der Sinn dieser Übungen ist die Erkenntnis, dass es im Glauben auf den Bezug zur Person Jesus, dem „König“, ankommt, und nicht in erster Linie auf das Befolgen von Traditionen, das Hochhalten von Werten oder die Verteidigung von Institutionen. Was übrigens dieser „König“ Jesus von uns verlangt, ist durchaus überraschend, vielleicht auch irritierend: wir sollen Hungrigen zu essen und Dürstenden zu trinken geben, Fremde und Obdachlose aufnehmen, Nackte bekleiden, Kranke besuchen und Gefangenen beistehen (vgl. Mt 25,31–46). Wer so handelt, gehört zur Gefolgschaft des „Königs“ Jesus; wer den Armen und Bedrängten nicht hilft, hat sich aus der „Königsherrschaft“ Jesu verabschiedet, mag er oder sie auch noch so fromm oder kirchentreu oder theologisch gebildet sein.

Normalerweise feiern wir das Christkönigsfest „mit Pauken und Trompeten“, mit festlicher Chormusik und feierlicher Liturgie. Dieses Jahr ist es ganz still zu Christkönig; wir können uns nicht einmal zu einem einfachen Gottesdienst versammeln. So bedauerlich das ist – vielleicht ist das auch eine Chance, die Worte Jesu umso aufmerksamer in uns aufzunehmen: Was wir unseren Schwestern und Brüdern getan haben, das haben wir ihm, unserem „König“, getan.

Mögen diese stillen und zurückgezogenen Tage am Ende des alten Kirchenjahrs für uns zu einem Raum der inneren Freiheit, der Aufmerksamkeit füreinander und der Ausrichtung auf die Person und Gegenwart Jesu Christi werden.

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Franz Gmainer-Pranzl

 

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