Friday 19. April 2019

Gedanken zum 5. Sonntag im Jahreskreis

von Diakon Christian Koblmüller

Das kennen Sie vielleicht auch: So mancher von uns hat sich in der Schule, in der Ausbildung, im Studium abgemüht, und es ist dann im Beruf doch nicht so gekommen, wie man sich das erhofft hat. 

Oder: Da wurden die eigenen Kinder mit Freude erwartet, mit Liebe, Geduld und Nachsicht erzogen und dennoch ist heute das Verhältnis zu ihnen nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. 

Oder eine partnerschaftliche Beziehung zerbricht schließlich doch. 

Wie viele Beschäftigte haben sich beruflich über das normale Maß hinaus engagiert und trotzdem wird jemand anderer befördert und steigt auf. 

So oder so ähnlich könnte es auch Petrus im heutigen Evangelium gegangen sein: Er hat die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Er hat geschuftet und es immer wieder probiert. Doch alles scheint umsonst gewesen zu sein. 

Viele Menschen hadern dann mit ihrem Schicksal: Warum ist gerade mir das passiert? Ist Gott wirklich bei mir oder hat er mich gar verlassen …?

Mit billigem Trost ist es da nicht getan. Der gut gemeinte Ratschlag: Lass den Kopf nicht hängen, das wird schon wieder, hilft da nicht wirklich weiter. Hier braucht es schon eine andere Zuwendung, um wieder Mut zu fassen, und Boden und Vertrauen zu finden. 

Gut ist es, wenn man in solchen Situationen, Menschen um sich hat, die zuhören, mitfühlen, verstehen und mithelfen. 
Vielleicht gelingt es dann, Vertrauen zu fassen, die Hoffnung nicht aufzugeben, und wie Petrus unsere Netze aufs Neue auszuwerfen. 

Im Lukasevangelium wird uns berichtet, wie Simon Petrus sich nicht der Hoffnungslosigkeit hingibt, sondern wie er sein Vertrauen in Jesus setzt. Petrus hat Jesus mit seinem Boot vom Seeufer weggefahren, damit die Leute, die sich zu Jesus drängten, ihn besser hören und sehen konnten. Und nachdem Jesus mit seiner Rede zu Ende war, sagte er zu Simon Petrus: „Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze wieder zum Fang aus“. 

Darauf entgegnete ihm Simon Petrus: „Meister, wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen; aber auf DEIN Wort hin, werde ich die Netze auswerfen.“ Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.

Liebe Gemeinde!

„Auf dein Wort hin werde ich die Netze auswerfen“. Simon Petrus vertraute Jesus. Er saß bei ihm im Boot als Jesus zu den Menschen am Seeufer sprach und er hatte die Worte Jesu bestimmt gut verstanden und sie sich zu Herzen genommen. 

Es waren wohl die aufrüttelnden Worte dieser Jesus-Predigt, die neben einer früheren Begegnung, die Petrus mit Jesus hatte, bei ihm den Impuls auslösten, entgegen seiner bisherigen beruflichen Erfahrung, nun auch am helllichten Tag auf den See hinaus zu fahren und die Netze auszuwerfen, obwohl der Fischfang im See eigentlich nur nachts erfolgreich ist. 

Auf das Wort eines anderen vertrauen - können WIR das so ohne weiteres? Selbst Simon Petrus verhält sich in dieser Situation ja keineswegs völlig vertrauensselig. 

Er macht deutlich, was seine Berufserfahrung ihn gelehrt hat: Wenn es in der Nacht nichts gebracht hat, lohnt es sich doch tagsüber erst recht nicht. 

Petrus reagiert auf die Aufforderung Jesu hin nicht blindlings und naiv, sondern bewusst und reflektiert aus eigener Entscheidung. Aber seine Entscheidung lautet: „Auf dein Wort hin - will ich die Netze auswerfen.“ 

Und das Vertrauen, für das er sich entscheidet, wird belohnt. Die Geschichte vom Fischzug des Petrus ist also eine VERTRAUENSgeschichte. 

Wie den Menschen, für die der Evangelist Lukas diese Geschichte aufschrieb, möchte sie auch uns Mut machen, Mut, Zutrauen zu haben und Vertrauen zu schenken, gerade dann, wenn wir mutlos sind, wenn unser Selbstvertrauen beschädigt ist, wenn sich unsere Hoffnungen verflüchtigen. 

Die Vertrauens-Geschichte vom Fischzug des Petrus möchte uns Mut machen, auch einmal die vorgegebenen Gleise zu verlassen, uns auf ungewohnte Wege zu begeben oder entgegen unserer Alltagsroutine das Risiko einzugehen, neue Erfahrungen zu machen. 

Und dies im Vertrauen auf Gottes Beistand, der uns ja immer wieder in Gestalt hilfreicher Mitmenschen begegnet. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns vor Augen halten, wie viele verlässliche und vertrauenswürdige Menschen es doch gibt, die uns tagtäglich zur Seite stehen.
So könnte man auch jene Mitarbeiter der Caritas sehen, die sich nicht nur um Menschen bei uns, sondern auch um Menschen in Osteuropa kümmern, also über ihren Tellerrand blicken und sich gerade um Kinder sorgen, die in ihrer Heimat geblieben sind, dort aber wenig Hoffnung haben.
 
Wie selbstverständlich nehmen wir oft all die Geschenke hin, die uns das Leben immer wieder zeigt. Selten verschwenden wir einen Gedanken daran und noch seltener sind wir dankbar dafür. 

Das, liebe Gemeinde, ist für mich die Herausforderung Jesu, die dem Simon Petrus damals am See Genezareth deutlich wurde. 

Ganz plötzlich muss er es begriffen haben: Wo Gott mir begegnet, kann ich nicht so bleiben wie ich bin und nur meinen begrenzten Erfahrungen folgen. 

Wo Gott mir begegnet, da öffnen sich neue weitere Horizonte als ich sie bisher aus meinem Fischerboot heraus wahrgenommen habe. 

Vielleicht mag es auch uns gelegentlich so ergehen wie Petrus, dass wir trotz aller Probleme, die uns ja auch innerlich beschäftigen, dennoch dessen innewerden, was uns alles unverdientermaßen geschenkt wird. 

So können wir daraus Lebenszuversicht schöpfen und aufs Neue vertrauen, in uns und in die Menschen um uns herum. 

Möge Jesu Geist und Vorbild bewirken, dass wir christliche, soziale Netzwerker werden und im Vertrauen auf ihn dazu beitragen, seine heilsame Botschaft in unsere nahe aber auch weite Lebenswelt hineinzutragen.

Evangelium von heute
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