Wednesday 24. April 2019

Gedanken zum Fest Darstellung des Herrn

von Pastoralassistentin Manuela Neumüller

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es gibt verschiedene Namen für das heutige Fest: Mariä Reinigung. Maria Lichtmess, Darstellung des Herrn, Tag des geweihten Leben…- der von Papst Johannes Paul 1997 eingeführt wurde..

 

In der Ostkirche hat das heutige Fest einen wunderschönen Namen: FEST DER BEGEGNUNG.

Hier wird ein anderer Aspekt betont: Jesus begegnet im Tempel seinem Volk, Menschen, die ihn erwarten - vertreten durch zwei tief gläubige Menschen. Es ist der Greise Simeon und die hochbetagte Hanna.

 

Ich lade Sie ein, heute einmal den Blick auf die Prophetin Hanna zu lenken.

Hannah, kommt meistens zu kurz. Der greise Simeon stielt ihr die Show.

Sein Lobgesang, das nunc dimittis, hat Eingang gefunden ins Nachtgebet der Kirche. (Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast,..)

 

Doch Lukas, der Evangelist, nennt Hanna eine Prophetin, eine vom Geist erfüllte Frau.

 

Hanna hat in ihrem Leben schon viel mitgemacht.

Nur wenige Jahre war sie verheiratet. Jahrzehnte, fast ihr ganzes Leben lebte sie als Witwe. Witwen zählten damals zu den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft. Sie gehörten zusammen mit den Waisenkindern zu den am meisten schutzlosen und benachteiligten Bevölkerungsschichten. In jener Zeit gab es ja noch keine Rente, keine Sozialhilfe, keine Altersversicherung. Das bedeutete oft große materielle Not. Angewiesensein auf fremde Hilfe. Witwen blieb oft nichts anderes übrig als zu betteln. Ein armes Leben, unscheinbar, am Rand der Gesellschaft .

Dazu die seelische Not. Der Verlust des Mannes in jungen Jahren. – Einsamkeit

Doch es scheint: keine Dunkelheit und düstere Lebenserfahrung vermochte Hanna daran hindern, trotzdem auf Gott zu vertrauen, auf auf das erlösende Licht zu warten.

Es war ihre Lebensaufgabe geworden – zu beten, zu vertrauen – eine intensive Gottesbeziehung zu pflegen.

 

Wovon das Herz voll ist, davon läuft bekanntlich der Mund über.

Und so fängt auch Hanna an, als sie dem Kind im Tempel begegnet, Gott zu loben und zu preisen. Und sie verkündet die Ankunft des Erlösers.

 

 

Und wie sähe die Szene heute aus? Würden heutige junge Eltern ihren Säugling aus den Händen geben, einem tatterigen Alten kurz anvertrauen? Würden sie auf seine Worte hören, ihn ernstnehmen und respektieren? Oder würden sie ihn als verwirrt und dement abstempeln?

 

Wie viel Achtung bringt unsere Gesellschaft den Senioren entgegen? Wie viel Weisheit und Würde messen wir der älteren Generation zu?
 

Dem demographischen Wandel zufolge gibt es immer mehr Pensionisten als Kinder. Unsere Gesellschaft wird immer älter.

 

In biblischen Zeiten wurde mit alten Menschen anders umgegangen. Sie wurden aufgrund ihrer Lebenserfahrung und Weisheit geachtet und wertgeschätzt, ja, sie wurden sogar besonders um Rat gefragt.

 

Gut, dass das damals so war und Maria und Josef, die Eltern Jesu, auf den alten Simeon und die greise Hannah gehört haben. Wer hätte sonst in diesem kleinen Kind den Retter erkannt, wenn nicht die Weisheit des Alters?

Gut, dass diese anrührende Geschichte so überliefert ist.

 

 

So möchte die Erzählung von der Darstellung Jesu im Tempel uns vielleicht auch noch einmal anrühren für die Bedeutung des vierten Gebotes, Verantwortung, Respekt und Liebe für die ältere Generation und die eigenen Eltern wach zu halten.

Gesellschaft ist ein buntes Gemisch aller Generationen. Jedes Alter hat seine kostbaren Besonderheiten und Berechtigung.

Es wäre schön, wenn wir viele Simeons und Hannas hätten.

Im Leben gereifte Frauen und Männer, die den Mut nicht verloren haben, die nicht vergangenen Zeiten nachtrauern, die noch etwas von Jesus erwarten.

So höre ich also aus den Schrifttexten heute zwei Aspekte mit Aufforderungscharakter für mich heraus:

einen herzlichen Umgang mit allen Generationen pflegen und

„Licht“ im Unscheinbaren erkennen und auch selber „Licht“ für andere sein.

 

Evangelium von heute
Lk - Lk 24,13-35 Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern Jesu auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich...
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