Saturday 20. April 2019

Gedanken zum Neujahrstag - Weltfriedenstag - Hochfest der Gottesmutter Maria

von Diakon Christian Koblmüller

Das Neujahrsfest ist in der kath. Kirche auch das Hochfest der Gottesmutter Maria. Und gleichzeitig ist es der Welttag des Friedens. Die Botschaft, die uns die Gottesmutter Maria am Anfang dieses Jahres mit auf den Weg gibt, auch hinsichtlich der Frage, wie es Frieden geben kann auf der Erde, diese Botschaft ist so einfach, wie die Gottesmutter selbst ganz einfach war.

 

Da heißt es heute in unserem Evangelium: Die Hirten gingen nach Bethlehem, weil die Engel ihnen gesagt hatten, dass sie dort das Kind in der Krippe finden würden. Sie finden das Kind, und sie erzählen alles, was ihnen die Engel über das Kind gesagt hatten. Und alle, die dabeistehen, staunen über die Worte der Hirten.

 

Und nun steht da über Maria ein ganz kleiner, im ersten Moment unbedeutender Satz, der mir gerade zum Welttag des Friedens als sehr wichtig vorkommt: In der alten Einheitsübersetzung heißt dieser: „Maria bewahrte alles, was geschehen war in ihrem Herzen und dachte darüber nach.“ Oder die neue, die wir soeben gehört haben: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ Auch wenn das Wort „erwägen“ im ersten Moment etwas sperrig wirkt, so kommt es vermutlich dem Grundgedanken sogar näher: Es heißt laut Duden „durchdenken“, „prüfend, abwägend überlegen“.

 

Der gleiche Satz wird von Maria noch einmal gesagt, etwa 12 Jahre später, als Jesus zum ersten Mal mit auf die Wallfahrt nach Jerusalem geht. Das haben wir am Sonntag am Fest der Heilige Familie gerade gehört. Jesus bleibt allein im Tempel zurück. Maria und Josef suchen ihn voller Schmerzen. Und als sie ihn dann im Tempel finden, da sagt Jesus ihnen ins Gesicht: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Maria und Josef verstanden nicht, was er ihnen damit sagen wollte. Dann heißt es wieder von der Mutter Gottes: „Maria bewahrte all diese Worte in ihrem Herzen.

 

Ist es nicht oft so, dass wir Menschen uns auch nicht verstehen. Sei es zwischen Jung und Alt. Wenn die Älteren z. B. sagen: „DIE“ Jugend von heute ..., wenn andererseits die Jugendlichen sagen: Die Alten sind doch daneben. Oder wenn Eheleute sich nicht mehr verstehen und dauernd streiten oder wenn Politiker nicht mehr die gleiche Sprache sprechen, wenn sie aneinander vorbeireden wollen, man versteht sich einfach nicht mehr. Manchmal geschieht das auch zwischen Staaten. Und schon sind nicht nur Spannungen da, sondern unüberwindbare Gegensätze. Und manchmal führt das sogar zum Krieg zwischen den Völkern.

 

Was würde wohl passieren, wenn wir alle, angefangen bei uns selbst, diese Haltung der Gottesmutter einnehmen würden, jedes Mal, wenn wir etwas beim anderen nicht verstehen? Dass wir dann nicht sofort sagen: Dafür habe ich kein Verständnis, weg damit! Sondern wenn wir diese Haltung der Gottesmutter einnehmen würden: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“

 

Ich glaube, wir könnten im Kleinen einen ganz entscheidenden Beitrag leisten, dass es in unserer Umgebung Frieden gibt. Und wenn Völker und Staaten diese Haltung einnehmen würden, dann würde vielleicht Friede herrschen. Wenn es nicht mehr heißt: Ich verstehe dich nicht; ich habe für dich kein Verständnis. Nein, wenn ich etwas nicht verstehe, dann „erwäge“ ich es, zuerst in meinem Herzen und erst dann handle ich.

 

Die Gottesmutter Maria hat sogar als eine der ganz wenigen die Kraft gehabt hat, auch noch unter dem Kreuz Jesu auszuhalten, wo selbst Petrus das Weite gesucht hat. Außer Johannes waren alle anderen Apostel bei der Kreuzigung nämlich nicht mehr dabei.

Wenn sie dazu diese Kraft gehabt hat, vielleicht lag das dann auch an dieser, an ihrer Grundhaltung, dass sie alles, was sie nicht verstand, „in ihrem Herzen erwogen hat“.

 

Das ist es, was wir von Maria ins Neue Jahr mit auf unseren Weg nehmen können:

 

Nämlich: Unverstandenes im Herzen erwägen.

Evangelium von heute
Lk - Lk 24,1-12 Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein,...
Pfarre Gallneukirchen
4210 Gallneukirchen
Pfarrplatz 1
Telefon: 07235/62309
Telefax: 07235/62309-20
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: