Monday 14. October 2019

Gedanken zum Jahresschluss

von Pfr. Klaus Dopler

Lesung:         Kol 3, 12 – 17

Evangelium:  Lk 1, 39 – 55

 

Wir blicken heuer zurück auf das Gedenkjahr 2018 – Ende des ersten Weltkriegs 1918, Anschluss 1938, 100 Jahre Republik, 70 Jahre Menschenrechte, aber auch die französische Revolution 1848 wie die Studentenrevolten 1968,… c alle Gedenken und Erinnerungen zeigen uns, dass Zusammenhalt und Friede sehr zerbrechlich sind.

Entsprechend haben wir auch in mehrerlei Hinsicht der Entwicklungen der Gegenwart gedacht, die den sozialen Frieden massiv gefährden, die den Generationenverstrag aushebeln, die das Gemeinwohl untergraben, die sozial engagierte Menschen als „Gutmenschen“ in ein schiefes Licht rücken. Dabei frage ich mich, das Gegenteil von „Gutmensch“ ist doch eigentlich ein böser Mensch. Was sagt das aus über diejenigen, die abwertend über Gutmenschen herziehen?

Bischof Manfred hat in seiner Weihnachtsbotschaft geschrieben (LDBL): „Gott wird Mensch, tritt ein in ein lebendiges Beziehungsgeschehen mit uns… Mit der Menschwerdung Gottes wird eine neue Dimension des menschlichen Daseins aufgezeigt. Das Prinzip der Rivalität hat ausgedient. Die Beziehungsfähigkeit, der gegenseitige Austausch, das Zugehen aufeinander ist göttliche Richtschnur, Weihnachten bedeutet eine Abkehr vom menschlichen Konkurrenzdenken hin zu einer neuen Form der Kooperation, des Miteinanders, des gemeinsamen Denkens, Fühlens, Redens und Handelns, um nicht an Grenzerfahrungen zu scheitern, sondern Wachstum in allen Bereichen des Lebens zu ermöglichen.“

Die Botschaft von Weihnachten – ein stärkender Impuls für kirchliches Handeln, das das Miteinander über das Einzelgängertum stellt, das Brücken baut und nicht Gräben aufreißt.

Wir dürfen, ja müssen diesen Impuls als Kirche in der Gesellschaft sehen. Wie schon in der Weihnachtspredigt angesprochen sind wir gefordert und gerufen, uns als Menschen, als Christen zu zeigen und gegen alle Unmenschlichkeit, Polarisierung, Verhetzung klar aufzustehen, den Dialog, ja die Konfrontation zu suchen, wo der soziale Friede und die Brücken gefährdet sind; wir sind gefordert uns zu bilden, zu hinterfragen und in Frage zu stellen, wo uns mit den einfachen Lösungen der Populisten die Welt erklärt wird.

Wir müssen diesen Impuls aber auch in der Kirche und für unsere Gemeinschaft sehen. Der Zukunftsprozess der Diözese geht in die zweite Phase und versucht Antworten auf die Entwicklungen zu geben. Noch einmal Bischof Manfred in seiner Weihnachtsbotschaft: „Auf eine von Weihnachten inspirierte Beziehungsfähigkeit wird es ankommen, dass wir den unübersehbaren Wandel von Kirche und Gesellschaft in einem wertschätzenden Miteinander wahrnehmen, annehmen und gestalten.“

Dieser Wandel ist ja auch in Gallneukirchen deutlich spürbar und nicht mehr zu leugnen: 1/3 weniger Mitfeiernde an den Sonntagen, mittlerweile auch auffallend wenige Kinder, Rückgang des ehrenamtlichen Engagements (vgl. Gebiete, in denen wir für das Austragen des Gallusboten einfach niemanden finden,…), gleichbleibend hohe Zahl an Austritten,… und umgekehrt immer höhere Erwartungen und Forderungen, wenn es einmal Berührungspunkte mit der Kirche gibt.

Auch im Zukunftsprozess, der unter dem Motto steht „Kirche weit denken“, mit den vorgeschlagenen Lösungen werden divergierende Vorstellungen, Meinungen, Haltungen und Glaubensrichtungen aufeinanderprallen, wird aufgrund der personellen und finanziellen Ressourcen nicht jeder Wunsch der Pfarren und Gläubigen erfüllt werden können. Daher wird auch hier der ehrliche Dialog, der wohlwollend-kritischen Austausch, das wertschätzende Miteinander, aber auch das Zulassen und das Einlassen auf neue Wege vonnöten sein.

Brücken sind ein schönes Symbol: sie sind auf beiden Seiten fest verankert, so kann der Bogen zwischen beiden Säulen gespannt werden. (d.h. zuerst wissen, wofür wir stehen, wo wir fest verankert sind – nämlich in Christus, nicht in den Strukturen).

(Übrigens liegen Brücken beinahe tagtäglich in unserer Hand – auf jedem Euroschein ist eine abgebildet. Könnte eine regelmäßige Einladung sein Brücken zu bauen.)

Die Worte, die Paulus an die Gemeinde in Kolossä schreibt, könnten inspirierender nicht sein (vgl. Lesung): „Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes!“

So gilt der besondere Dank am Ende des heurigen Gedenkjahres allen, die Brücken gebaut haben – zur Geschichte im Gedenkjahr, zu den Kindern und zu den Alten, die am Leben der Gesellschaft nicht mehr teilhaben können, zu den sozial an den Rand Gedrängten, zu den Flüchtlingen und Migranten, zu denen, die anders denken, handeln, leben. Er gilt all jenen, die in unserer Pfarre Brücken bauen und Gräben überwinden.

Ja, und ich wünsche uns allen, dass „der Friede Christi in unseren Herzen triumphiert“ (neue EÜ) und wir uns letztlich alle als Brückenbauer, Pontifex erweisen – als Brückenbauer der Menschlichkeit, der Menschenachtung. Noch einmal zitiere ich Bischof Kamphaus: „Mach‘s wie Gott, werde Mensch“

Evangelium von heute
Lk - Lk 11,29-32 In jener Zeit, als immer mehr Menschen zu Jesus kamen, sagte er: Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Jona. Denn wie...
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