Thursday 26. November 2020
Pfarre Ebensee

Predigt zum Hochfest Christkönig (Evangelium Mt 25,31-46)

Was sollen wir anfangen mit der Szene vom Weltgericht? Froh- oder Drohbotschaft?

Predigttext:

Beeindruckend habe ich das „Dies ire“ aus Requiem-Vertonungen von Mozart, Verdi oder Faure im Ohr. Weniger beeindruckend, viel mehr furchteinflößend die Übersetzung des lateinischen Textes, ein Text, der über Jahrhunderte mit weitreichender Wirkung in der Totenliturgie verwendet wurde. Es heißt dort unter anderem:

Welch ein Graus wird sein und Zagen,

wenn der Richter kommt mit Fragen

streng zu prüfen alle Klagen!

Schaudernd sehen Tod und Leben

sich die Kreatur erheben,

Rechenschaft dem Herrn zu geben.

Sitzt der Richter dann zu richten,

wird sich das Verborgne lichten;

nichts kann vor der Strafe flüchten.

Weh! Was werd ich Armer sagen?

Welchen Anwalt mir erfragen,

Wenn Gerechte selbst verzagen?

Der Text hat seinen Ursprung in der Weltgerichtsszene des heutigen Evangeliums und seine Wirkungsgeschichte war leider überwiegend geprägt vom „Daumen hoch“ oder „hinunter“ des Weltenrichters.

Fatal wurde das vor allem dann, wenn Menschen sich als Vertreter des Weltenrichters sahen und in Folge genau zu wissen glaubten, für wen „das Daumen hoch“ oder „das Daumen hinunter“ galt. Eine Gefahr, der Kirchenvertreter immer wieder erlegen sind und die auch heute keineswegs gebannt ist. Einteilungen in Schwarz-Weiß-Manier, hier die Guten und hier die Bösen, sind weit verbreitet.

Das Weltgericht war auch in der bildenden Kunst ein beliebtes Motiv und trug zu entsprechenden Einteilungen bei. Als Beispiel habe ich das berühmte Weltgerichtstriptychon von Hieronymus Bosch in der Akademie der bildenden Künste in Wien vor Augen. Äußerst fantasievoll malte der Künstler abschreckendeste Höllenszenen.

Ebenso hat sich mir die Weltgerichtsdarstellung im Bogen vor dem Hochaltar der Pfarrkirche Reichenthal, wo ich als Kind oft bei Verwandten war, eingeprägt.

Damals war es ja für mich interessanter im Gottesdienst die Bilder anzuschauen als irgendwelchen Texten zu folgen. Und so blieb das Weltgericht entsprechend hängen, wobei mich die dramatische „Höllenseite“ immer mehr faszinierte, als die brave „Himmelseite“.

Was will nun diese Weltgerichtsszene des Matthäus? Eine Drohbotschaft oder doch eine Frohbotschaft, ein Evangelium sein?

Es liegt eine gewisse Spannung im Text: Hoch oben am Thron der König, der Weltenrichter, der zwischen Heil und Unheil trennt und zugleich identifiziert er sich mit denen die am Boden liegen, die das Leben niederdrückt, die keine Perspektive mehr sehen - eine Doppelrolle.

Entscheidend dabei ist zu sehen, bei den zuletzt Genannten, bei den Armen, Entrechteten, ihrer Würde Beraubten, schlüpft er nicht einfach in eine Rolle, er wird vielmehr einer von ihnen.

Wenn der Weltenrichter nun sagt: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan!“ dann kann er, um glaubwürdig zu sein, selber auch nicht als Scharfrichter aburteilend auftreten: Daumen hoch, Daumen hinunter.

Und doch darf die Schärfe nicht übersehen werden, die auf die Aussage folgt: „Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.“ Für die heißt es: „Geht weg ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ Also doch Drohbotschaft?

Wenn von Gericht die Rede ist, denken wir schnell an: aburteilen, zurechtweisen und mehr oder weniger gerechte Strafen.

Leicht übersehen wir, dass in dem Wort „richten“ zurechtrichten, zurechtrücken, etwas einrichten, einrenken enthalten ist.

Ich glaube, dass die Weltgerichtserzählung zu allererst mit zurecht richten, zurecht rücken zu tun hat und nicht einfach sagen möchte: so wird es sein, wenn wir am jüngsten Tag vor Gott stehen. Sie will deutlich machen, worauf es in den Augen Gottes jetzt ankommt in unserem Leben.

„Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan worauf es ankommt, wenn er kommt.“ So heißt es in einem Lied, das die Herausforderung des Augenblicks ernst nimmt.

Entscheidend, so der Evangelientext, ist nicht was wir an liturgischen Leistungen vor Gott vorweisen können, was an christlichen Lehrsätzen wir im Kopf haben, was wir alles hätten tun sollen und können, sondern was wir konkret getan haben für die, die unter die Reder des Lebens kommen. Im Sinn von: „Es gibt nichts Gutes außer: man tut es.“, wie Erich Kästner einmal formulierte.

Das heißt folglich: Solidarität mit den Armen zeigt sich nicht im Kennen von Hilfsprogrammen, Kenntnis zur Armut in unserem Land und im Reden darüber – was alles durchaus Bedeutung hat – sondern zeigt sich vor allem in konkreter Hilfe und Begegnung.

Bei Jesus ging Reden und Handeln stets zusammen, bis zur letzten Konsequenz. In seinem letzten Lebensweg, der Passion, die bei Matthäus unmittelbar nach diesem heute gehörten Text anschließt, zeigt sich das noch einmal, Solidarität mit den Geschundenen und Geschlagenen bis zu Letzt. Das gibt auch uns Hoffnung auf Barmherzigkeit, wo wir doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit immer wieder zurückbleiben, wo wir doch das Gute tun wollen und doch nicht tun.

Ist damit alles wieder weggewischt und harmonisiert so nach dem Motto: Der gute Herrgott wird’s schon richten, denn wir kommen doch alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind?

Unser Leben jetzt sollte nicht in die Beliebigkeit schlüpfen, das möchte das heutige Evangelium deutlich machen. Dieses Verständnis zeigt sich auch daran, dass Weltgerichtsdarstellungen bei romanischen Kirchen gerne beim Eingangstor zu finden sind, gleichsam um zu sagen: Das Sakrament des Bruders und der Schwester wird vor der Kirchentür gespendet, Gottesdienst im Alltag der Welt.

Der Frage des Christkönigs müssen wir uns hier und heute stellen: Was tun wir unserem geringsten Bruder, unserer geringsten Schwester? In ihnen begegnen wir Christus. Gerade in Zeiten wie diesen eine neue Herausforderung, wo es gilt Distanz zu wahren, soziale Kontakte einzuschränken. In den Verlierern in dieser Pandemie, in den Arbeitslosgewordenen, in den Armutsbetroffenen, in den Verzweifelten und Mutlosen begegnen wir Christus.       Josef Sengschmid

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