Thursday 26. November 2020
Pfarre Ebensee

Hl. Cäcilia

Hl. Cäcilia image

Heuer verdrängt der Sonntag diesen Festtag der Patronin der Kirchenmusik. Um ihre Wirkgeschichte mehr ins Bewusstsein zu holen, hat Franz Kasberger (Kirchenchorleiter) einen Artikel zur Hl. Cäcilia verfasst.

 

„Gesegnete Cäcilia, erscheine in Visionen allen Musikern, erscheine und inspiriere sie; hohe Tochter, komme herab und überrasche komponierende Sterbliche mit unsterblichem Feuer.“

Refrainartig gliedern diese Verse das populärste Chorwerk von Benjamin Britten, seine „Hymne an die heilige Cäcilia“ (op. 27) nach einem Text des Lyrikers W. H. Auden. Britten fühlte sich der Schutzheiligen der Musik besonders eng verbunden, schon allein deshalb, weil er an ihrem Festtag, dem 22. November des Jahres 1913 geboren wurde.

Auch wenn in dieser chorischen Anrufung die hl. Cäcilia gebeten wird, die Musikerinnen und Musiker zu inspirieren – im heurigen Jahr ist es umsonst, die Pandemie verurteilt uns zum Nichtstun.

Und dennoch möchte ich mit diesen Zeilen der Schutzpatronin der Kirchenmusik, deren Historizität umstritten ist, nachgehen. Umstritten deshalb, weil sie weder von den großen Theologen ihrer Zeit erwähnt noch im Festkalender von 354 angeführt wird. In mehreren christlichen Konfessionen wird sie als Heilige, Jungfrau und Märtyrerin verehrt. Was wissen wir von der hl. Cäcilia, wer könnte sie gewesen sein?

Nach der kirchlichen Tradition lebte sie im 3. Jahrhundert in Rom, geboren um das Jahr 200 und einer adeligen Familie entstammend. Nachdem sie schon früh vom Christentum fasziniert war, taufte sie Papst Urban I. Diese Angabe stützt sich auf die „Passio Sanctae Caeciliae“ („Leidensgeschichte der hl. Cäcilia“). Ob die Verbindung zu Papst Urban wirklich bestanden hat, das wird in Forscherkreisen ganz stark bezweifelt.

Ausgehend von den für Märtyrer Roms typischerweise spät verfassten, meist legendarischen Märtyrerakten wurden immer wieder Versuche unternommen, den Zeitpunkt des Martyriums der hl. Cäcilia zu bestimmen. Sofern es die hl. Cäcilia wirklich gegeben hat, dürfte ihr Martyrium rund um das Jahr 230 gewesen sein.

Der Legende nach wollte Cäcilia ihr ganzes Leben Jesus Christus weihen. Ihre Eltern verheirateten sie jedoch mit einem jungen Mann namens Valerianus. In der Hochzeitsnacht erklärte Cäcilia ihrem Ehemann, dass ein Engel über ihre Jungfräulichkeit wache. Auf seine Bitte hin, ihm den Engel zu zeigen, verwies Cäcilia darauf, dass er zuerst von einem heiligen Mann mit Namen Urban getauft werden müsse. Nach diesem sakramentalen Geschehen konnte dann auch er den Engel sehen. Beide kamen überein, ihre Ehe in Keuschheit (Josefsehe) zu führen. Da Valerianus und sein Bruder einige Zeit später ein Opfer für Jupiter verweigerten, weil sie mit dieser Götzenanbetung nichts mehr anzufangen wussten, wurden beide hingerichtet. Noch mehr waren dem römischen Präfekten Turcius Almachius die Aktivitäten der Cäcilia ein Dorn im Auge. Deshalb stellte er sie unter Hausarrest und schickte seine Soldaten, um ihren Besitz schätzen zu lassen. Aber den hatte sie bereits großteils an die Armen verteilt. Diese Soldaten bekehrte Cäcilia und sie wurden mit vielen anderen im Rahmen einer Massentaufe im Hause Cäcilias von Papst Urban getauft. Nun wurde Cäcilia selbst vor den Präfekten geführt. Sie stellte seine Macht infrage und machte sich über den heidnischen Glauben lustig. Schlussendlich verurteilte sie der empörte Präfekt zum Tod durch Ersticken in den heißen Dämpfen ihres Bades. Als ihr die Dämpfe einen ganzen Tag und eine ganze Nacht nichts anhaben konnten, wollte sie der Henker enthaupten. Drei Versuche schlugen fehl, dann wurde die Hinrichtung abgebrochen. Am Hals schwer verwundet lebte Cäcilia noch drei Tage lang und verteilte ihre noch verbliebenen Reichtümer an die Hilfsbedürftigen. Auf dem Sterbebett überzeugte sie Papst Urban, ihr Wohnhaus als Kirche zu weihen.

Soweit die Legende.

An der Stelle im römischen Stadtviertel Trastevere, an der angeblich ihr Haus gestanden sein soll, steht heute eine ihr geweihte Kirche.

Künstlerische Darstellungen der hl. Cäcilia gehen bis ins 6. Jahrhundert zurück und ab dem 8. Jahrhundert wird nach dem römischen Kalender ihr Gedenktag am 22. November begangen. Zur Ehre einer Patronin der Kirchenmusik kam die hl. Cäcilia durch einen Übersetzungsfehler in ihrer obgenannten „Passio“. Sie soll bei ihrer Hochzeit selbst Orgel gespielt haben. In einer Antiphon heißt es: „Cantantibus organis Caecilia virgo decantabat“. Die richtige Übersetzung dafür lautet: „unter dem Klang der Instrumente sang die Jungfrau Cäcilia….“ „Organis“ wurde jedoch falsch übersetzt: „die Orgel spielend sang die Jungfrau Cäcilia….“. Bernadette Spitzer bezeichnet die hl. Cäcilia deshalb nicht umsonst in ihrem gerade erschienenen und sehr lesenswerten Buch „Von Bischofsstab bis Besenstiel“ als „irrtümliche Patronin“. Infolge der spätmittelalterlichen Heiligenverehrung kam sie im 15. Jahrhundert zu ihrer himmlischen Rolle als Schutzheilige der Musik im Allgemeinen und der Kirchenmusik im Besonderen. Seit dieser Zeit wird sie in den Darstellungen auch mit den passenden Attributen versehen, so mit verschiedenen Instrumenten wie Zither, Cello oder Geige bzw. einem Orgel-Portativ. Dazu kommen nicht selten das Schwert als Zeichen für ihr Martyrium und eine Rose als Symbol ihrer Jungfräulichkeit.

Dass eine Reformbewegung zur Erneuerung der Kirchenmusik nach ihr benannt wurde (Cäcilianismus), hat ihre Wurzeln in der Romantik und dem damals aufbrechenden Interesse an alter Musik.

Nicht nur Benjamin Britten hat zur Feier ihres Gedächtnistages etwas komponiert, das taten verschiedene Komponisten bereits lange vor ihm. Marc Antoine Charpentier widmete ihr ein Oratorium, Georg Friedrich Händel die berühmte Cäcilienode. In einer heute als lächerlich oder absurd empfundenen Szene tritt in Händels Oratorium „Das Alexanderfest“ um den heidnischen Kriegshelden Alexander den Großen gegen Ende plötzlich die hl. Cäcilia auf, um zu himmlischem Jubel aufzufordern. Symbolhaft werden damit heidnische und christliche Musik unter der Schirmherrschaft der Schutzheiligen der Kirchenmusik versöhnt.

Wie heißt es nochmals im Hymnus von Benjamin Britten? Gesegnete Cäcilia, erscheine in Visionen allen Musikern, erscheine und inspiriere sie ……….. Wir hoffen darauf und beten darum, dass wir als Kirchenchor und Kirchenorchester im kommenden Jahr 2021 wieder aktiv sein dürfen, um mit Gesang und Instrumentalmusik die verschiedenen liturgischen Feiern inspirieren zu können.

Franz Kasberger, Chorleiter

Quellen:

Spitzer, Bernadette: Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr Wien 2020

Kaspar, Peter Paul: Ein großer Gesang Graz 2002

Das neue Lexikon der Musik in vier Bänden, Stuttgart 1996

Wikipedia Cäcilia von Rom

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