Thursday 4. June 2020
Pfarre Ebensee

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen

 

Predigt zum 5.Sonntag der Osterzeit A (Apg 6,1-7 / 1Petrus 2,4-9 / Joh 14,1-12)

 

„Dahoam is dahoam, waunst net fuat muaßt so bleib“, so heißt es in der letzten Strophe unserer Landeshymne und derzeit klingt das wie ein Aufruf der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

In der Zeit der Ausgangsbeschränkung war unser „Dahoam“ möglicherweise ein Ort, an dem man im besten Sinn des Wortes daheim sein konnte, wo Geborgenheit, Nähe und Normalität erlebbar war.

In diesem „Dahoam“ kann einem aber auch mit zunehmendem Druck die Decke auf den Kopf fallen, kann die Enge zur Belastung werden und man wünscht sich nichts sehnlicher als mehr Freiheit, eben weg von "Dahoam".

 

Wo haben wir nun unser Zuhause? Das war auch die Frage der Jünger Jesu im heutigen Evangelium und der Evangelist Johannes zeigt uns in den Abschiedsreden Jesu eine mögliche Antwort.

Jesus macht deutlich: Unser Daheim liegt nicht einfach hinter uns. Unser Daheim liegt vor uns, es ist der Weg auf Gott hin und Jesus zeigt uns mit seinem Leben diesen Weg. Um auf die Fülle des Lebens bei Gott hinzuführen, dazu ist er in die Welt gekommen. Jesu Weg führt zu einem erfüllten Daheim, heraus aus Verkrampfungen, Enge und Engstirnigkeit. So sehr wir es uns auch anders wünschen, dieses Daheim bleibt hier auf Erden bruchstückhaft.

Ist damit das Bild Jesu von den Wohnungen allein Vertröstung aufs Jenseits?

In der Abschiedsrede Jesu folgt etwas später interessanterweise genau die Umdrehung dieses Bildes. Nicht uns wird eine Wohnung bereitet bei Gott, sondern wir selbst sind die Wohnung für Gott (Joh 14,23) Unser Glaube ist also davon bestimmt, dass Gott sich in Jesus Christus erdet. Damit geht es Jesus immer auch ums Hier und Jetzt.

Wo wir Jesus zu verstehen suchen, wo wir uns an sein Wort halten, sein Wort im Alltag umsetzen, dort nimmt Gott Wohnung in uns, dort erdet er sich auch heute.

Die Lesung aus dem 1. Petrusbrief geht in die gleiche Richtung.

Dort heißt es zur Rolle der Christen in Bezug auf Christus, dem Eckstein: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer geistigen Priesterschaft, um durch Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“

Wie können Steine lebendig sein? Das klingt wie ein Widerspruch und doch zeigt das Bild: wir sollen einerseits Schutz vor Zerstörung sein, wir sollen teilhaben an der Sicherheit und Festigkeit Gottes und andererseits sollen wir immer auch an Gottes Lebendigkeit erinnern, die nicht bestimmt ist von starren Regeln, sondern von einfühlsamer Liebe, von wertschätzender Zuwendung.

So kann ein „geistige Haus“ eine „geistige Priesterschaft daraus werden, um durch Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Was heißt nun ein geistiges Opfer darbringen? Hier geht es sicher nicht darum, Gott mit Opfer gnädig zu stimmen, eine Vorstellung, die in die religionsgeschichtliche Mottenkiste gehört.

Geistiges Opfer meint hier vielmehr, sich ganz einzubringen in der Nachfolge Jesu.

Dazu ist jede und jeder gerufen, denn jede und jeder ist berufen zu einer geistigen Priesterschaft. So gesehen gibt es bereits Priesterinnen.

Denn diese geistige Priesterschaft hängt nicht an irgendeinem Geschlecht. Daraus schlussfolgernd frage ich mich, warum das in Bezug auf das kirchliche Amt bislang unberücksichtigt geblieben ist.

Diese geistige Priesterschaft aller, die Rede vom geistigen Haus der Menschen in denen Gott wohnt, ist ein ungeheurer Zuspruch und verbietet jeglichen klerikalen Standesdünkel.

An den Menschen vorbei, ist Kirche nicht denkbar. Mit der Achtung der Menschenwürde, erweisen wir auch Gott die ihm entsprechende Würde. Und umgekehrt: Wo wir die Menschenwürde missachten, zeigen wir auch Gott Missachtung.

Richtschnur und Eckstein für menschenwürdiges Handeln ist uns Jesus Christus. Sein Beispiel lebt fort im Heiligen Geist, Gottes Geschenk an uns. Mit ihm und in ihm haben wir vielgestaltige Wohnungen, ein Dahoam, ein zu Hause, das leben lässt.

Aufgabe von Kirche und von uns als Teil von ihr ist, diese Vielgestalt zu fördern und nicht einzuschränken. Das bringt auch Konflikte.

In der erste Lesung aus der Apostelgeschichte wird so einer angesprochen. Er zeigt, dass nicht das Vorbeischwindeln an der Realität, sondern die Notwendigkeit zu reagieren zu einer Lösung führte.

Ich frage mich folgernd: Warum sollte es nicht auch heute möglich sein, auf Grund neuer gesellschaftlicher und kirchlicher Herausforderungen Ämter in der Kirche entsprechend umzugestalten? Was hindert geschichtlich bedingte Vorrangstellungen z.B. des Geschlechts zu streichen?

Die Relevanz und Glaubwürdigkeit von Kirche sind heute, gerade in der derzeitigen Krisen-Situation, besonders auf dem Prüfstand. Gelingt es, bei den Fragen und Anliegen, bei den Freuden und auch den Sorgen der Menschen zu sein?

Kirche hat dann Relevanz, wenn sie für und mit den Menschen da ist in der bunten Vielgestalt von Wohnungen verbunden unter dem schützenden Dach Gottes.

Jede Generation soll sich in ihr Zuhause fühlen können, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen, Menschen aller Milieus mit ihren je eigenen Charismen.

„Was kann ich schon einbringen, ich habe doch keine besonderen Begabungen“. Dieses Argument ist schnell zur Hand.

Ich halte dem entgegen: „Kirche, im speziellen Pfarrgemeinde, lebt nicht so sehr von wenigen „außergewöhnlichen“, sondern vielmehr von den vielen „gewöhnlichen“ Begabungen. Darunter verstehe ich z.B. gut zuhören können, ermutigen, trösten, Humor, Gelassenheit und Geduld zu haben. All das, was jetzt besonders gefragt ist.

Der Eckstein dieses lebendigen Gebäudes Kirche ist uns mit Jesus Christus geschenkt. An ihm finden wir Ausrichtung und Orientierung. Mit ihm und uns baut Gott ein Haus, das lebt. In diesem können wir hoffentlich ehrlich sagen: Dahoam is dahoam.

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