Wednesday 4. August 2021
Pfarre Bad Schallerbach

Unkraut oder Heilpflanze, nützlich oder schädlich?

In den letzten Monaten wurde die Frage nach unserem Umgang mit der Erde und ihren Ressourcen durch das Engagement von vielen jungen Menschen erneut ins Bewusstsein gerufen.

Dass unsere Wegwerfgewohnheit bei Lebensmitteln und Gegenständen des Alltags auf Dauer nicht gut gehen kann, ist uns bewusst und wird doch oft verdrängt. Die Frage, was ein Unkraut oder eine Heilpflanze ist, ist bis zu einem gewissen Grad auch eine willkürliche Entscheidung. Brennesseln im Garten freuen die Wenigsten und doch bieten ihre Blätter bestimmten Schmetterlingsarten einen Ort zum Heranwachsen oder können zu Salat oder als Pflegemittel verwendet werden.
Auch sind viele Tiere, die wir immer wieder als lästig oder überflüssig erachten, im größeren
Zusammenhang sehr nützlich. Es ist schon sehr dramatisch, wenn Jahr für Jahr viele Arten verschwinden. Umgekehrt erleben wir auch immer wieder, dass es weitreichende Folgen hat, wenn manche Tiere in Lebensräume eingeschleppt werden, in denen sie sich dann ohne natürliche Feinde in einer Geschwindigkeit vermehren, die massive Schäden verursachen kann.
Ich erlebe bei mir die Spannung, was tun mit dem Gras und den Pflanzen rund um die Kirche? Für das händische Jäten müssten schon einige Leute etliche Stunden ein paarmal im Jahr arbeiten. Oder doch mit einem Pflanzenschutzmittel arbeiten, damit aus dem Pflaster keine Wiese wird? Für das Bundesland Salzburg gab es 2013 die Einschätzung, dass der Verbrauch von Unkrautvernichtungsmitteln auch in Privatgärten sehr hoch ist. Manche sprechen davon, dass er sogar höher ist als in der konventionellen Landwirtschaft.
Auch wenn manche es leugnen, hat das erhöhte Auftreten von massiven Hitzeperioden, Trockenheit und Überschwemmungen und die große Zunahme an Stürmen mit dem massiven Eingriff der Menschen zu tun (Rodung von Urwald in großem Stil, Verbauung von landwirtschaftlichen Flächen, kaum Erfolge bei der Reduktion von Abgasen unterschiedlichster
Art). Belegbar ist, dass Meere sich erwärmen und Gletscher schmelzen. Das sind Zeichen
dafür, dass eine weltweite Klimaveränderung vor sich geht. Wenn an allen Teilen der Erde Microplastik gefunden wird, darf uns das nicht egal sein. Manche Strände können fast nicht mehr
von angeschwemmtem Plastikmüll gereinigt werden, weil die Menge so groß ist. Kümmert uns, welche Mengen an Erdöl aus untergangenen Tankern oder versunkenen Bohrinseln ins Meer geflossen sind und teilweise nach wie vor fließen?
Es liegt an jedem einzelnen von uns, sich die eine oder andere Frage zu stellen: Muss der Flug übers Wochenende, nur weil er so günstig ist, wirklich sein? Wie oft benütze ich das Auto und welche Form des Antriebes wähle ich?

Sind wir wirklich so naiv zu meinen, dass Länder wie Indien uns den Elektroschrott und anderen Müll auch in Zukunft abnehmen werden, um diesen durch billige Arbeitskräfte unter entsetzlichen Bedingungen aufzuarbeiten? Dürfen wir wirklich meinen, dass wir ein
Anrecht auf Erdöl, wertvolle Erden und Diamanten aus allen Ländern der Erde haben, aber die Menschen vor Ort sich damit abfinden müssen, nichts davon zu haben? Sind wir bereit, für Handy, Computer, Tablett, etc. etwas mehr zu zahlen, damit die am Entstehungsprozess des Gerätes Beteiligten auch den entsprechenden Lohn bekommen?
Wollen wir an uns heranlassen, dass die Reifenindustrie jährlich Milliardengewinne macht, während die ArbeiterInnen auf den Kautschukplantagen unter erbärmlichen Bedingungen leben, geringe Einkommen haben und hoch körperschädigende Gifte (in Europa längst verboten) einsetzen, damit die Reifenindustrie ihr notwendiges Grundmaterial bekommt?
Brauchen wir tatsächlich zu jeder Jahreszeit Lebensmittel aus allen Teilen der Erde? Für viele Menschen heißt die Devise beim Essen: „Hauptsache billig!“ Sie jammern, wenn der Milchpreis im Geschäft auch nur um ein paar Cent steigt, beschweren sich aber zugleich über „Milch- und Fleischfabriken“ in der Landwirtschaft. Es stellt sich die Hauptfrage: Bin ich mir bewusst, wie
ich lebe? Der in vielen Kreisen hochgeschätzte Papst Franziskus betont immer wieder, dass wir nur dieses eine gemeinsame Haus haben. Wollen wir wirklich zulassen, dass dieses Haus durch rücksichtsloses Wirtschaften und die Gier vieler Menschen zu einer Müllhalde verkommt, anstatt ein wunderschöner, an Arten reicher und lebenswerter Ort zu sein, weil wir der irrigen Meinung
sind, dass wir ja doch nichts dagegen tun können?


Pfarrer Hans Wimmer


Quellen: OÖ Landesgartenschau 2019, Aigen-Schlägl
ARD, Report, Schmutzige Reifen, Mo. 19. August 2019, Beginn: 21.45 Uhr
NDR, Unser Schnitzel, Mo. 19. August 2019, Beginn: 22.45 Uhr
salzburg.orf.at, 18.11.2013

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