Tuesday 4. August 2020

18. Sonntag im Jahreskreis 2. 8. 2020

 

2. Lesung: Röm 8,35.37-39

Schwestern und Brüder!

35 Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?

Bedrängnis oder Not oder Verfolgung,

Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? (…)


Menschen sind „gegen uns“ (V. 31), Auserwählte Gottes werden „angeklagt“ (V. 33), ja „verurteilt“ (V. 34).

Das alles gehört zur Lebenserfahrung des Paulus auf seinen Missionsreisen – ebenso wie die siebenfache Reihe von Bedrängnis, Not, Verfolgung, Hunger, Kälte, Gefahr und Schwert (V. 35). Die Stichworte und Beschreibungen passen sinngemäß und z. T. auch wörtlich zur Schilderung seiner Lebensumstände in der sogenannten „Narrenrede“ (2 Kor 11,16-33) und dem anschließenden Abschnitt 2 Kor 12,1-10. Diese Art von Bedrängnissen ist für Paulus also gewissermaßen Teil seiner Identität. Mit dem (in der Lesung ausgelassenen) Zitat aus Ps 44,23 in V. 36 betont er zudem, dass er derartige Erfahrungen für schriftgemäß hält, dass sie für ihn also im Einklang mit dem Willen und Wirken Gottes stehen. Deshalb nimmt er sie auf sich.

Entscheidend ist für Paulus, dass alle aufgezählten Bedrohungen „uns“ letztlich nicht existentiell gefährden können in dem Sinne, dass die Beziehung zu Gott und sein Heil unterbrochen werden oder verloren gehen könnten. Paulus geht sogar noch weiter: Er steigert seine persönlichen Lebenserfahrungen in den Versen 38 und 39 zu grundlegenden Begriffen menschlicher Existenz (Tod und Leben), ja himmlischer Wesen (Engel, Mächte, Gewalten) und schlechterdings allem, was in Schöpfung und Kosmos überhaupt begegnen kann (Höhe, Tiefe, Kreaturen). Nichts von all dem, so Paulus, kann trennen. Die Liebe Gottes ist stärker, verbindender als alles Gefährdende, Trennende.

 

Evangelium: Mt 14,13-21

In jener Zeit,

13 als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war,

zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück.

Aber die Volksscharen hörten davon

und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach.

14 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen

und hatte Mitleid mit ihnen

und heilte ihre Kranken. (….)

 

Das Lektionar schlägt in der Einleitung die Brücke zur Enthauptung Johannes des Täufers, die unmittelbar im Evangelium zuvor erzählt wird, aber, so lese ich die Botschaft, soll JESUS sich jetzt abschrecken lassen? Er geht zuerst nachdenkend in die Stille; aber die Umstände zwingen ihn geradezu, die Botschaft weiterzutragen. Es kommt zu einer besonders schönen Offenbarung der Botschaft und seiner Person: In der Nähe des gefährlichen Elementes Wasser, in der Nähe der allegorisch zu verstehenden „Ströme“ und „Fluten“, entwickelt JESUS eine neue Kraft des Mitleids und der Krankenheilung. Die „Krankheiten“ und die „Flüchtlingsströme“ verwandelt Jesus zu einer neuen Gemeinschaft. Die 5000 Leute beginnen sich in Gruppen niederzusetzen allein das schon!, und die leeren Hände werden zu gebenden Händen. Das „Wunder der Brotvermehrung“ wird zu einem Wunder der Solidarität. Die Hilfe wird nicht delegiert an Wohlfahrtsorganisationen, sondern wird Grundprinzip einer neuen Gesellschaft, die Jesus „Reich Gottes“ nennt.

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