Samstag 22. September 2018

18. So i. J. 5. 8. 2018

 

1. Lesung: Ex 16,2-4.12-15

In jenen Tagen 2 murrte die ganze Gemeinde der Israeliten in der Wüste gegen Mose und Aaron (…)

2. Lesung: Eph 4,17.20-24 Schwestern und Brüder! 17 Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn: Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken! (…)

Evangelium: Joh 6,24-35 24 In jener Zeit, als die Leute sahen, dass weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus. (…)

Nach der Speisung der Fünftausend, „am anderen Ufer“ des Sees von Tiberias, folgte der Wandel JESU auf dem Wasser und die Angst der JüngerInnen, und jetzt finden sich wieder alle ein in Kafárnaum. Kafárnaum liegt sehr idyllisch am See, hat noch die (verfallene) Synagoge aus der Zeit JESU - und die Grundmauern des Wohnhauses des Petrus werden gezeigt. „Die Stadt Jesu“ kommt heute zu besonderen Ehren! Man fühlt sich 2000 Jahre zurückversetzt und sieht praktisch die Menschen der damaligen Zeit auf und ab gehen, arbeiten, kochen, leben. Das Joh-Evangelium, obwohl als jüngstes Evangelium entstanden, bewahrt aus einer uns unbekannten Quelle bedeutende historische Erinnerungen (besonders auch in der Leidensgeschichte.) Das Evangelium sucht lokale und historische Anknüpfungspunkte, geht aber schnell zu über-lokalen und trans-historischen Aussagen über, sodass überall und jederzeit (die Gegenwart ist dem Joh-Evangelium sehr wichtig!) „Kafarnaum“ gefunden und die Rede gehört werden kann.

 

a) JESUS erfüllt die alttestamentlichen Geschichten vom Manna in der Wüste und die prophetischen Zeichenhandlungen. Er vermag offensichtlich hinzuweisen auf den eigentlichen Spender aller Gaben und auf die Fürsorge Gottes. Deshalb möchten die Menschen ihn zum messianischen König machen (Siehe Schluss letzten Sonntag). Da entzieht er sich diesem Begehren und diesen menschlichen Bedürfnissen und geht auf einen Berg, „er allein“.

b) Es ist allein schon ein großes Wunder, Menschen überhaupt eines Sinnes und Geistes zu versammeln. „Glaubt an dieses Österreich“, soll L. Figl in seiner Weihnachtsansprache 1945 gesagt haben. Es ist nicht egal, welcher Geist herrscht, ob die Menschen füreinander offen werden, damit Gottes Fürsorge auch walten kann, oder ob sie sich gegenseitig bespitzeln, denunzieren (Siehe NS-Zeit, siehe SED-Zeit in der DDR) usw.

c) Die sog. „Brotrede von Kafarnaum“ wird zu einer Glaubenskatechese. Es gibt ein falsches und richtiges Suchen JESU. Das Missverständnis wird zuerst von JESUS aufgedeckt – steigert sich aber an den anderen Sonntagen, wenn immer deutlicher wird: JESUS ist der Gesandte des Vaters zwecks Rettung der Welt – und schließlich an den letzten Sonntagen dieser Brotrede, JESUS ist das eucharistische Brot.

Heute geht es noch um den Offenbarer Gottes und den Vermittler des Lebens (noch nicht um das eucharistische Brot) – und deshalb wird zurückgeblendet auf bereits bekannte Ereignisse, aber mit neuer Interpretation: Streng genommen hat ja zur Zeit der Wüstenwanderung nicht Mose dieses „Brot aus dem Himmel“ gegeben, sondern „mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.“ (V 32). Kontinuität und Weiterführung ist angesagt.

d) Aus der „Speisung der Fünftausend“ - zweifellos ein sehr mehrschichtiges Wunder – ist ein Kommentar geworden, ein Wechselgespräch, das bereits in eine andere Welt verweist, in die geistliche Welt des Glaubens. Das „Brot aus dem Himmel“, das allein der „Welt das Leben gibt“, eine ungewöhnliche Vorstellung, die das Bild eigentlich sprengt. JESUS selbst ist gemeint, der aus dem Himmel gesandte Offenbarer Gottes und der Vermittler des Lebens.
Die Leute reagieren wie die Samariterin im Kap 4 – jetzt sofort, „...gib uns immer dieses Brot!“

JESUS antwortet darauf mit dem feierlichen „Ich-bin-Wort“. Das erste von sieben. Wahrhaft ein einzigartiger, unvergleichlicher Anspruch im Munde eines Menschen.

e) Mir fällt jetzt die Aufführung der „Salome“ vom letzten Freitag in Salzburg ein: wenig Bilder, aber sehr ausdrucksstark, Menschen im Schatten der Angst, getrieben von Wunsch und Begierde („Salome“), aufgeschauckelter Abneigung (Herodes und Herodias) – und als Kontrast dazu, die (dunkle) die Welt des Johannes des Täufers, der sich in diesen psychischen und politischen und moralischen Trubel nicht hineinziehen lässt. Der Regisseur Romeo Castellucci dazu. „Ich denke, einer der wichtigsten Gründe, warum Menschen ins Theater gehen, ist die Konfrontation mit dem Unbekannten in einer Welt mit bekannten Strukturen. „Salome“ ist ein perfektes Stück dafür.

Denn das Rätsel des Verhaltens der Menschen ist ein zentraler Punkt in diesem Stück. Meine Arbeit besteht darin, die Ungewöhnlichkeit und Seltsamkeit dieser Personen zu schützen. Die Arbeit des Regisseurs liegt also nicht immer im Erklären oder Erleuchten der Dinge. Ich arbeite mit dem

Schatten, versuche, ihn zu beschützen, und gestalte Umgebungen, in denen die Informationen bewusst fehlen. Das ist eine Form von Reichtum und Einbeziehung des Zusehers.“

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