Tuesday 24. November 2020

Das Engagement der Diözese Linz für Mission und Entwicklungszusammenarbeit

V. l.: Bischof Manfred Scheuer, Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl (Marienschwestern), Christine Parzer (MIVA); Matthäus Fellinger (Welthaus), Heribert Ableidinger (Welthaus)

Aus Anlass des Weltmissionssonntags am 18. Oktober 2020 informierten Bischof Manfred Scheuer und „Welthaus“, die entwicklungspolitische Fachstelle der Diözese Linz, bei einer Pressekonferenz über kirchliches Engagement im Bereich Missions- und Entwicklungszusammenarbeit.

"Selig, die Frieden stiften" (Mt 5,9): Unter diesem Leitmotiv steht der diesjährige Weltmissionssonntag, der am 18. Oktober in der katholischen Kirche begangen und gefeiert wird. Bischof Manfred Scheuer erläuterte anlässlich des Weltmissionssonntags am Freitag, 16. Oktober 2020 bei einer Pressekonferenz im OÖ. Presseclub in Linz die Hintergründe für das missionarische und entwicklungspolitische Engagement der Diözese Linz.  

 

Begleitet wurde der Bischof dabei von Matthäus Fellinger, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden von Welthaus Linz, der entwicklungspolitischen Fachstelle der Diözese sowie von Christine Parzer, Geschäftsführerin der MIVA und Generaloberin Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl vom Orden der Marienschwestern vom Karmel. Bischof Manfred machte dabei einmal mehr deutlich: "Am Weltmissionssonntag geht es nicht nur um die materielle Hilfe von ärmeren Regionen der Welt durch die wohlhabenden Diözesen. Es geht ebenso um Begegnung und um einen spirituellen Austausch unter Christinnen und Christen sowie um ein Bewusstwerden einer gemeinsamen Verantwortung für die Welt, wie dies gerade Papst Franziskus immer wieder betont."

 

„Gegenseitiges Geben und Nehmen“

 

Bischof Manfred Scheuer betonte, die weltkirchliche Verbundenheit der Diözese Linz zeige sich im Engagement vieler Ordensgemeinschaften, Organisationen und Pfarren, in Einzelprojekten und Großprojekten wie etwa der Dreikönigsaktion – „das ist ein lebendiges Stück Kirche“, so Scheuer. Die MissionarInnen und PartnerInnen vor Ort seien immer „Verkünder der frohen Botschaft, aber auch Helfer in der Not, wenn Hunger, Krankheit, Ungerechtigkeit und andere Sorgen die Menschen belasten“. Wichtig sei, ins Bewusstsein zu rufen, dass es eine gemeinsame Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung gebe. Scheuer wörtlich: „Bei Mission und Entwicklungszusammenarbeit geht es um das Teilen der materiellen Güter, aber auch um den spirituellen Austausch, um ein Geben und Empfangen zwischen uns und anderen, um persönliche Begegnungen, auch um ein Teilen des Glaubens, von Begabungen, von Zeit – im Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung für die ganze Welt, wie sie Papst Franziskus immer wieder betont hat.“

Der Diözesanbischof dankte allen, die sich im Bereich von Mission und Entwicklungszusammenarbeit engagieren. In seinen Dank schloss er auch all jene ein, „die uns in den letzten 50, 60 Jahren von anderen Kontinenten zu Hilfe gekommen sind – das ist ja keine Einbahnstraße“, so Scheuer. Er wies darauf hin, dass die Gesamtkirche ihre europäische Prägung des Christentums überwunden habe und mehr und mehr eine universale Gestalt annehme. Eine große Bereicherung, wie Scheuer betonte: „Wir können von den jungen Kirchen personell, kulturell und spirituell viel lernen.“ Es könne aber auch wehtun, „wenn wir hier bei uns bzw. in Europa nicht mehr das Maß aller Dinge sind und wenn der Glaube anderswo lebendiger und unverbraucht ist. Zwei Drittel der ChristInnen lebten heute in Ländern der Dritten Welt.“

 

Weltkirche ereigne sich nicht dort, „wo von Europa aus andere Ortskirchen mit Strategien und Macht unterworfen oder beherrscht werden“, und sie entstehe auch nicht durch Globalisierung. Entscheidend sei für ihn, so Scheuer, „dass wir gemeinsam Gott neu lernen, ihn neu buchstabieren in unterschiedlichen existentiellen und materiellen Kontexten, dass wir im Namen Gottes Freiheit und Gerechtigkeit für alle suchen und dabei auch eine Kultur der Anerkennung der anderen in ihrem Anderssein entfalten“. Würden jene Priester, die aus Afrika oder Lateinamerika nach Oberösterreich kommen, um in der Seelsorge zu unterstützen, sich einfach assimilieren, wäre das „fatal und nicht gerade Ausdruck einer Lerngemeinschaft unsererseits“, betonte Scheuer.

 

Der Diözesanbischof dankte allen SpenderInnen für ihre Unterstützung und den Medien für ihre Berichterstattung im Zusammenhang mit Spendenaufrufen – „damit sind Sie immer unsere Kooperationspartner“, so der Bischof.

 

Bischof Manfred Scheuer

Diözesanbischof Manfred Scheuer: "Mission ist keine Einbahnstraße." © Diözese Linz / Eckerstorfer

 

Beeindruckende Spendenbereitschaft

 

Beeindruckend ist die ungebrochen hohe Spendenbereitschaft der oberösterreichischen Bevölkerung für von der katholischen Kirche getragene Projekte im Globalen Süden, auch in oder gerade wegen der schwierigen Situation in Zeiten von COVID-19. So konnten die kirchlichen Organisationen im Jahr 2019 Spendeneinnahmen in der Höhe von € 9.515.337,- verbuchen, nicht eingerechnet der Leistungen der missionierenden Orden, die österreichweit tätig sind.

 

Der ehrenamtliche Vorsitzende von Welthaus der Diözese Linz, Matthäus Fellinger, verwies auf die zahlreichen Projekte der elf Mitgliedsorganisationen, die mit diesen Spendenmitteln im Globalen Süden zu einer deutlichen Verbeserung der dortigen Lebenssituation beitragen und im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele für ein "Gutes Leben für alle" beitragen. Konkret geht es in diesen Projekten um Bildung, Nahrungssicherung, sauberes Trinkwasser, medizinische Versorgung und gute Arbeit. 

 

Fellinger stellte die kirchlichen Organisationen vor, die sich unter dem Dach von Welthaus für weltkirchliche Anliegen engagieren: die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, die Organisation „Sei So Frei“ der Katholischen Männerbewegung, die Caritas-Auslandshilfe, die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung, die MIVA – Missions-Verkehrs-Arbeitsgemeinschaft, die Aktion Teilen der Katholischen Jugend, der Solidaritätsfonds der Katholischen ArbeitnehmerInnen-Bewegung, die Missionsstelle der Diözese Linz und Missio Linz.

 

Welthaus habe die Aufgabe, den Gedanken der „einen Welt“ in der Bevölkerung bewusst zu machen. Welthaus betreibe eigenständige Bildungsarbeit und fördere im Auftrag der Diözese Linz Projekte in den sogenannten Entwicklungsländern, so Fellinger.

 

Besonders wies der Welthaus-Vorsitzende auf die Unterstützung durch die Pfarren hin: durch insgesamt 130 Fachausschüsse, Kreise und Runden, die sich für Mission und Entwicklungszusammenarbeit engagieren.

 

Der ehrenamtliche Vorsitzende von Welthaus, Matthäus Fellinger

Welthaus-Vorsitzender Matthäus Fellinger: "Den Gedanken der 'einen Welt' bewusstmachen".  © Diözese Linz / Eckerstorfer

 

Mission: Zeichen der Liebe, die ankommen

 

Die Generaloberin der Marienschwestern vom Karmel, Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, gab einen Einblick in das Wirken missionarisch tätiger Orden. Pfeiffer-Vogl nahm zunächst Bezug auf den Begriff der Mission, der heute auch in Unternehmensleitbildern zu finden sei. Er beinhalte Begeisterung für eine Aufgabe, Hingabe und Liebe. „Mit ‚Mission‘ möchten wir als OrdenschristInnen unsere Liebe und Hingabe zu den Menschen im eigenen Land und darüber hinaus zum Ausdruck bringen.“ Pfeiffer-Vogl berichtete anschaulich von ihren Mitschwestern in Uganda, die mit den Menschen dort leben und arbeiten. Deren persönliche Berichte über mangelndes Trinkwasser, Stromausfälle, unbefahrbare Straßen und die große Armut seien für sie selbst immer wieder berührend – „es ist ganz anders, als wenn ich davon in der Zeitung lese“, so die Generaloberin. Im Frühjahr, zu Beginn der Corona-Pandemie, seien ihre Mitschwestern in Uganda von der Botschaft angerufen und gefragt worden, ob sie ausreisen wollten. „Alle waren sich einig, dass sie bei den Menschen in Uganda bleiben.“ Mit den Menschen im Glauben unterwegs zu sein, sei ein Leitsatz der Marienschwestern und gelte für die Menschen in Oberösterreich genauso wie für die Menschen in Uganda. Corona habe die Lebensbedingungen der Menschen in Uganda nochmals verschlechtert, berichtete Pfeiffer-Vogl: „Die Lehrer, die in Privatschulen unterrichten, bekommen seit März kein Gehalt mehr. Viele Männer, die keine Arbeit haben und ihre Familie nicht versorgen können, verlassen ihre eigene Familie und gehen in ihre Ursprungsfamilien zurück. Auch die medizinische Versorgung ist katastrophal: Menschen, die in den staatlichen Krankenhäusern die notwendigen Medikamente nicht bezahlen können, werden einfach nach Hause geschickt – auch wenn sie hohes Fieber haben. Dinge, die für uns nicht vorstellbar sind.“ Die Marienschwestern unterstützen, wo sie können, mit dem Allernotwendigsten – durch Spenden, die sie für Uganda erhalten. „Ich bin all unseren SpenderInnen sehr dankbar für dieses Zeichen der Liebe, das in Uganda ankommt“, so Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl.

 

Unterstützt würden die oberösterreichischen MissionarInnen – derzeit sind es 49 – auch durch das Gebet all jener, die ihr Anliegen mittragen und innerlich unterstützen, zeigte sich Pfeiffer-Vogl überzeugt.

 

Die Generaloberin der Marienschwestern Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl

Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl: "Mission ist Liebe und Hingabe zu den Menschen."  © Diözese Linz / Eckerstorfer

 

Auswirkungen der COVID-19 Krise

 

Wie wichtig Liebe, Solidarität, Gemeinschaft sind, hat sich gerade in der weltweiten COVID-19 Krise gezeigt. Christine Parzer, Geschäftsführerin der MIVA und  Mitglied der Welthaus-Leitung, merkte die konkreten Auswirkungen von COVID-19 an: "Einerseits trafen die Quarantänemaßnahmen die Länder des Südens massiv. In Südamerika, Indien, Süd- und Westafrika gibt es viele Staaten, die enorm vom Virus und den damit einhergehenden Quarantänemaßnahmen betroffen waren. Die Lebensmittelkosten stiegen und es kam zu Lebensmittelknappheit in Ländern, die sowieso zu wenig zur Verfügung hatten. 
Die oberösterreichischen Organisationen stellten die Projektarbeit vor Ort um: Es gab Nothilfen, Lebensmittelpakete und Aufklärungsmaßnahmen statt etwa Projekten, die der Weiterbildung und der ländlichen Entwicklung dienten. Andererseits traf es uns in Oberösterreich bei den Spendensammlungen: Konnten die Sammlungen von Sei So Frei, der entwicklungspolitischen Organisation der Kath. Männerbewegung und die DKA, die Dreikönigsaktion der Kath. Jungschar noch erfolgreich umgesetzt werden, so wurden die Sammlungen der kfb, der Familienfasttag, die MIVA und die Caritas mit ihren Sammlungen bereits getroffen, wenn auch, Gott sei Dank, wesentlich geringer als befürchtet.
"

 

„Es ist bemerkenswert, dass die Spendenbereitschaft der Menschen trotz – oder vielleicht sogar wegen – Corona noch größer ist“, dankte Parzer den SpenderInnen und den Pfarren, die die Sammlungen unterstützen, für ihr Engagement.

 

MIVA-Geschäftsführerin Christine Parzer

MIVA-Geschäftsführerin Christine Parzer:  "Die Spendenbereuitschaft der Menschen ist bemerkenswert." © Diözese Linz / Eckerstorfer

 

Anhänge:

Leuchtturmprojekte der diözesanen und überdiözesanen Akteure in den Bereichen Mission und Entwicklungszusammenarbeit

Unterlagen zur Pressekonferenz

Stand 16.11.2020

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