Sunday 20. October 2019

Als Frau am Bau: Erste Steinmetzin am Linzer Mariendom

Nicht viele Frauen üben den Beruf der Steinmetzin aus. Evangelia Papathanasiou ist eine von wenigen. Sie arbeitet seit März 2019 bei der Restaurierung des Turmes am Linzer Mariendom mit.

Evangelia Papathanasiou ist 30 Jahre alt, Deutsch-Griechin und arbeitet seit 12. März 2019 an der sehr aufwendigen Restaurierung am Turm des Linzer Mariendomes mit. Zuvor war sie an Baustellen in Griechenland und Deutschland beschäftigt, jedoch immer auf „Montage“, wo sie von Ort zu Ort ziehen musste. Als sie von der Baustelle in Linz Wind bekam, hat sie sich sofort beworben. Seitdem verbringt sie ihre Arbeitszeit teilweise in luftigen Höhen von bis zu 134 Metern – so hoch ist der Turm des Mariendoms in Linz.

 

Als Frau am Bau: Erste Steinmetzin am Linzer Mariendom

Evangelia Papathanasiou arbeitet am Linzer Mariendom in luftiger Höhe. Foto © Mariendom Linz

 

An ihrer neuen Arbeit gefallen ihr besonders das Konzept der Dombauhütte, einer ständigen Einrichtung zur Erhaltung des Bauwerkes, sowie die Geschichte solcher Gebäude: „So ein Bauwerk beinhaltet alle Gewerke, die gesamte Kunst, die Wissenschaft, die es bis dahin gab. Es ist faszinierend, an so einem Bauwerk teilhaben zu können und mitzuhelfen, dass es weiterbestehen kann“, schwärmt Papathanasiou.

 

Arbeit aus Liebe und Leidenschaft

 

„Wenn man da nicht aus Liebe und Leidenschaft arbeitet, macht man das nicht auf Dauer“, weiß die gelernte Marmorbildhauerin auch um die Härte ihres Berufes. Außerdem brauche es auch handwerkliche Begabung und keine Höhenangst, betont die junge Frau, die nicht viele andere Frauen kennt, die ähnliche Arbeiten beruflich ausüben.

Als Frau fühlt sich Evangelia Papathanasiou wohl in einer männerdominierten Branche. In Linz wurde sie gut ins Team aufgenommen. Den einzigen Unterschied zu ihren männlichen Kollegen sieht sie in der körperlichen Stärke. „Aber“, ergänzt die Steinmetzin, „eine Baustelle muss ja sowieso als Ganzes funktionieren, wie ein lebender Organismus. Jeder hat seine Stärken und jeder hilft jedem, da gibt es keine Probleme.“

 

Evangelia Papathanasiou

Steinmetzin Evangelia Papathanasiou bei der Arbeit in der Dombauhütte. Foto © Diözese Linz / Fürlinger

 

Die Arbeiten am Mariendom

 

Mit der Öffnung der sogenannten „Zeitkapsel“, die in der Kugel des Turmkreuzes untergebracht war, wurde am 14. Mai unter großem Medieninteresse die Sanierung des Turmes des Mariendoms offiziell begonnen. Die teilweise vermürbten Steine müssen gefestigt werden. Steine, die weggebrochen sind, werden wieder anmodelliert, also neu gemacht. Die Patina (dünne Alterungsschicht an der Oberfläche) von mehr als hundert Jahren wird entfernt und schließlich wird das gesamte Fugennetz erneuert.

Papathanasiou gefallen diese Arbeiten: „Die Arbeit ist schön, es wird nie langweilig, es gibt immer etwas Neues, immer neue Herausforderungen. Wenn ich am Morgen zum Dom komme, freue ich mich, dass ich an diesem wunderschönen Gebäude sein kann.“

 

Aufgewachsen in Deutschland, Ausbildung in Griechenland

 

Evangelia Papathanasiou wurde 1988 in München geboren, ist dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Von 2008 bis 2011 machte sie auf der griechischen Insel Tinos die Ausbildung zur Marmorbildhauerin an der Berufsschule für Bildende Künste. Anschließend absolvierte sie an der Universität der Bildenden Künste in Athen ihr Diplomstudium der Kunst, das sie 2016 abschloss. Leistungsstipendien und Auszeichnungen begleiteten ihren Bildungswerdegang. Von 2012 bis 2018 waren zeitgenössische Kunst, Malerei und Bildhauerei von Papathanasiou in Einzel- und Gruppenausstellungen in mehreren Ländern zu sehen. Die letzten beiden Jahre war sie beruflich als Steinrestauratorin in Deutschland angestellt und arbeitete unter anderem an der Ritterstiftskirche in Bad Wimpfen und am Burgturm in Sinsheim im Bundesland Baden-Württemberg.

An Linz gefällt ihr vor allem das Angebot an Kunst: „Linz hat an jeder möglichen Kunst etwas zu bieten. Von Malerei über Plastik, Theater, Musik, alles gibt es hier. Deshalb ist es auch außerhalb des Arbeitsplatzes ein sehr schöner Ort zu leben. Ich denke, ich werde mich schnell zu Hause fühlen hier.“

 

Initiative Pro Mariendom

 

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