Mittwoch 26. September 2018

Wirtschaftsfaktor Kirche

Coverbild Wirtschaftsfaktor Kirche

Die römisch-katholische Kirche ist in Österreich wichtige Arbeitgeberin und bedeutender Wirtschaftsfaktor. Dies belegt eine am 25. Juni 2015 präsentierte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) und von Joanneum Research.

6,65 Milliarden Euro an direkter, indirekter und induzierter Wertschöpfung werden jährlich von den 158.000 Beschäftigten (das sind 123.000 Arbeitsplätze in Vollzeitäquivalenten) in der Kirche und deren Umfeld erwirtschaftet. Das pro Jahr geleistete ehrenamtliche Engagement der Katholikinnen und Katholiken entspricht 14.000 Fulltimejobs. In Bezug auf eine in der Studie erstellten Kosten-Nutzen-Analyse kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis: Die Allgemeinheit und der Steuerzahler profitieren deutlich von den kirchlich erbrachten Leistungen.

Über diese und andere Studienergebnisse informierten bei einem Pressegespräch am Donnerstag, 25. Juni 2015 in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien Alexander Schnabl vom IHS, Franz Prettenthaler, Leiter einer Johanneum-Research-Forschungsgruppe und Herwig Stöger vom ÖAW-Verlag, wo die Studie erscheint. Als Finanzexperten aus dem Bereich der Kirche gaben der Wirtschaftsauschuss-Vorsitzende der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs, Markus Rubasch, und der Wirtschaftsdirektor der Diözese Graz-Seckau als Vertreter der Finanzkammerdirektoren, Herbert Beiglböck, Auskunft.

 

Präsentation Studie Wirtschaftsfaktor Kirche 25. 6. 2015
V. l.: Herbert Beiglböck, Markus Rubasch, Herwig Stöger, Franz Prettenthaler und Alexander Schnabl. © Katrin Bruder

 


Die kirchlich beauftragte Studie stellt eine Pionierarbeit dar: Sie sollte wissenschaftlich fundiert die Leistungen der Kirche für das Gemeinwesen in Österreich erheben und deren ökonomische Effekte objektiv und transparent in Zahlen abbilden. Erstmals wurde versucht, das vielfältige, jedoch "schwierig quantifizierbare" Engagement der Kirche vor allem im Sozial- und Kulturbereich zu erfassen. Das Problem dabei laut den Studienautoren. "Die" Kirche gibt es nicht; sie ist "keine einheitliche Organisation mit einem konsolidierten Konzernabschluss", sondern in mehrere Tausend, teilweise miteinander verflochtene Rechtsträger gegliedert. Neben den neun Diözesen und dem Militärordinariat gibt es 3.053 Pfarren, 200 Frauen- und Männerorden sowie viele weitere weitgehend selbstständige Organisationen wie die Caritas oder die Ordenskrankenhäuser.  

Diese Kircheneinrichtungen waren Adressaten einer umfangreichen repräsentativen Primärdatenerhebungen mittels Online-Fragebögen. Zusätzlich wurden Daten der Statistik Austria, Beantwortungen parlamentarischer Anfragen, Jahresberichte kirchlicher Stellen sowie Informationen von Bundesdenkmalamt und Ministerien berücksichtigt. Die Ergebnisse beziehen sich auf das Jahr 2012.

 

Präsentation Studie Wirtschaftsfaktor Kirche 25. 6. 2015

Die umfangreiche Studie über den Wirtschaftsfaktor Kirche. © Katrin Bruder


354.000 Katholiken ehrenamtlich engagiert


Insgesamt 354.000 Personen - das sind 6,4 Prozent der Katholiken - sind auf Pfarrgemeindeebene ehrenamtlich engagiert. Sie betreuen Bibliotheken, gestalten Feste und Gottesdienste, leisten Besuchsdienste, sammeln für die Dreikönigsaktion oder andere Initiativen und vieles mehr. Laut Studie engagiert sich jeder Katholik, jede Katholikin durchschnittlich 5,1 Stunden pro Jahr für die Pfarre, hochgerechnet auf ganz Österreich ergibt das ein Arbeitsvolumen pro Jahr, für dessen Abdeckung mehr als 14.000 ganztägig Beschäftigte notwendig wären. Den Gegenwert dieses Einsatzes beziffern die Autoren mit einer Summe zwischen 540 und 400 Millionen Euro.

Die Studie geht auch der Frage nach, welchen gesamtwirtschaftlichen Effekt die Feierlichkeiten rund die Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung haben (nicht berücksichtigt blieben dabei kirchliche Eheschließungen und Begräbnisse sowie Geschenke zu Hochfesten wie Weihnachten oder Ostern, die auch "außerkirchlich substituiert" werden). Hochgerechnet auf ganz Österreich zeigt sich, dass durch Geschenke, Ausflüge, Essen, Kleidung u.a. rund um Taufe, Erstkommunion und Firmung mehr als 147 Millionen Euro an Konsumausgaben anfallen. Ein wesentlicher Anteil davon kommt der Gastronomie zugute.

In die Steuertöpfe des Staates und der Gebietskörperschaften sowie in die Sozialversicherung fließen die Abgaben der 158.000 kirchlichen Angestellten bezogen auf gesicherte Arbeitsplätze in Personenjahren; dies entspricht umgerechnet 123.000 Arbeitsplätzen in Vollzeitäquivalenten. "Die durch die Kirche hervorgerufenen fiskalischen Effekte belaufen sich auf 3,35 Milliarden Euro", heißt es in der Studie.

 

Präsentation Studie Wirtschaftsfaktor Kirche 25. 6. 2015

Pressegespräch zur Studie in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. © Katrin Bruder

Gesundheit und Pflege, Soziales und Bildung

 

Als Wirtschaftssektoren, die besonders auf die Mitwirkung kirchlicher Einrichtungen angewiesen sind, nennen die Studienautoren die Bereiche Gesundheit und Pflege, Soziales und Bildung. Bei den Bundesländern profitiert vorwiegend Niederösterreich mit 28.000 vollzeitäquivalent in der Kirche Tätigen, gefolgt von Oberösterreich mit 24.500, Wien mit 23.000, die Steiermark mit 15.000 und Tirol mit 11.000 Personen. "Jeder 42. Euro wird im Umfeld von kirchlichen Leistungen erwirtschaftet, jeder 27. Arbeitsplatz in Österreich steht im Zusammenhang mit diesen Aktivitäten", fasst IHS-Experte Alexander Schnabl zusammen. Die römisch-katholische Kirche erweise sich damit als "wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber", der darüber hinaus vorwiegend in Branchen tätig sei, die Menschen in schwierigen Situationen helfen, aber wirtschaftlich weniger attraktiv sind.

Das kirchliche Engagement im Bereich Gesundheit und Pflege quantifiziert die Studie mit einer Bruttowertschöpfung von insgesamt 2,28 Milliarden Euro durch 41.000 hier angesiedelten Arbeitsplätzen. Neben Spitals- und Pflegediensten betonen die Autoren die besondere Funktion der Kirche bei der Versorgung und Begleitung Schwerstkranker und Sterbender: "Hospize und Ordensspitäler nehmen hier eine Vorreiterrolle ein."  

Die römisch-katholische Kirche betreibt auch eine Vielzahl an verschiedenen Bildungseinrichtungen von Kindertagesheimen bis hin zu Hochschulen. Die Bruttowertschöpfung wird hier mit 1,74 Milliarden Euro beziffert, 27.000 Arbeitsplätze fallen in diesen Bereich.

Auch ein großer Teil der Kulturstätten sowie Kulturgüter ist - so die Studie weiter - im Besitz der Kirche, "wird von dieser gepflegt, instand gehalten und für die Öffentlichkeit bereitgestellt". Die Bruttowertschöpfung für Kultur, Kunst und Denkmalpflege liegt demnach bei 878 Millionen Euro, bei 13.000 Beschäftigten im Umfeld der insgesamt 13.500 denkmalgeschützten Objekte.

Weiter nennt die Studie den Bereich der Entwicklungszusammenarbeit als wichtiges kirchliches Betätigungsfeld in Österreich mit knapp 6 Millionen Euro Bruttowertschöpfung. Die Effekte im Ausland seien "deutlich höher, aber aus methodischen Gründen nicht detailliert quantifizierbar".


Staat zahlt viel, gewinnt aber mehr

 

Die Studie erstellt auch eine Kosten-Nutzen-Analyse der kirchlichen Leistungen, in der die Kosten, die etwa dem Staat durch Förderungen und Leistungskäufe, privaten Spendern und der Kirche selbst entstehen, dem volkswirtschaftlichen Nutzen gegenübergestellt werden. Laut Joanneum-Research-Mitarbeiter Franz Prettenthaler ergibt sich hier ein "deutliches gesamtgesellschaftliches Überwiegen der Nutzenseite": Den Kosten von 5,91 Milliarden Euro stünden 8,49 Milliarden an monetär bewertbarem Nutzen gegenüber.

Auch aus dem engeren Blickwinkel der öffentlichen Hand beziehungsweise der Steuerzahler ergibt sich laut Prettenthaler ein "günstiges Gesamtbild": "Betrachtet man die umfangreichen Leistungen der Kirche für die Öffentlichkeit (37.000 betreute Kinder, 71.000 Schülerinnen und Schüler, 47.000 Spitalsbetten, 13.500 denkmalgeschützte Objekte), so erscheinen die 130 Millionen Euro Nettozuschuss der öffentlichen Hand für die gesamten kirchlichen Aktivitäten als vergleichsweise gering."

 

 

Wichtiger Beitrag für Stabilität der Gesellschaft

 

Als eine Grundaufgabe der katholischen Kirche - wie auch anderer Religionsgemeinschaften - bezeichnete es der Grazer Wirtschaftsdirektor, Menschen im Leben zu begleiten, sie Sinn und Orientierung finden zu lassen und Orte der Begegnung und des Miteinanders zu schaffen, womit ein wichtiger Beitrag für die Stabilität der Gesellschaft geleistet werde. Die gute Kooperation des Staates mit den Religionsgemeinschaften und Kirchen sei "schon aus diesen Gründen sinnvoll".

Wesentlich trage die Kirche zudem auch zum wirtschaftlichen Wohlstand Österreichs bei, wobei die Studie einen Nutzen für die Öffentlichkeit aufzeige, der "wesentlich höher als der Aufwand" sei, so Beiglböck. Deutlich werde dies u.a. durch die mittelbare oder unmittelbare Schaffung von 123.000 Arbeitsplätzen durch die Kirche "gerade in Zeiten, wo wir in Österreich große Probleme mit Arbeitslosigkeit haben"; dazu kämen noch die kontinuierlichen Investitionen der Kirche im Baubereich für jährliche, laufende Instandhaltungen, mit denen die Kirche ein wichtiger und verlässlicher Arbeitgeber sei und Konjunkturschwankungen ausgleiche.


Orden wertvolle Impulsgeber


Man habe gesichertes Zahlenmaterial auf den Tisch legen wollen, denn "Vermutungen oder Spekulationen sollten Vergangenheit sein", erklärte Markus Rubasch, der Leiter des Finanz- und Wirtschaftsreferates der Superiorenkonferenz der Männerorden. Durch größtmögliche Transparenz sei eine wirtschaftliche Einschätzung der verfügbaren Ressourcen auch bei den 200 Ordensgemeinschaften möglich gewesen, die ja auf andere Einkünfte als den direkten Kirchenbeitrag angewiesen sind. Einigen Gemeinschaften gehe es damit gut, während andere kaum das Auslangen finden würden.

Die Studie zeige, dass die Orden ein "wertvoller Impulsgeber" sei, verwies der Kämmerer des Stiftes Schlägl auf die 250 Ordensschulen und 30 Ordensspitäler. Sie belege zudem die Sozial- und Kulturinitiativen der Orden, die von Flüchtlingsbetreuung bis Bibliotheken und Ordensarchive reichten sowie das Engagement bei der Entwicklungszusammenarbeit und den Kernbereich des spirituell-seelsorglichen Engagements. Charakteristisch sei für die Orden neben ihrer Vielfalt ein lokales und regionales Wirtschaften, so Rubasch.

Wie der Prämonstratensermönch hervorhob, deuteten die Ergebnisse bei den monetär bezifferbaren Effekten auf eine "hohe Umwegrentabilität", wiewohl die eigentlichen Leistungen der Kirche nicht durch Zahlen darstellbar seien: "Es geht um den Nutzen für die Seelen, die Verbindung zu und Öffnung auf Gott hin, die Stärkung von Hoffnung und Zuversicht, um Selbstachtung und Lebenszufriedenheit der Menschen in unserem Land und die Stärkung des innere solidarischen Zusammenhaltes mit dem Fokus, einander zur Hilfe zu werden."

Die detaillierte Zusammenfassung der Studie ist sind auf der Website www.katholisch.at/wirtschaft abrufbar.

 

Kathpress 

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