Sonntag 25. Juni 2017

Sternsingen 2017

In knapp vier Wochen werden in Oberösterreich wieder ca. 16.000 SternsingerInnen mit Segenswünschen fürs neue Jahr von Haus zu Haus ziehen. Die ersungenen Spenden ermöglichen in mehr als 500 Projekten in 20 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika Hilfe zur Selbsthilfe.

Bei einer Pressekonferenz am 29. November 2016 im OÖ. Presseclub wurde anhand eines Beispielprojekts in Tansania aufgezeigt, wie Sternsinger-Hilfsprojekte die Lebensbedingungen von Menschen nachhaltig verbessern.

 

Die SternsingerInnen sind aus der Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Sie ziehen in Stadt und Land von Haus zu Haus, überbringen musikalische Segenswünsche für das neue Jahr und sammeln für Menschen in den Armutsregionen der Welt. So schenken sie doppelt Freude – und haben auch selber großen Spaß an ihrem ehrenamtlichen Engagement.

Auch heuer werden rund um den Jahreswechsel österreichweit wieder ca. 85.000 SternsingerInnen aus etwa 3.000 Pfarren singend unterwegs sein – allein in Oberösterreich sind es 16.000 Mädchen (sie stellen zwei Drittel), Buben und auch Erwachsene. Beachtlich sind die Wegstrecken, die dabei absolviert werden: Geschätzte 420.000 Kilometer legen die SternsingerInnen gemeinsam zurück – das entspricht in etwa einer zehnmaligen Umrundung des Erdballs.

 

Spenden, die nachhaltig helfen

Im Vorjahr wurden in ganz Österreich 16,7 Millionen Euro gespendet; Oberösterreich war Spitzenreiter mit rund 3,3 Millionen Euro. Seit dem Beginn der Sternsingeraktion 1954 konnten bereits über 400 Millionen Euro ersungen werden. Dieses Geld wird von der Dreikönigsaktion, dem Hilfswerk der Katholischen Jungschar, jährlich in mehr als 500 Projekte investiert. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe.

Mag.a Mayella Gabmann, Katholischen Jungschar Diözese Linz, über den Einsatz der Sternsingermittel: „In den Projekten, die die wir unterstützen, geht es darum, Kinder und Jugendliche zu stärken, durch Bildung selbstbestimmtes Handeln zu fördern, die Lebensgrundlage der Menschen zu sichern und die Durchsetzung der Menschenrechte zu ermöglichen.“ Projekte werden meist über einen längeren Zeitraum unterstützt, also etwa zwei bis drei Jahre, denn, so Gabmann: „Armutsbekämpfung braucht einen langen Atem.“

Die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar, sorgt für den kompetenten Einsatz der Spendengelder. Die Finanzen werden jährlich von unabhängigen WirtschaftsprüferInnen kontrolliert. Das „Spendengütesiegel“ garantiert Transparenz und objektive Sicherheit bei der Spendenabwicklung. Alle Sternsingergruppen führen einen Ausweis mit sich. So lässt sich leicht erkennen, dass sie im Auftrag der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar unterwegs sind.

 

Sternsingerprojekt Tansania: Nahrung von eigenem Land

 

Wie die Hilfe zur Selbsthilfe konkret funktioniert, zeigt ein Projekt in Tansania, das bei der Pressekonferenz von Mayella Gabmann, dem Bildungsreferenten der Dreikönigsaktion Luggi Frauenberger und von zwei ProjektpartnerInnen aus Tansania vorgestellt wurde. Diese besuchen derzeit in Oberösterreich Schulen und Sternsingergruppen in Pfarren, um das Projekt zu präsentieren.

Eigenes Land besitzen und von der Ernte leben können – für Bauernfamilien in Tansania ist das sehr wichtig, wird aber zunehmend erschwert: Im Südwesten Tansanias ist fruchtbares Land sehr begehrt. Die Agrarindustrie nutzt große Flächen für Mais und Soja, die als Futtermittel oder als Basis für Agrartreibstoffe exportiert werden – auch nach Europa. Dieses Profitstreben wird von der Regierung gefördert, weil es Einnahmen in die Staatskassa spült. Den Bauernfamilien wird das Land oft ganz einfach weggenommen – gegen bestehendes Recht. Mit der Vertreibung von ihrem Land ist ihr Überleben bedroht. Unterernährung und Hunger sind die dramatischen Folgen des Landraubs. Ohne jegliches Einkommen sind aber auch die medizinische Versorgung und der Schulbesuch der Kinder nicht mehr möglich.

Eine direkt Betroffene ist Imelda Kapufi (49), die mit ihrer Familie in Sandulula lebt. Imelda Kapufi baut auf ihrem Bauernhof vor allem Mais, Bohnen und Sonnenblumen an und unterstützt die Frauen in ihrer Umgebung. Sie bietet Seminare an, in denen verbesserte Anbaumethoden vermittelt werden. Imelda Kapufi schilderte bei der Pressekonferenz, wie sie den Landraub erlebt hat. 2013 wurde den Menschen in ihrem Dorf 190 Hektar Land weggenommen und an Investoren verkauft. Es wurden Zäune errichtet, die die BewohnerInnen von ihrem ursprünglichen Land abschnitten. Dadurch kam es zu Engpässen in der Nahrungsmittelversorgung. Die betroffenen Familien wandten sich an MIICO, eine Nichtregierungsorganisation im Südwesten von Tansania und Partnerorganisation der Dreikönigsaktion. Sie sind guter Hoffnung, mit Unterstützung von MIICO ihr Land zurückzubekommen.

Wie MIICO den Betroffenen hilft, schilderte Adam Siwingwa (43) bei der Pressekonferenz. Adam Siwingwa lebt mit seiner Familie in Mbeya, Tanzania und hat an der Sokoine University Landwirtschaft studiert. Er ist einer von 8 Mitarbeitern von MIICO. Siwingwa betonte, wie massiv die Menschen in Tansania vom Landraub betroffen sind, leben doch rund 70 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Siwingwa erläuterte die Hintergründe des Landraubs: „In Tansania gibt es drei Arten von Land: reserviertes Land für Nationalparks, Land für die Dorfbewohner, das 80 Prozent ausmacht, und allgemeines Land, das der Regierung gehört und das an Investoren vergeben werden kann. Niemand weiß genau, wie groß dieses allgemeine Land ist. Da es viele Anfragen von Investoren gibt, wird von der Regierung auch Dorfland vergeben, das den BewohnerInnen weggenommen wird – obwohl es ihnen rechtlich zusteht.“ MIICO berät Betroffene und informiert sie über die rechtliche Lage. Um den Wissensstand der Bevölkerung zu erhöhen, macht MIICO Fälle von Landraub über Lobby- und Medienarbeit publik. Die Organisation stellt den Betroffenen auch Anwälte zur Seite. Adam Siwingwa: „Die rechtliche Lage ist eindeutig: Die Investoren haben kein Recht auf das Land der Bevölkerung. Wir arbeiten dafür, dass die Menschen wieder auf ihrem Land leben können und genug Anbaufläche haben, um davon leben zu können.“

Auch wenn die Bauernfamilien dann eigenes Land besitzen, sind die Erträge bei Dürrephasen – verstärkt durch den Klimawandel – oft zu gering. Hunger und Mangelernährung müssen aber der Vergangenheit angehören. Die Sternsinger-Spenden helfen, dass die Ernte gelingt: durch verbesserten Anbau von Bohnen, Mais und Süßkartoffeln, durch das Anlegen von Hausgärten, richtige Lagerung der Ernte und die Produktion von eigenem Saatgut.

 

Hintergrundinfos und Downloads von Pressefotos, Cartoons und Grafiken unter

http://www.sternsingen.at/presse/medienservice/

 

Infos und Kontakt:

Mag.a Mayella Gabmann

Abteilungsleitung und Öffentlichkeitsarbeit

Kath. Jungschar Diözese Linz

M: 0676 880 111 410

E: mayella.gabmann@dioezese-linz.at

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