Donnerstag 14. Dezember 2017

Gutmenschen und WutbürgerInnen

Studientag 2017 zu Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung

Knapp 70 Teilnehmende konnte Dr. Christian Pichler, der Leiter des Kath. Bildungswerkes OÖ, am 20. Oktober zum Studientag 2017 für ReferentInnen und SinnQuell-GesprächsleiterInnen begrüßen.

Die Tagung stand unter dem Motto „Gutmenschen und WutbürgerInnen – Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung.“

 

Grußworte gab es auch von der neuen Pastoralamtsdirektorin Mag.a Gabriele Eder-Cakl, die die TagungsteilnehmerInnen herzlich in den Räumen des Pastoralamtes der Diözese Linz willkommen hieß. Das Einzige, das gegen Schwarz-Weiß-Denken hilft, so Eder-Cakl, ist Farbe ins Denken zu bringen und so einer Polarisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Die Kirche übernimmt dabei eine tragende Rolle. Zwei Drittel aller Veranstaltungen des Themenschwerpunktes des Erwachsenenbildungsforums OÖ „Zusammenleben aktiv gestalten“ werden von kirchlichen Einrichtungen, darunter auch dem Kath. Bildungswerk OÖ, angeboten.

 

Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung

Was machen wir mit WutbürgerInnen in Veranstaltungen? Durchwinken, Schweigen, Diskutieren – welche Position wollen wir einnehmen? Die Hauptreferentin der Tagung, Dr.in Marion Wisinger, Historikerin, Trainerin der politischen Bildung und freie Autorin, zeigte anhand von Beispielen und konkreten Tipps, wie Bildungsarbeit angesichts unterschiedlicher Werte und politischer Meinungen für alle Beteiligten spannend sein kann.

 

Studientag 2017 zu Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung
Studientag 2017 zu Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung
Studientag 2017 zu Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung
TeilnehmerInnen beim Stand der Bibliotheksfachstelle
Studientag 2017 zu Bildungsarbeit in Zeiten wachsender Empörung
TeilnehmerInnen beim Erfahrungsaustausch
Organisationsteam: Sylvia Zellinger, MMag.a Michaela Wagner, Mag.a Ulrike Kneindinger mit Mag.a Gabriele Eder-Cakl und Dr. Christian Pichler
Studientag 2017
Grußworte von der neuen Pastoralamtsdirektorin Mag.a Gabriele Eder-Cakl
Sylvia Zelliner begrüßte die TeilnehmerInnen
Grußworte von Dr. Christian Pichler
Vortrag von Dr.in Marion Wisinger
Workshop
Workshop
Workshop
Workshop
Workshop
Workshopabschluss
10 Jahre SinnQuell
10 Jahre SinnQuell - v.l. Sylvia Zellinger, Mag. Georg Wasserbauer, Regina Höller, Birgit Aigner
Die Band AKUSTIKA führte musikalisch durch den Abend

 

Thema definieren

Wir kennen alle solche Diskussionen: Flüchtlinge werden mit der Unfinanzierbarkeit des Sozialsystems und aufkeimendem Islamismus in einem Atemzug genannt, untermauert mit vermeintlichen „Fakten“ aus diversen (Gratis-)Medien. Im ersten Moment ist man sprachlos, dann will man vielleicht widersprechen bzw. belehren. Wie reagiert man richtig darauf? Laut Wisinger ist der erste Schritt, den Themenbereich einzugrenzen.


Worum genau geht es dem Gegenüber, wovon ist er/sie persönlich betroffen?

  1. Themenbereich: Asyl – Flucht – Integration
  2. Themenbereich: Wirtschaft – Soziales – Armut
  3. Themenbereich: Demokratie – Parteienlandschaft – „Neue Rechte“
  4. Themenbereich: Religion – Islam – Antisemitismus
  5. Themenbereich: Nationalismus – Europäische Union 
  6. Themenbereich: Kultur
  7. Themenbereich: Revisionismus (Infragestellung geltender historischer, politischer oder wissenschaftlicher Erkenntnisse)
  8. Themenbereich: wachsender Radikalismus und Extremismus

Eigenen Standpunkt finden

Welche Haltung vertrete ich selbst? Wie denke ich über den Islam, verschleierte Frauen, Flüchtlinge etc.? Habe ich eine eigene persönliche Geschichte dazu?

 

Zuhören – nachfragen – Raum geben

Im nächsten Schritt ist es, so Wisinger, wichtig zuzuhören. „Was brennt dem Gegenüber unter den Nägeln? Zeigen Sie Interesse, bleiben Sie ruhig, denn je weniger Raum ich lasse, desto eher gehen die Emotionen hoch. Durch ehrliches Nachfragen grenzen Sie den Themenbereich ein, denn er/sie muss sich erklären bzw. den Sachverhalt definieren“, so Wisingers Rat.
Und es sei wichtig, sich selbst klar zu werden, was man erreichen will. „Öffnen wir den Raum für ein Gespräch, im besten Fall für einen Dialog. Je kleiner wir das Thema machen, desto besser wird der Dialog laufen.“ Wisinger nennt das eine ideale Bildungssituation. Wir müssten lernen, solche Situationen mit Gestaltungsmöglichkeiten für uns zu erleben.


Dialog suchen

„Die Zeiten werden nicht einfacher, wir müssen vom hohen moralischen Ross herunter und müssen neugierig das Gespräch mit unseren Mitmenschen suchen.“ Wisinger macht immer wieder Mut, in jedem Gespräch den Bildungsauftrag aufzugreifen. Als Experiment regt sie an, aktiv den Dialog mit unbekannten Menschen zu einem bestimmten Themenbereich zu suchen z.B.: im Taxi oder am Würstelstand. „Auf diese Weise lernen wir am besten, Konflikte auszuhalten und die Scheu vor anderen Meinungen zu verlieren.“

 

Aufwind der „Neuen Rechten“ in Europa

Klar ablehnende und warnende Worte fand die Referentin bezüglich der „Neuen Rechten“ respektive Rechtspopulisten, die immer mehr gesellschaftlichen und politischen Einfluss in Europa gewinnen. „Nichts ist so einfach, wie Menschen zu verhetzen. Sie mischen gekonnt Themen, überschwemmen die Sozialen Medien mit Fake-News und Hate Postings. Gut organisiert und bestens vernetzt sind sie“, so Wisinger, „und damit für unsere demokratischen Errungenschaften brandgefährlich.“
Jedoch nicht alle Empörten haben mit den „Neuen Rechten“ zu tun, wichtig sei es, Personen nicht in eine Ecke zu drängen. „Wir müssen ein Gespür dafür bekommen, wer uns gegenübersteht. Bildung ist eine Möglichkeit aus dieser Negativspirale herauszukommen.“

 

Als Abrundung konnten die TeilnehmerInnen aus sechs ergänzenden Workshops rund um das Tagungsthema wählen:

  • Dr.in Marion Wisinger: „Verstehen lernen – miteinander klar kommen“
  • Sabri Opak: „Aggressive Sprüche stoppen“ 
  • Dipl.-Päd.in Verena Haselmayr: „Köper-bewusst-sein“
  • MMag.a Maria Dammayr: „Argumentation gegen Stammtischparolen“
  • Birgit Schwamberger-Kunst: „Hallo, wer stört?“
  • Monika Decker: „Ich lobe den Tanz …“

 

10 Jahre SinnQuell

Am Abend gab es einen runden Geburtstag zu feiern: 10 Jahre SinnQuell. Fast 37.000 TeilnehmerInnen tauschten sich in den letzten 10 Jahren in über 4.100 Gesprächsrunden in ganz OÖ. zu den insgesamt 74 ausgearbeiteten SinnQuell-Themen aus. Nähere Informationen zu SinnQuell und dem Format „Interkulturelles Erzählcafe“ finden Sie unter www.sinnquell.at

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