Mittwoch 23. Mai 2018

Martin Luther und die Reformation

Sozial-ökumenische Bildungsreise 2017 — besondere Orte und beeindruckende Begegnungen

Unter professioneller Organisation von „WELTanschauen“, der kompetenten Leitung von Ferdinand Kaineder und der Begleitung von Klaus Dopler (Geistlicher Assistent) und Christian Pichler (Leiter des Kath. Bildungswerks) haben sich 33 Frauen und Männer von 3. bis 8. Oktober auf eine besondere Bildungs- und Begegnungsreise gemacht: Im Gedenkjahr „500 Jahre Reformation“ waren die Teilnehmenden auf den Spuren von Martin Luther unterwegs, besuchten wichtige Stätten seines Lebens und kamen mit interessanten Persönlichkeiten ins Gespräch. 

 

 

Reiseverlauf:

Die ersten Reiseziele waren Eisleben (Luthers Geburts- und Sterbehaus) und Leipzig. Die von der Nikolaikirche ausgehenden friedlichen Montagsdemonstrationen leiteten 1989 das Ende der DDR ein, in der Thomaskirche wirkte J.S. Bach als Kantor und Martin Luther führte hier 1519 sein berühmtes Streitgespräch mit dem katholischen Theologen Johannes Eck (Leipziger Disputation). 
Von Leipzig ging es weiter nach Lutherstadt Wittenberg (Thesenanschlag 1517), wo Luther den größten Teil seines Lebens verbrachte. Dort war das vom weltbekannten Künstler Yadegar Asisi in einer Rotunde geschaffene 360° Panorama „Luther 1517“ ein besonderes Besichtigungs-Highlight. Anschließend kam es zu einer interessanten Begegnung mit Dr. Stefan Rhein, dem Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten. 

 

Der Besuch des ökumenischen Klosters Volkenroda war ein spirituelles Highlight und führte uns ein gelungenes Beispiel von baulichem und geistigem Wiederaufbau und nachhaltiger Nutzung vor Augen. Hier harmonieren die älteste noch erhaltene Zisterzienser-Klosterkirche in Deutschland und der moderne Christuspavillon, ein EXPO-2000-Projekt, der nun für Gottesdienste, Kunst- und Kulturveranstaltungen genutzt wird. Das Kloster ist ein einladender Ort der Begegnung zwischen den Konfessionen und Menschen aus Ost- und Westdeutschland. Die Kommunität wird aus Frauen, Männern und auch Verheirateten gebildet. Mehr dazu unter www.kloster-volkenroda.de 

 

In Mühlhausen bekamen wir nach einem Stadtspaziergang mit Fokus auf Thomas Müntzer in der Kirche Divi Blasii, an der J. S. Bach als Organist wirkte, eine spezielle Orgelführung mit besonderen Klangbeispielen. Anschließend führten wir ein interessantes Gespräch mit Pfarrer Begrich, dem Beauftragten der evangelischen Landeskirche für den jüdisch-christlichen Dialog. 

In Erfurt, der Hauptstadt Thüringens, dem Kernland der Reformation, verbrachte der junge Martin Luther von 1501 bis 1511 seine Jugendjahre. 1507 wurde er im Erfurter Dom zum Priester geweiht. Dort lernten wir nicht nur die Lutherstätten und die wunderschöne Altstadt kennen. In einer Begegnung mit Domkapitular Bruno Heller, dem früheren Caritasdirektor, bekamen wir auch Einblick in die Arbeit der Caritas und deren aktuelle Herausforderungen sowie Informationen über das breite Bündnis „Mitmenschlich in Thüringen“ für Demokratie, Vielfalt und Mitmenschlichkeit als eine positive Antwort auf die zunehmend rassistischen Strömungen im Land. Ganz nebenbei erzählte Heller, dass ihn seine erste Reise in den Westen 1986 in das Bildungshaus Schloss Puchberg und in das Stift Melk geführt hat. 

 

Weiter ging es nach Eisenach und als besonderer Höhepunkt zum Abschluss der Reise auf die Wartburg. Wieder gingen wir auf den Spuren Martin Luthers, aber auch auf jenen der Hl. Elisabeth und von Johann Sebastian Bach. In der Georgenkirche in Eisenach heiratete 1221 die ungarische Königstochter Elisabeth den thüringischen Landgraf Ludwig IV. 300 Jahre später predigte in der Georgenkirche Martin Luther und 1685 wurde hier J. S. Bach getauft. Heute ist diese Kirche die evangelisch-lutherische Bischofskirche Thüringens. 

 

Luthers Geburts- und Sterbehaus in Eisleben
Christian Pichler vor der Wartburg, das Wahrzeichen von Eisenach
Kompetenz in Sachen Bildung!
Gruppenfoto mit Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer
... auf den Spuren von Martin Luther
Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer in Eisenach
In Mühlhausen bekamen wir in der Kirche Divi Blasii eine spezielle Orgelführung mit besonderen Klangbeispielen
Gruppenfoto mit Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer
Graffiti an einer Hauswand
gemeinsamer Gottesdienst in der wunderschönen Liboriuskapelle in Creuzburg


Natürlich besuchten wir das dortige Lutherhaus mit der Sonderausstellung 2017 „Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer. Luther aus katholischer Sicht“ und das Bach-Haus.
Die Wartburg, das Wahrzeichen von Eisenach, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie war die Wohn- und Wirkungsstätte der Hl. Elisabeth und der Reformator Luther übersetzte hier das Neue Testament ins Deutsche und schuf damit eine einheitliche deutsche Schriftsprache. 

Bevor wir am Sonntag heimfuhren, feierten wir als spirituellen Abschluss mit unserem geistlichen Assistenten, Klaus Dopler, gemeinsam Gottesdienst in der wunderschönen Liboriuskapelle in Creuzburg. 

 

Die Unterkünfte dieser Reise waren bewusst und gezielt ausgewählt: ein von der Diakonie geführtes Biohotel in einem alten Gutshof mit Slow-Food-Küche und angeschlossener biologischer Landwirtschaft sowie ein kleines, feines, christlich geführtes Genießer-Hotel im Herzen von Leipzig. 

 

Eindrücke von ReiseteilnehmerInnen:

 

Ferdinand Kaineder, beruflich Medienverantwortlicher der Ordensgemeinschaften Österreichs und umsichtiger Begleiter der Reise meint abschließend: „Ich habe es als sehr erhellend erlebt, die Stätten der Reformation auf der einen Seite in ihrer Inszenierung zu sehen und zu erleben und andererseits in den Begegnungen mit den Menschen die Wirkung bis heute zu erfassen. Neu war für mich, dass die evangelische Kirche Stätten wie Wittenberg oder Eisenach gerade selbst wieder neu als ‚Ursprungsorte‘ erkennt. Wunderbar war auch das Hotel Wilhelmsglücksbrunn, das sich als Inklusionsunternehmen entwickelt hat. Die Konzeption der Diakonie mit Schafbauernhof, Bioladen, Hotel und Slow-Food-Restaurant wird von zwölf MitarbeiterInnen, davon sechs beeinträchtigte Menschen, getragen.“

 

Ein prominenter Reiseteilnehmer war Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, der sich in einem Schreiben für die Reise bedankte. „…ich bedanke mich für diese beeindruckende Reise zum Abschluss einer rund 30jährigen Zusammenarbeit zwischen dem Katholischen Bildungswerk und mir als Mitglied der Oö. Landesregierung, auf die ich gerne zurückblicke…“

 

Romana Rammerstorfer, Ottensheim: 
„Natürlich war ich von den Besichtigungen und den Erklärungen an den einzelnen Orten und den Ausstellungen zu „500 Jahre Reformation“ sehr beeindruckt. Aber was diese Reise für mich wirklich zu einer besonderen machte, waren die Begegnungen mit Verantwortlichen der evangelischen Kirche, dem früheren Caritasdirektor von Thüringen, dem Ortsteilbürgermeister eines 400 Seelen-Dorfs, der uns mit Begeisterung die frisch restaurierte Kirche als Kleinod seines Dorfes zeigte...“

 

Gabi und Peter Schaumberger, Altenberg: 
„Beeindruckt und berührt haben uns 
…stark und nachhaltig die Begegnungen mit Menschen, die mit Gottvertrauen und Energie besondere Orte der Begegnung schaffen; 
…Volkenroda  die Tür steht offen, das Herz noch mehr — ein ökumenisches Kloster vor dem Verfall gerettet und wieder aufgebaut;
… vor der Heimreise die Hl. Messe in der Liboriuskapelle, beginnend auf der Brücke über die Werra, errichtet für die Hl. Elisabeth anlässlich der Geburt ihres ersten Sohnes.“

 


 

Das Katholische Bildungswerk OÖ wird das beliebte Format „Bildungs- und Begegnungsreise“ weiterführen. Überlegungen für ein weiteres attraktives Reiseziel sind im Gange und werden in einer der nächsten Ausgaben von KBW-Aktuell vorgestellt.

 

 

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