Sonntag 17. Dezember 2017

Theaterstück „Der Fall Gruber“: Uraufführung im Linzer Mariendom

Franz Froschauer als Johann Gruber

Die Lebensgeschichte des Priesters und Reformpädagogen Johann Gruber, die immer in Konflikt mit den Obrigkeiten stand und im KZ Gusen endete, wird als Theaterstück „Der Fall Gruber“ am 24. und 25. Juni 2017 im Linzer Mariendom auf die Bühne gebracht. 

Johann Gruber zählt zu den bedeutendsten Widerstandskämpfern Österreichs. Er war Priester der Diözese Linz und ein begnadeter Reformpädagoge des Landes Oberösterreich. Als Direktor der Linzer Blindenanstalt wurde er am 10. Mai 1938 wegen seiner Ablehnung des Nationalsozialismus und eines angeblichen Sittlichkeitsdelikts von der Gestapo verhaftet.


1939 wurde er verurteilt, kam ins Konzentrationslager Dachau und wurde schließlich 1940 ins Konzentrationslager Gusen überstellt. Dort wurde er am Karfreitag, den 7. April 1944 vom Lagerkommandanten nach tagelanger Folter grausam ermordet.


Johann Gruber war eine herausragende Persönlichkeit, der von den Überlebenden als „Engel in der Hölle“ von Gusen verehrt wird und nach Schilderung der Häftlinge vielen Menschen in Gusen das Leben rettete. In der Nachkriegszeit geriet Gruber weitgehend in Vergessenheit.

 

Johann Gruber wurde am 7. Jänner 2016 vom Strafgericht Wien vollständig rehabilitiert.

 

 

Drei Lebensstationen Grubers werden auf die (Kirchen-)Bühne gebracht

 

Durch die beeindruckenden Schilderungen der Überlebenden und nicht zuletzt durch die Aktivitäten der „Plattform Johann Gruber“ und des „Papa Gruber Kreises“ rückte Johann Gruber zunehmend ins Licht der Öffentlichkeit. Es ist der Plattform nun gelungen, ein Theaterstück über Johann Gruber bei dem Schriftsteller und Autor Thomas Baum in Auftrag zu geben und unter Mitwirkung des Schauspielers und Regisseurs Franz Froschauer zu realisieren. „Der Fall Gruber“ bietet die Möglichkeit, sich mit den zeitgeschichtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und den Bogen in die Gegenwart zu spannen.

 

In drei Akten werden drei Lebensstationen von Johann Gruber nachgezeichnet: seine Zeit am Blindeninstitut (mit Rückblicken in die Zeit davor), der Prozess und die Zeit im KZ Gusen. Dazu Dr. Christoph Freudenthaler, Vorsitzender des Vereins „Plattform Johann Gruber“: „Wir haben diese drei Akte bewusst so in Auftrag gegeben – wir wollten die Persönlichkeit von Johann Gruber nicht auf die Zeit im KZ Gusen reduzieren.“


„Der Fall Gruber“ wird am 24. Juni 2017 um 20.30 Uhr Mariendom Linz uraufgeführt, eine zweite Vorstellung folgt am 25. Juni 2017 um 20.30 Uhr. Die Aufführung findet kurz vor der Neugestaltung des Innenraums im einzigartigen Ambiente des leergeräumten Doms statt.

 

Flyer zum Download


Ab Herbst 2017 wird das Theaterstück auf Tournee gehen. Das Theaterstück wurde speziell für Kirchen als Spielort konzipiert. Es kann daher von VeranstalterInnen, Pfarren, örtlichen Bildungswerken für die jeweiligen Kirchen gebucht werden. Termine in Vöcklabruck (21. 9.) und Schwanenstadt (22. 10.) sind bereits fixiert.

 

robenfoto von der Rudigierhalle im Linzer Mariendom: Regieanweisung während der Probe. Auf dem Bild zu sehen sind neben Franz Froschauer (als Johann Gruber) Anna Valentina Lebeda (als blindes Mädchen) und Tanja Jetzinger (als Schwester Pacifica).

Probenfoto von der Rudigierhalle im Linzer Mariendom: Regieanweisung während der Probe. Auf dem Bild zu sehen sind neben Franz Froschauer (als Johann Gruber) Anna Valentina Lebeda (als blindes Mädchen) und Tanja Jetzinger (als Schwester Pacifica). © Werner Dedl

 

Bei einer Pressekonferenz am 13. Juni 2017 in Paul’s Bar.Küche.Greißlerei wurden Details zum Theaterstück präsentiert. Am Podium: Autor Thomas Baum, Regisseur und Hauptdarsteller Franz Froschauer, Dr. Christoph Freudenthaler als Vorsitzender des Vereins „Plattform Johann Gruber“ und Bischofsvikar Prälat Mag. Maximilian Mittendorfer als Vertreter der Diözese Linz.


 

„Johann Gruber ist Schutzpatron der Solidarität“


Dr. Christoph Freudenthaler, Vorsitzender des Vereins „Plattform Papa Gruber“, brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass durch das Theaterstück „die schillernde Persönlichkeit Johann Grubers in seinen tiefgründigen menschlichen Facetten mit der Brille des Theaters“ beleuchtet werde. Im Stück werde Johann Gruber „nicht als Lichtgestalt, sondern im Gegenteil sehr realistisch beschrieben, auch mit seiner schwierigen Persönlichkeit“. Freudenthaler bezeichnete Johann Grubers Leben als „Schatz für die Gegenwart“, mit zwei Seiten einer Medaille: „Er war ein höchst liebevoller, fürsorglicher Mensch. Zugleich war er – auch für die Kirche – ein widerständiger, kritischer und unbequemer Zeitgenosse.“ Freudenthaler betonte, Gruber sei für ihn ein „Schutzpatron der Solidarität“: „Sein Leben und Martyrium ermutigt uns zu Fürsorge, gegenseitigem Respekt und Humanität; es mahnt uns aber auch, politisch wach zu sein und unseren Blick für die Anfänge zu schärfen.“ Freudenthaler zeigte sich dankbar, dass die Diözese Linz die Theateraufführung im Linzer Mariendom möglich machte, der am 24. Und 25. Juni wegen der beginnenden Umbauarbeiten leergeräumt sein wird und damit eine ganz spezielle Atmosphäre bietet. „Damit kehrt Gruber, der lange Zeit vergessen war, symbolisch in seine Diözese zurück – an jenen Ort, wo er 1913 zum Priester geweiht wurde.“

 

Dr. Christoph Freudenthaler (Vorsitzender Verein „Plattform Johann Gruber“).

Dr. Christoph Freudenthaler (Vorsitzender Verein „Plattform Johann Gruber“). © Diözese Linz

 

„Innerer Weg des Johann Gruber wird nachvollziehbar“


Autor Thomas Baum erzählte, es habe bis zum Entstehen des Stücks „einige Zeit der Annäherung“ gebraucht. Dass es nun auf die Bühne gebracht werde, sei der Beharrlichkeit des Vereins „Plattform Johann Gruber“ zu verdanken. „Grundsätzlich bin ich zuerst einmal vorsichtig, wenn Projekte von außen an mich herangetragen werden. Als ich aber das Buch von Helmut Wagner über Johann Gruber in meinem Urlaub auf Karpathos gelesen habe, war ich fasziniert von der analytischen Aufarbeitung seiner Person. Und durch das Stück ergab sich endlich auch die Möglichkeit, mit Franz Froschauer zusammenzuarbeiten.“ Die Zusammenarbeit mit dem Verein „Plattform Johann Gruber“ habe er als sehr fruchtbar erlebt, so Baum, ebenso das Miteinander mit Franz Froschauer: „Es ist eine Freude, wenn Kommunikation auf so kurzen Wegen funktioniert, wie das bei uns beiden der Fall ist.“


Gruber sei eine geschichtlich bedeutsame Person im Spannungsfeld zwischen Nationalsozialismus und Kirche, so Baum. „Ich habe großen Respekt davor, dass die Diözese Linz diese Aufführung im Mariendom ermöglicht – es handelt sich um ein heikles Kapitel in der Kirchengeschichte Oberösterreichs.“ Baum bezeichnete Gruber als „systemkritisch, unangepasst, unaufhaltsam, fast manisch in der Umsetzung seiner Pläne“. Mehrfach sei Gruber angeeckt: als Direktor der Blindenanstalt mit Kritik an den althergebrachten Methoden der Kreuzschwestern und mit deutlichen Vorbehalten gegenüber dem Hitler-Regime. Im KZ Gusen sei der bodenständige Geistliche mit seinen Fähigkeiten noch zur Hochform aufgelaufen: „Mit seiner Fähigkeit zum Aussitzen und mit seiner Fähigkeit zum verdeckten Spiel. Er hat dem Schreckensregime der SS widerstanden und sich zugleich damit verbündet – um es zu unterwandern und im Untergrund ein perfekt organisiertes Hilfswerk für seine Kameraden aufzubauen.“ Die drei Stationen im Theaterstück – Blindeninstitut, Prozess und KZ Gusen – sind so gewählt, dass sie nach Froschauer „den inneren Weg von Johann Gruber im äußeren Rahmen nachvollziehbar machen – seine Reise in diesem politisch so problematischen Rahmen“. Gruber habe mit seiner unbequemen Kritik die Keule der Systeme mit voller Wucht zu spüren bekommen, die ihn mundtot machen wollten.

 

Regisseur und Schauspieler Franz Froschauer (l.) mit Autor Thomas Baum

Thomas Baum (r.) mit Regisseur und Schauspieler Franz Froschauer. © Diözese Linz


„Gruber war ‚mit dem Herzen bei den Menschen, mit dem Kopf beim Reformieren‘“


Regisseur und Schauspieler Franz Froschauer hat im Theaterstück „Eichmann“ von Rainer Lewandowski den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann gespielt, der für den Mord an Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war. Nun übernimmt er in „Der Fall Gruber“ die Hauptrolle. Froschauer: „Ich darf mich immer mit komplexen, schwierigen Themen auseinandersetzen. Es ist wichtig, sich angesichts der politischen Situation in der Welt mit solchen Menschen zu beschäftigen.“ Den lebenslangen Einsatz Grubers für Schwächere und Benachteiligte sieht Froschauer in der Sozialisierung und Prägung Grubers grundgelegt: Johann Gruber wurde mit 11 Jahren Vollwaise und nahm sich seiner Geschwister an. Pfarrer Wagnleithner ermöglichte dem Jungen den Besuch des Gymnasiums Petrinum und des Priesterseminars, später kam dank Bischof Gföllner eine Pädagogik-Ausbildung hinzu, bei der Gruber die Reformpädagogik kennenlernte, mit deren Umsetzung er immer wieder aneckte. Froschauer: „Der Schlüsselsatz Grubers im Stück lautet für mich: ‚Mit dem Herzen bin ich bei den Menschen, mit dem Kopf bei der Zukunft, beim Reformieren.‘“ Der Schauspieler hat sich intensiv mit der Person Johann Gruber beschäftigt und möchte ihn „bis zur Uraufführung am 24. Juni in seiner Emotionalität verinnerlichen“, wie er sagt. Sein Wunsch: „Dass sich das Publikum nach der Aufführung fragt: ‚Wie würde in unseren Strukturen ein Gegen-den-Strom-Schwimmer mundtot gemacht oder auch gehört werden?‘“


Grubers Biografie zeige, dass alles „unter dem Dach der Kirche stattgefunden hat – deshalb wollte ich dieses Theaterstück auch unter dem Dach der Kirche präsentieren“, so Froschauer. Das Theaterstück wurde speziell für Kirchen als Spielort konzipiert. Nach den Erstaufführungen im Linzer Mariendom wird „Der Fall Gruber“ ab Herbst 2017 auf Tournee gehen und kann für die oö. Kirchen gebucht werden. Termine in Vöcklabruck und Schwanenstadt sind bereits fixiert.

 

Regisseur und Schauspieler Franz Froschauer

Regisseur und Schauspieler Franz Froschauer (l.) © Diözese Linz

 

„Ein Stück Wiedergutmachung und ein Hereinholen unter das Dach der Diözese“


Bischofsvikar Prälat Mag. Maximilian Mittendorfer als Vertreter der Diözese Linz zeichnete das Bild eines Priesters und Pädagogen, dessen Talent von Kirchenvertretern früh erkannt worden sei, der aber mit der Art und Weise, wie er die Reformpädagogik umsetzte, Konflikte ausgelöst habe. Mittendorfer: „Johann Gruber hat kirchliche Einrichtungen und Vertreter nicht abgeholt und mitgenommen auf seinem Weg, sondern ist vorausgestürmt – und dann hat es gekracht.“ Die Kirche habe im Fall von Johann Gruber zweifaches Unrecht begangen: Zum einen habe sie versäumt, die neue Pädagogik, die Gruber umsetzen wollte, zu würdigen, zum anderen habe sie Gruber nach dessen Tod bzw. nach dem Krieg verschwiegen und vergessen. „Es ist der Ruf hängengeblieben, dass Johann Gruber ein zweifelhafter Charakter war“, so Mittendorfer. Seine juristische Rehabilitierung am 7. Jänner 2016 habe der Diözese Linz vieles leichter gemacht. Für das Linzer Domkapitel und Bischof Manfred Scheuer sei es „keine schwierige Entscheidung“ gewesen, den Mariendom als Aufführungsort für das Theaterstück zur Verfügung zu stellen. Mittendorfer: „Vielleicht kann das auch ein Stück Wiedergutmachung sein – und ein Hereinholen von Johann Gruber unter das Dach der Diözese.“ Für ihn persönlich habe Johann Gruber mit seinem selbstverständlichen, beharrlichen Dasein für die Schwächeren den Kern des Christseins vorgelebt. Mittendorfer: „Für mich ist Johann Gruber ein Heiliger – und Heilige sind ja nicht Menschen, die keine Fehler haben.“

 

Bischofsvikar Mag. Maximilian Mittendorfer

Bischofsvikar Maximilian Mittendorfer. © Diözese Linz

 

„Der Fall Gruber“

Theaterstück von Thomas Baum


24. Juni 2017, 20.30 Uhr Mariendom Linz

25. Juni 2017, 20.30 Uhr Mariendom Linz

Mit Katharina Bigus, Franz Froschauer, Tanja Jetzinger, Alois Kreuzwieser,

Anna Valentina Lebeda, Andreas Puehringer.

 
Inszenierung: Franz Froschauer | Musik: Peter Androsch, Dramaturgie: Franz Huber


Karten:

€ 29,–

Erhältlich im DomCenter Linz oder unter www.oeticket.at.

10 % Ermäßigung für AbonnentInnen der Linzer KirchenZeitung und für InhaberInnen der AK-Leistungscard.

 

Weitere Infos zu Johann Gruber: www.johann-gruber.at

 

Franz Froschauer als Johann Gruber

Franz Froschauer als Johann Gruber. © Werner Dedl

 

Lesen Sie auch: "Die Kirche hat das Problem Johann Gruber abgegeben" (Linzer KirchenZeitung online)

Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: