Friday 24. January 2020

Migration im Gespräch

In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Diese Frage stellte die Journalistin Susanne Scholl am Freitag bei der Veranstaltung „Migration im Gespräch“. „Wir müssen uns überlegen, ob wir in einer multikulturellen, toleranten Gesellschaft leben möchten oder in einer abgeschotteten Gesellschaft, die alles und jede/n, der/die auch nur ein wenig anders ist, anders spricht, anders lebt, ablehnt.“, stellte Susanne Scholl bei ihrem Vortrag fest.

Das Sozialreferat der Diözese Linz lud am 18. Oktober 2019 ins Cardijn-Haus, um die Thematik „Migration“ gemeinsam mit ExpertInnen und interessierten Menschen zu diskutieren. Es gab die Gelegenheit mit dem politisch aktiven Obmann der Organisation „Asyl in Not“, der engagierten Caritas-Mitarbeiterin Theresa Lackner und der renommierten ehemaligen Journalistin und Autorin Susanne Scholl ins Gespräch zu kommen. Rund 30 TeilnehmerInnen nahmen diese Möglichkeit in Anspruch und diskutierten gemeinsam mit den ReferentInnen über politische und zivilgesellschaftliche Handlungsräume im Bereich Migration.

 

Erfolgsgeschichten und Rückschläge

 

Der Vereinsobmann Michael Genner schilderte eindrücklich seine, leider oft negativen, Erlebnisse im Hinblick auf Asylverfahren. Unfaire Entscheidungen, mit teilweise lebensgefährlichen Konsequenzen, seien keine Seltenheit. Die politische Stimmung und die Besetzung der Regierung, darin waren sich alle ReferentInnen einig, haben massive Auswirkungen auf die tägliche, praktische Arbeit von Organisationen und Vereinen, die im Migrations- und Integrationsbereich tätig sind. In den vergangenen Jahren der ÖVP/FPÖ-Regierung hat sich die Lage im Asylwesen weiter verschärft, wie auch schon in den Jahren zuvor.

Eine Erfolgsgeschichte, brachte Reki (Regionalzentren für Integration und Diversität)- Bereichsleiterin Theresa Lackner (Caritas), mit und berichtete von einem afghanischen Jugendlichen, dem es gelang den Beruf seiner Wahl zu ergreifen, trotz bürokratischer und sprachlicher Barrieren. Die „Regionalzentren für Integration und Diversität“ unterstützen Gemeinden bei der Integrationsarbeit. Ein großes Anliegen ist ihnen die Überparteilichkeit und die Zusammenarbeit mit allen Menschen, die gewillt sind sich in diesem Bereich zu engagieren und einzubringen. Natürlich gibt es nicht nur Erfolgsgeschichten, sondern auch schwierigere Szenarien, besonders die Abschiebungen von Jugendlichen, die in den Gemeinden eine Lehre absolvieren und bereits gut integriert sind, sorgt bei Theresa Lackner, ihren MitarbeiterInnen und den betroffenen Gemeinden oft für Unverständnis und Frust.


Die Rolle der Zivilgesellschaft

 

Susanne Scholl betonte die Rolle der Zivilgesellschaft, die trotz widriger politischer Umstände, Erfolge erzielen könne. Im Gespräch mit den TeilnehmerInnen wurden positive Erfahrungen geschildert, es wurden verschiedene Kampagnen und Möglichkeiten thematisiert, darunter die Erstarkung und der erfolgreiche Einsatz der Zivilgesellschaft im Jahr 2015, als vermehrt Schutzsuchende nach Österreich kamen und Privatpersonen und Nichtregierungsorganisationen, die Aufgabe des Staates übernahmen, diese Menschen willkommen hießen und ihnen Schutz und Obdach boten. Sehr wichtig ist es, laut Scholl, dass es eine Gegenstimme zu dem rechtspopulistischen Diskurs, der in den vergangenen Jahren an Kraft gewonnen hat, gibt. Die Gefahr einer Entmenschlichung und Entwürdigung von Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, sei gegeben und dem etwas entgegen zu setzen, ein wichtiger Schritt in Richtung einer humanen und toleranten Gesellschaft.
Eine Frage, die uns tatsächlich den gesamten Abend begleitet hat, war diese: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? In einer verschlossenen oder in einer offenen Gesellschaft? Einer gespaltenen oder verbundenen Gemeinschaft? Die Antwort darauf geben nicht bloß PolitikerInnen, Parteien oder Medien, sondern wir als Menschen, als WählerInnen, AktivistInnen und als Teil dieser Gemeinschaft.

Berichte

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