Tuesday 20. October 2020

Griechische Inseln: Hilfsorganisationen erneuern Evakuierungsappell

Gemeinsame Aussendung von Caritas, Diakonie, Ärzte ohne Grenzen und Rotem Kreuz - Hilfe vor Ort mit Decken und Zelten nicht ausreichend. Caritas-Präsident Landau: "Alle EU-Staaten sind jetzt gefordert, Griechenland zu unterstützen und Schutzsuchende aufzunehmen".

Drei Wochen nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos rufen die Caritas, Ärzte ohne Grenzen, Rotes Kreuz und Diakonie die österreichische Regierung erneut dazu auf, die Evakuierung besonders schutzbedürftiger Personen nach Österreich zu ermöglichen. Die humanitäre Lage habe sich weder auf Lesbos noch auf anderen griechischen Inseln entspannt. Es reicht nicht, Zelte und Decken zu schicken: Evakuierungen sind das Gebot der Stunde, hielten die Hilfsorganisationen am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung fest. Österreich habe sowohl die Kapazitäten und Ressourcen als auch die Kompetenzen, um Kinder, Alte und Kranke aufzunehmen. Griechenland habe sie hingegen eindeutig nicht. Deshalb müsse Österreich jetzt aktiv werden und ein Zeichen der Solidarität setzen.


Caritas-Präsident Michael Landau erinnerte daran, dass sich eine Vielzahl von Orten in Österreich bereiterklärt habe, Kinder und Familien aus Moria aufzunehmen. Hier ließe sich an die gelungenen humanitären Erfahrungen der Vergangenheit anknüpfen", so Landau. Die Hilfe vor Ort - also ein Dach über dem Kopf, Nahrung, sauberes Trinkwasser und medizinische Versorgung - sei zwar ein wichtiger erster Schritt, doch reiche das nicht, um zu verhindern, dass tausende Menschen noch weitere Jahre in menschenunwürdigen Bedingungen ausharren müssen bis sie ein Asylverfahren durchlaufen können.

In diesem Sinne bedauerte die Caritas auch, dass der neue EU-Pakt zu Asyl und Migration den Fokus auf Rückkehr, Grenzkontrollen und Migrationsprävention lege und nicht darauf, jenen den raschen und sicheren Zugang zu Schutz zu gewähren, die diesen am dringendsten brauchen. Für Situationen wie derzeit in Griechenland sehe der Pakt vor, dass Mitgliedsstaaten künftig aus verschiedenen "solidarischen Maßnahmen" wählen dürfen. EU-Staaten hätten dadurch die Möglichkeit zu wählen, Schutzsuchende entweder aufzunehmen oder aber bei deren Rückführung in die Herkunftsländer zu unterstützen. Für die Caritas ist es unverständlich, dass die Hilfe bei Rückführungen mit der Aufnahme Schutzsuchender gleichgesetzt wird. Landau: "Alle EU-Staaten sind jetzt gefordert, Griechenland zu unterstützen und Schutzsuchende aufzunehmen. Auch Österreich sollte sich im Verbund mit anderen EU-Staaten hier engagieren."

Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, schlug in die gleiche Kerbe: Das neue Lager Kara Tepe auf Lesbos, in das mehr als 9.000 Menschen gedrängt wurden, sei ungeeignet als dauerhafte Lösung. Schutzsuchende können dort nicht angemessen versorgt werden. Die Unterbringung in einem Lager wie Kara Tepe entspreche nicht im Mindesten den Vorschriften, wie sie die EU selbst fordert, ergänzte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.


Corona-Brutstätte im Lager Kara Tepe


Laut Ärzte ohne Grenzen gibt es auch bereits unzählige COVID-19-Infektionen in Kara Tepe. Leyser: "Unter diesen Umständen ist es inakzeptabel dort tausende Menschen auf engstem Raum unterzubringen - damit wird das Lager de facto zu einer Corona-Brutstätte." Es gäbe nur einen Weg, die humanitäre Notlage zu entschärfen: "Die Evakuierung der Betroffenen, zuallererst der Familien mit Kindern, der Kranken und der Alten." Die Situation sei zudem nicht nur auf Lesbos katastrophal, auch in den Lagern auf den griechischen Inseln Samos, Chios, Leros und Kos bestehe dringender Handlungsbedarf.


Hilfe für Familien

 

Das Rote Kreuz rief in der Aussendung dazu auf, unbürokratische Hilfe für Familien zu ermöglichen. Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer: "Über den Suchdienst des Roten Kreuzes werden wir vermehrt von Menschen kontaktiert, deren Verwandte auf den griechischen Inseln ausharren. In vielen Fällen haben die österreichischen Behörden eine Familienzusammenführung abgelehnt. Dabei wäre es rechtlich ohne Weiteres möglich, diese Menschen aufzunehmen. So kann das Leid von Menschen gemindert werden, Familien können vereint werden und es kann ganz unbürokratisch geholfen werden."

Die Anzahl der davon betroffenen Menschen sei überschaubar, für die Familien wäre es eine riesige Erleichterung und innereuropäisch wäre es ein solidarischer Beitrag zur Entlastung des griechischen Asylsystems und zur Entspannung der Situation in den Aufnahmelagern.

 

Berichte

Bericht vom Präsidium von Pax Christi Österreich; 27./28. September 2019

Das diesjährige Präsidiumstreffen von Pax Christi Österreich hat am 27. und 28. September 2019 in Linz stattgefunden....

Jägerstätter-Gedenken 2019:

Zentraler Gedanke beim internationalen Jägerstätter-Gedenken am 8. und 9. August 2019: „ProvokateurInnen der...

Begegnungsreise nach Budapest

Budapest ist eine Reise wert. Diese faszinierende Stadt an der Donau mit ihren beeindruckenden historischen Gebäuden...
Frieden
Papst Franziskus hat am 5. Oktober 2020 die Enzyklika "Fratelli tutti" veröffentlicht.

Enzyklika "Fratelli tutti": Papst ruft zu neuer Weltordnung auf

Mit einem eindringlichen Plädoyer für Geschwisterlichkeit und soziale Freundschaft über alle Grenzen hinweg hat Papst...

Pfarrassistent Mag. Thomas Mair und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz Dr.in Charlotte Herman beim Gebet

Gedenkfeier in Schloss Hartheim

Am 1.Oktober 2020 fanden sich zahlreiche Ehrengäste, darunter Angehörige und Nachkommen von Opfern der...

(v.l.) Mag. Christian Zoidl (Dechant Linz-Mitte), Mag.a Stefanie Hinterleitner (Pastoralassistentin Linz-Dompfarre), Dipl.Päd.in Monika Weilguni (Dekanatsassistentin Linz-Mitte), Hubert Gratzer (Leiter Arbeitskreis "Kirche wirkt in der Gesellschaft"

Aufruf des Dekanats Linz-Mitte: #WirhabenPlatz #Moria

Linzer Pfarren und Einrichtungen setzen sich für die Aufnahme von geflüchteten Menschen aus dem griechischen Lager...
Entwicklungszusammenarbeit
Missionsschwester Maria Corda Waldhör CPS verstarb am Coronavirus

Missionsschwester Maria Corda Waldhör CPS verstarb am Coronavirus

Glen Avent in Südafrika ist das Provinzialat der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. 40 Schwestern umfasst die...

 Der langjährige Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz Kardinal Christoph Schönborn (r.) und sein Nachfolger Erzbischof Franz Lackner bei der Pressekonferenz.

Bischofskonferenz: Lebensschutz, Klimavolksbegehren, Flüchtlinge, Respekt gegenüber Religionen

Die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz haben von 15. bis 18. Juni 2020 ihre Sommervollversammlung in...

Abt Ambros Ebhart in der Ausstellung

Stift Kremsmünster: Sonderausstellung "50 Jahre Mission in Brasilien"

Eine Sonderausstellung im Stift Kremsmünster würdigt die Aufbauarbeit der Patres von Kremsmünster und der Schwestern...
Sozialreferat
4020 Linz
Kapuzinerstraße 84
Telefon: 0732/7610-3251
Telefax: 0732/7610-3779
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: