Sunday 15. December 2019

Energiewende im Verkehr rascher voranbringen

Der Energiebedarf des Verkehrs hat sich in Österreich seit dem Jahr 1990 fast verdoppelt. Fast 90 Prozent der Energie benötigt der Kfz-Verkehr, die Abhängigkeit vom Erdöl ist groß. Ohne Energiewende im Verkehr sind die Klimaziele nicht erreichbar.

Der Energiebedarf des Verkehrs in Österreich war noch nie so hoch wie heute. Im Jahr 2018 benötigte der Verkehrssektor bereits 401 Petajoule, das waren 36 Prozent von Österreichs Endenergieverbrauch und fast doppelt so viel wie im Jahr 1990. Der größte Energiefresser ist der Kfz-Verkehr, der 89 Prozent der Energie benötigte. Der Kfz-Verkehr ist noch zu über 90 Prozent von Erdöl abhängig. Im Jahr 2018 musste Österreich dafür um 7,7 Milliarden Euro Erdöl- und Erdölprodukte importieren. Da beim Verbrennen von Diesel und Benzin viel klimaschädliches CO2 entsteht, sind auch die CO2- Emissionen seit dem Jahr 1990 massiv gestiegen. Der Großteil der im Verkehr eingesetzten Energie ist fossilen Ursprungs. Der Strom- Anteil ist seit dem Jahr 2000 nicht gestiegen.


Verkehr auf erneuerbare Energie umstellen


Österreich hat bis zum Jahr 2030 für den Verkehr eine Reduktion der Treibhausgase auf höchstens 15,7 Millionen Tonnen beschlossen, das sind um 8,2 Millionen Tonnen weniger als im Jahr 2018. Diese Einsparung ist nur möglich, wenn der Verkehrsaufwand reduziert wird, eine starke Verlagerung auf klimaverträgliche Mobilität, wie Öffentlicher Verkehr, Radfahren und Gehen gelingt und die Effizienz des Kfz-Verkehrs erhöht wird. Der Elektro-Antrieb ist energieeffizienter als andere Antriebsformen und in Kombination mit Ökostrom essentiell für die Energiewende im Verkehr.


Anstatt zu sinken hat der Energiebedarf des Verkehrs in Österreich weiter zugenommen und sich seit dem Jahr 1990 fast verdoppelt. Verursacher dieser Entwicklung sind im Personenverkehr der zunehmende Verkehrsaufwand durch Zersiedelung, der sinkende Pkw-Besetzungsgrad, der auf hohem Niveau stagnierende reale Spritverbrauch, die starke Zunahme der Anzahl der Pkw und eine Infrastrukturpolitik, die weiter auf Straßenausbau setzt, während der Ausbau der Schiene und der Rad-Infrastruktur zu langsam vorangeht. Im Gütertransport treibt der Lkw-Verkehr den Energiebedarf in die Höhe. Und die im EU-Vergleich niedrige Mineralölsteuer in Österreich ist verantwortlich für den Kraftstoffexport durch Transit-Lkw. Österreichs nationale Klima- und Energiestrategie schreibt für den Verkehr eine Reduktion der Treibhausgase um ein Drittel bis zum Jahr 2030 vor. Zuletzt sind die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs statt zu sinken aber weiter gestiegen. Mit den bisher beschlossenen Maßnahmen würde Österreich sein Klimaziel im Verkehr deutlich verfehlen.


Klimaschädliche Erdöl-Abhängigkeit teuer


93 Prozent der Energie bezieht der Kfz-Verkehr aus Erdöl. Das belastet Umwelt und Luftqualität. Beim Verbrennen von einem Liter Benzin entstehen rund 2,3 Kilogramm CO2, von Diesel sogar rund 2,6 Kilogramm CO2. Und die Erdöl-Importe verschlechtern Österreichs Handelsbilanz. Österreich importierte seit dem Jahr 2010 für den Bedarf des Verkehrs Erdöl um über 51 Milliarden Euro. Allein im Jahr 2018 machten die Erdölimporte für den Verkehr 7,7 Milliarden Euro aus. Da ein Großteil des Erdöls aus politisch instabilen Regionen kommt, ist der Erdölpreis sehr volatil– mit negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und private Haushalte. Mit Verlagerung von Autofahrten auf Bahn und Bus wird der Energiebedarf stark reduziert. Bei kürzeren Strecken sind Radfahren und Gehen am energieeffizientesten.


Energieverbrauch des Verkehrs reduzieren


Österreichs Bundesregierung hat im Jahr 2018 mit der Energie- und Klimastrategie das Ziel einer dekarbonisierten Energieversorgung bis zum Jahr 2050 beschlossen. Alle Sektoren, neben dem Verkehr auch Haushalte und Industrie, sind vonfossiler Energie unabhängig zu machen. Erneuerbare Energie steht nur begrenzt zur Verfügung. Der Verkehrssektor muss daher seinen Energiebedarf stark reduzieren. Ein Antriebswechsel zum Elektromotor reicht dafür nicht aus. Es braucht vor allem eine Reduktion des Verkehrsaufwands durch ein Ende der Zersiedelung und eine verkehrsparende Raumordnung. Ortskerne und Nahversorgung sind zu stärken. Zudem ist eine verstärkte Verlagerung vom Pkw zu energieeffizienten Mobilitätsformen wie Öffentlicher Verkehr, Radfahren und Gehen nötig. Pro Personenkilometer haben Linienbusse einen um 77 Prozent und die Bahn sogar um 85 Prozent niedrigeren Energieverbrauch als Diesel-Pkw. EMobilität ist in Österreich derzeit vor allem Öffentlicher Verkehr: 96 Prozent der e-mobilen Verkehrsleistung wird von Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen,O-Bussen und E-Bussen erbracht.


Wasserstoff und E-Fuels wenig effizient


Wesentlich für die Erreichung der Energieund Klimaziele ist auch, die Energieeffizienzdes Pkw-Verkehrs deutlich zu verbessern. Der Energiebedarf von batterie-elektrischen Pkw ist im Schnitt um 38 Prozent niedriger als jener von Diesel-Pkw. Der CO2-Ausstoß ist in seiner Gesamtbilanz – von der Batterie- und Fahrzeugherstellung bis zum Betrieb – pro Kilometer mit österreichischem Strommix um 55 Prozent niedriger als von Diesel-Pkw und mit Ökostrom sogar um 76 Prozent niedriger. Der Wirkungsgrad der batterie-elektrischen Pkw ist im Vergleich zu Pkw mit Brennstoffzelle (Wasserstoff) zweieinhalb Mal so hoch, im Vergleich zu E-Fuels (power-to-liquid) sogar fünfmal so hoch. Ein weiteres Problem bei Wasserstoff: 96 Prozent des globalen Wasserstoffs werden derzeit mit fossilen Brennstoffen erzeugt.
Aber Wasserstoff und E-Fuels aus erneuerbarer Energie werden bei schweren Fahrzeugen, wie beispielsweise Lokomotiven, im Flugverkehr und Schiffsverkehr zukünftig eine Rolle spielen.
 
Die Kapazitäten für die Ökostrom-Produktion sind beschränkt. Der gewonnene Strom ist daher effizient einzusetzen. Im Pkw-Bereich sind E-Pkw mit batterie-elektrischem Antrieb am effizientesten.


Ökostrom ist naturverträglich auszubauen


Analysen zeigen, dass die Ökostrom-Produktion in Österreich bis zum Jahr 2050 auf rund 100 TWh verdoppelt werden kann. Der Ökostrom-Ausbau ist eine Voraussetzung für das Erreichen der Klimaziele, eine Reduktion des Gesamtenergiebedarfs ist nötig. es braucht unter anderem einen längerfristigen Förderrahmen und einen Zeitplan für den Ausstieg aus fossiler Energie. Spätestens ab dem Jahr 2030 sollten keine Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor auf den Markt kommen. E-Carsharing und E-Kleinfahrzeuge können den Energiebedarf des Pkw-Verkehrs zusätzlich reduzieren.


E-Mobilität kann Stromnetz stabilisieren


Der Umbau auf volatile Energiequellen stellt das Stromsystem vor große Herausforderungen. Im Verkehrssektor können Elektro-Fahrzeuge durch gesteuertes Laden die Stromnachfrage zeitlich verschieben oder die Batterie durch bidirektionales Laden und Entladen dem Stromsystem als Speicher zur Verfügung stellen. Dadurch könnten E-Pkw helfen, Strombedarfsspitzen abzudecken und das Stromnetz zu stabilisieren. Aufholbedarf hat Österreich bei der Ladeinfrastruktur. Insbesondere die Nachrüstung von E-Ladestationen in Mehrparteienwohnhäusern ist durch eine Änderung im Wohnrecht rasch zu erleichtern.


Güterverkehr auf Klimakurs bringen


Beim Gütertransport ist der Anteil der Schiene deutlich zu erhöhen und der Lkw-Verkehr zu elektrifizieren. Bei kürzeren Strecken sind batterie-elektrische Lkw als Ersatz für Diesel-Lkw schon heute eine Option. Für längere Strecken stehen in Zukunft Wasserstoff-Lkw und Oberleitungs-Lkw als mögliche Technologien zur Verfügung. In den Städten sind Cargo-Bikes und E-Transporter schon heute stärker einzusetzen. Mangelnder Klimaschutz im Verkehr kommt Österreich teuer. Ohne zusätzliche Maßnahmen werden die Verfehlungen im Verkehrsbereich CO2Zertifikatszukäufe in der Höhe von mehreren Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 nötig machen. Deshalb ist die rasche Abschaffung von Steuerbegünstigungen für fossile Energieträger nötig. Auch die Bepreisung des CO2-Ausstoßes ist eine wirksame Maßnahme, wie internationale Beispiele zeigen. So hat Schweden bereits im Jahr 1991 eine CO2-Steuer eingeführt und schrittweise erhöht. Die Steuern für niedrige und mittlere Einkommen wurden gesenkt. Im Zeitraum 1995 bis 2017 hat Schweden seine CO2-Emissionen um 26 Prozent reduziert, während sie in Österreich im gleichen Zeitraum um vier Prozent gestiegen sind. Das Wirtschaftswachstum warin Schweden mit 74 Prozent deutlich höher als in Österreich mit 49 Prozent.
 
Schweden hat im Jahr 1991 eine CO2-Steuer eingeführt. Die CO2-Emissionen sind um ein Viertel gesunken. Und die Wirtschaft hat sich deutlich besser entwickelt als im EU-Schnitt oder in Österreich.


NoVA noch deutlich stärker ökologisieren


Auch in Österreich ist die Energiewende durch eine CO2-Abgabe im Rahmen einer ökosozialen Steuerreform zu beschleunigen. Um den Energiebedarf von Neuwagen rascher zu reduzieren, ist die Normverbrauchsabgabe (NoVA) stärker zu ökologisieren. Ergänzend zur prozentuellen Höhe der NoVA sollte ein Fixbetrag pro Gramm CO2 unabhängig vom Kaufpreis eingeführt werden. Die bestehende Höchstgrenze von 32 Prozent ist aufzuheben, der derzeitige pauschale Abzugsbetrag von 300 Euro zu streichen. Auch die Firmenwagenbesteuerung ist zu reformieren. Der monatliche Sachbezug soll für Pkw mit Verbrennungsmotor auf 2,5 Prozent des Anschaffungspreises erhöht werden, die Deckelung des Sachbezugs ist abzuschaffen. Und es soll eine CO2-Grenze geben, ab der Unternehmen einen Firmen-Pkw nicht mehr steuerlich absetzen können.

 

(Quelle: VCÖ-Schriftenreihe: Mobilität mit Zukunft)

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