Donnerstag 16. August 2018

Meditation und Klosterheilkunde in Gut Aich

Seit der Gründung des Europaklosters Gut Aich haben die Mönche eine Form der Meditation konzipiert und verwirklicht – auf Basis benediktinischer Spiritualität.

 

Dass ich der Verein „Europäische Klosterheilkunde Gut Aich“ mit dem Anbau, der Zubereitung und der Anwendung von Heilkräutern beschäftigt, liegt auf der Hand. Dass aber Meditation und Meditationsleitung etwas mit Klosterheilkunde zu tun hat, muss zuerst einmal vermittelt werden.

Um diesen Zusammenhang bewusster zu machen, wird seit der Gründung des Klosters Gut Aich eine besondere Form von Meditation geübt, die wir gemeinsam im Kloster Gut Aich konzipiert und verwirklicht haben. Es ist eine Form der Meditation, die auf der Basis benediktinischer Spiritualität und der TZI (Themenzentrierte Interaktion Ruth C. Cohn) als Methode uns hilft, diese Form der Meditation zu vermitteln und anzuwenden.

Wenn wir über benediktinische Meditation und Spiritualität sprechen, ist es wichtig zu begreifen, dass benediktinische Spiritualität Beziehung ist: Beziehung zu sich selber, zu anderen, zu all meinen Lebensvollzügen, zu meiner Umwelt und zu Gott.

 

 

Die Grundlagen benediktinischer Meditation

Die Grundlage benediktinischer Meditation ist die Achtsamkeit des Herzens, die im ersten Wort der Regel des heiligen Benedikt, dem Wort „Höre“ ausgedrückt ist. Zu diesem „Hören“ kommt die Ehrfurcht vor allem Lebendigen und die Überzeugung, dass der Mensch eine Einheit von Leib und Seele ist. Um dies zu begreifen, ist es notwendig, den Weg der Menschwerdung zu gehen. Nach der Regel des heiligen Benedikt wird dieser Weg als ein Weg der Demut (Humilitas) verstanden. Diese Haltung sagt, dass Mensch sein und Mensch werden und unser Bewusstsein in einem beständigen Wandlungsprozess stehen, dass wir immer wieder selbst zu Humus werden um zur Erde zurückzukehren, damit Leben immer wieder einen neuen Anfang nehmen kann. Die Demut beinhaltet auch den Humor, die heitere Gelassenheit, die uns in Freude leben lässt. Zu diesen Grundhaltungen kommen das gute Maß, die Mutter aller Tugendenden, und die Überzeugung, dass Gebet und Arbeit, das ganze Leben in gleichem Maß Gottesdienst sind. Wenn ich bewusst diese vielfältigen Beziehungserfahrungen einübe und lebe, komme ich zu einer Gotteserfahrung, die zugleich – theologisch gesprochen – eine Christuserfahrung ist. Möglich wird dieser Weg, wenn Lebenserfahrungen nach einer gemeinsamen Regel und Lebensrhythmen angenommen werden.

 

Die Schwerpunkte benediktinischer Meditation

Die Schwerpunkte benediktinischer Meditation leiten sich aus der Regel des heiligen Benedikt ab. Es sind Selbstständigkeit oder Eigenständigkeit und Mitverantwortung und die Überzeugung, dass Leben in einem beständigen Wandlungsprozess und in Bewegung geschieht. Dazu kommt die innere Verpflichtung zum gemeinsamen Hören und zum Umsetzen des gemeinsam Gehörten, das in der Regel des heiligen Benedikt „Gehorsam“ genannt wird.

Dieser Weg des gemeinsamen Hörens und Handelns in der Meditation ist der Weg in eine innere und äußere Freiheit. Es gehört mittlerweile zum allgemein angerkannten Wissen, dass Meditation nicht nur ein sich Versenken und nach innen Gehen ist, sondern sich heilend auf Leib und Seele auswirkt. Diese Haltung ist lebensfördernd, weil sie den Menschen zur Ruhe bringt, aber ihn auch gleichzeitig zum verantwortlichen Handeln in seinem Leben führt. Es ist eine aktive und zugleich auch kontemplative Haltung. Es geht zum einen darum, in der Mitte des eigenen Seins zu Ruhe zu kommen und gleichzeitig fähig zu werden, verantwortlich als einzelner und in Gemeinsacht zu handeln. Meditation heißt also nicht nur auf einem „Schemel“ sitzen und fromm vor sich hindämmern, sondern sich aussetzen und der Wirklichkeit des Lebens und der Wirkung Gottes in sich selbst Raum zu geben. Diese Haltung kann man sich nicht einem Schnellkurs aneignen, sondern es bedarf einer intensiven Auseinandersetzung und Übung.

Meditation heißt dann auch lernen sich selbst zu leiten und andere anzuleiten und zu begleiten. Sie ist kein frommer Selbstzweck. Dazu ist es notwendig, heilende Strukturen, geistliche räume und Erfahrungsfelder zu schaffen.

Nach der benediktinischen Spiritualität kann jede Haltung und Handlung, jede innere und äußere Bewegung zum Gottesdienst werden, wenn dabei die Dimension der Transzendenz bewusst geachtet wird. Dazu hilft, wenn räume der Stille und des Schweigens geschaffen werden. Meditation braucht eine liebevolle und aufmerksame Einführung und sie braucht eine verantwortliche Leitung, die sowohl mit Schwächen und Stärken, als auch mit Versagen und Störungen umzugehen weiß. Der Meditierende ist nicht der perfekte Mensch, sondern er ist derjenige, der fähig ist, eigene und fremde Wunden zu sehen, anzunehmen und zu heilen. Deshalb ist Meditation nach der Regel des heiligen Benedikt auch eine Haltung, die lehrt mit Krankheit und Gebrochenheit umzugehen. Die Sorge und der Dienst für die Kranken stehen in der Spiritualität der Regel an oberster Stelle. Dazu kommt die Fähigkeit, Gastfreundschaft zu üben, das heißt das Fremde in sich und in anderen anzunehmen und mit Gästen menschlich und geistig zu wachsen. Wenn Meditation die Stille lehrt und bewahren will, heißt es aber auch, dass Meditierende lernen, eine vernünftige und ausgewogene Kommunikation einzuüben.

Durch Meditation wir klarer, wie alle Lebensvollzüge transparenter gestaltet werden können. Die Lebenskompetenz des Einzelnen wird dadurch erhöht. Dies setzt voraus, dass der Meditierende sowohl für sich allein, also auch einsam sein kann, als auch fähig sein muss, gemeinsam zu üben und zu handeln. Diese Einsicht wird gelernt und geübt durch Selbstverantwortung und Mitverantwortung.

 

Der Weg der Meditation

Für viele ist es einleuchtend, dass der Weg der Meditation von außen nach innen ins Zentrum des Lebens führt. Genauso aber muss dieser Weg von innen nach außen führen. Das „Achtsame Hören“ ist die Grundlage für das „Hören“ nach innen und nach außen. Wenn Meditation geübt wird, dann muss diese Bewegung, ganz gleich in welche Richtung, zur inneren Ruhe führen. Sie leitet an, achtsam sich seiner selbst und seiner Umgebung gewahr zu werden. Auf diesem Weg erkennen Menschen sich selbst, bleiben aber nicht in sich gefangen, sondern übernehmen Verantwortung nach innen und außen. Wenn die Einheit von Innen und Außen, von Oben und Unten erfahren wird, sprechen wir von mystischen Erfahrungen. Diese mystischen Erfahrungen sind in allen Religionen gleich. Sie ereignen sich im Hier und Jetzt. Der große Lehrer, um in der Gegenwart zu leben, ist der Atem. Im Ein- und Ausatmen ereignet sich das Grundprinzip des Lebens. In diesen Weg werden alle Bereiche des Bewusstseins und des Unterbewusstseins mit einbezogen. In der Verbindung aller Lebenserfahrungen findet der Meditierende zum „Wahren Selbst“, das uns nach den Worten von Mystikern in den innersten Bereich des göttlichen Selbst führt. Dieser Weg zum „Inneren Selbst“ ist ein Weg der lebendigen Lebens- und Gottesbeziehung. Die Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt drückt diese in dem Satz aus: „Er wohnte ganz bei sich selbst im Angesicht Gottes.“

Als lebendige Lehr- und Lernmethode für Meditation hat sich in Gut Aich die Themenzentrierte Interaktion (TZI), die von Ruth Cohn entwickelt wurde, bewährt. Das Wertesystem dieser Methode ist kompatibel mit dem Wertesystem der Regel des heiligen Benedikt. Beim gemeinsamen Lernen der Meditation ist der Weg in die eigenen Mitte ebenso wichtig, wie der Weg in die Gruppe und zur Gruppe und die Auseinandersetzung mit einem konkreten Thema oder einer Aufgabe. Je mehr ich mich selbst als eine „Gruppe“ wahrnehme, desto mehr nehme ich auch die Gruppe, mit der ich meditiere wahr. Durch die Interaktion, durch Hören, Reden, Schweigen, Bewegen und kreatives Gestalten werden lebendige Lernerfahrungen gemacht.

 

 

Themen des Weges

Umd den Weg in die Mitte zu vermitteln, haben sich in einem ausgewogenen Ausbildungskonzept im Kloster Gut Aich folgende Schwerpunkte bewährt.

Das erste Ziel ist die Erfahrung von Raum und Zeit im Hier und Jetzt. Wir leben in dieser Raumzeitwirklichkeit. Spirituell gesprochen wird diese Raumzeitwirklichkeit als das „Haus Gottes“ bezeichnet. Ebenso wichtig ist die Erfahrung des Leibes in seinen vielfältigen Bewegungen. Deshalb wird ein Teil der Ausbildung auch der Körperbewegung, der Körpermeditation und dem Tanz gewidmet. Denn ich meditiere ja nicht nur in meiner Seele, sondern auch in meinem Leib.

Eine große Herausforderung, das Schweigen und das Hören, muss eingeübt werden, um alles Überflüssige und Störende sich bewusst zu machen und abzugeben. Dies ist kein Verstummen, verbietendes Nichtreden, sondern die Erfahrung der Stille und der Fülle des Lebens. Das Fasten gehört wie das Schweigen zur Meditation. Dabei geht es nicht nur um weniger Essen, sondern um die Überzeugung, dass oft in der Reduktion der größte Gewinn liegt. Während des Weges in die Mitte tauchen viele Traumbilder und Gestalten auf. Sie wollen verstanden werden. Deshalb ist es gut, sich mit den Traumbildern und Gestalten auseinanderzusetzen. Meditation ohne Leitung (Selbstleitung und Fremdleitung) ist nicht möglich. Diese Leitung ist aber ein klares und behutsames Begleiten und wird als Dienst am Leben der Menschen verstanden. Dass zur benediktinischen Meditation die Liturgie und der Gottesdienst gehören ist selbstverständlich. Deshalb nehmen in der Ausbildung zur Meditationsleitung im Kloster Gut Aich auch die Feier der Liturgie, des Gebetes und des Gottesdienstes einen selbstverständlichen Raum ein.

 

Meditation als Grundlage der Klosterheilkunde

Klosterheilkunde will eine Hilfe sein um ganzheitliches, gesundes und zufriedenes Leben zu fördern. Dazu sind die Schulung der Achtsamkeit und die Intensivierung der Wahrnehmung wichtige Voraussetzungen. Sie helfen sich selbst, den anderen, alle Lebensvollzüge und die transzendenten Zusammenhänge bewusst zu machen. Das intensive Erkennen und die mehrdimensionalen Wirkungen von Heilpflanzen werden dadurch ebenso gefördert, wie bewusste Bewegung und ausgewogene Lebensgestaltung. Wir wissen, dass ich Heilwerden und Heilen leichter verwirklichen lassen, wenn die Lebenshaltungen der Achtsamkeit, der Wertschätzung, und der Discretio Grundlagen des Denkens, Redens und Handelns sind. Meditation hilft diese Grundhaltungen einzuüben und im konkreten Leben zu verwirklichen. Deshalb bieten wir im Kloster Gut Aich seit zwanzig Jahren Ausbildungskurse für MeditationsleiterInnen an.

 

 

Der Ausbildungslehrgang für MeditationsleiterInnen

Seit zwanzig Jahren gibt es im Kloster Gut Aich einen zweijährigen Ausbildungslehrgang für MeditationsleiterInnen: „Wohnen bei sich selbst im Angesicht Gottes“. Wir bieten unter der Leitung von Diplompädagogin Gabriela Broksch und Mag.a Susanne Gross einen solchen Lehrgang an.

 

Informationen über diesen Ausbildungslehrgang finden Sie detailliert unter www.katholischesbildungswerk.at /Lehrgänge. E-Mail: kbw@dioezese-linz.at.

Dieser Lehrgang wird in Kooperation mit dem katholischen Bildungswerk und der pädagogischen Hochschule der Diözese Linz veranstaltet. Er ist mit 21 ECTS (European Credits) vom Bundesministerium anerkannt. Die TeilnehmerInnen erwartet ein intensiver zweijähriger Ausbildungskurs, indem sie angeleitet werden, ihren persönlichen Meditationsweg zu finden und zu gehen, der Kraft, Orientierung und Halt im alltäglichen Leben gibt. Sie erleben gemeinsam praktizierte Meditation als vertiefend, erweiternd und stützend. Lebendiges und ganzheitliches Lernen und Arbeiten in und mit Gruppen wird durch die TZI vermittelt.

Zusätzlich zu den sechs Wochen Ausbildungszeit im Kloster Gut Aich gibt es während des Jahres regionale Vertiefungstreffen. Die Themen des Ausbildungslehrgangs:

  1. Raum – Leib – Stille
  2. Traum – Bilder – Gestalten
  3. Schweigen – Hören – Leben
  4. Fasten – Atmung – Wandlung
  5. Rhythmus – Bewegung – Tanz
  6. Den Weg in die Mitte vermitteln

Als Voraussetzung für einen Abschluss mit einem Zertifikat ist die Bereitschaft notwendig, sich auf prozesshaftes Lernen und Leben einzulassen. Sie brauchen dazu eine gute psychische Stabilität und die Fähigkeit, der Stille in sich Raum zu geben. Vorerfahrungen in Meditation sind hilfreich. Der Kurs beginnt mit einem Einführungstag oder mit einem persönlichen Einführungsgespräch. Bindend ist die Teilnahme an allen Kursterminen und die Bereitschaft, das Gelernte weiterzugeben. Von den TeilnehmerInnen, die ein Abschlusszertifikat wollen, ist außerdem die Durchführung und Dokumentation eines eigenen Praxisprojektes gefordert. Falls Sie Interesse haben, melden Sie sich bitte bei Frau Dipl.-Päd.in Gabriela Broksch: gabriela.broksch@dioezese-linz.at.

 

 

Die beiden Leiterinnen und Begleiterinnen des Ausbildungskurses Gabriela Broksch und Susanne Gross haben seit zwanzig Jahren im Kloster Gut Aich Erfahrungen als Meditationslehrerinnen und geistliche Begleiterinnen.

 

P. Johannes Pausch OSB

 

aus: natürlich besser leben. Das Gesundheitsmagazin aus Salzburg, Dezember 2014, S. 23 – 26

 

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