Sunday 21. July 2019
Pfarrliche Öffentlichkeitsarbeit

Pfarrfest als Begegnungsort

Wollen wir mit unserem Pfarrfest Geld verdienen? Oder der Pfarrbevölkerung fröhliche Begegnungen ermöglichen? Die Antwort auf diese Fragen spielt eine entscheidende Rolle, wie ein Pfarrfest gestaltet wird, weiß Josef Weichselbaumer, bis 2003 Leiter der Abteilung Pfarrgemeinde und Spiritualität zu berichten. Auch wenn sich seit 2001 manches geändert hat: Die Frage, wie ein Pfarrfest gestaltet wird, liegt in den Händen des Pfarrgemeinderates oder eines Fachausschusses Feste.

 

Zum Ende des Arbeitsjahres oder um das Erntedankfest herum gibt es in vielen Pfarren Pfarrfeste. Häufig lösen sie die früheren Pfarrbälle ab, die mit viel Vorbereitungsarbeit oft nur mehr wenige BesucherInnen anziehen.
Pfarrfeste sind meist im Freien – selten gibt es Hallen oder Zelte, die groß genug und finanzierbar sind. Die einen nehmen dafür den Sonntag Vormittag nach dem Hauptgottesdienst her, mit Dauer bis in den mittleren Nachmittag hinein, andere wählen den Samstag vom frühen Abend bis Mitternacht.
Ist so ein Fest zu planen, tauchen viele mögliche Ideen auf, die man von anderen Festen im Ort kennt - und die Frage: Was wollen wir eigentlich mit unserem Pfarrfest und für wen machen wir es?
Die Antwort ist meist überall gleich: Es soll ein Fest sein, zu dem alle Pfarrangehörigen eingeladen ist, und alle sollen sich gut unterhalten. Und Geld soll auch hereinkommen. Wenn nun in Oberösterreich (Zahlen von 1999) 20,4 % der Katholiken Kirchgänger sind, sollen sich also bei den Pfarrfesten auch jene ca. 80 % der Pfarrangehörigen angesprochen fühlen, die nicht regelmäßig am Pfarrleben teilnehmen und das auch nach dem Pfarrfest wahrscheinlich nicht tun werden. Das bedeutet, die Hauptzielgruppe sind eigentlich meist die Distanzierteren. (In einer konkreten Stadtrandpfarre sieht das z. B. so aus, dass den 270 GottesdienstbesucherInnen etwa 700 PfarrfestbesucherInnen gegenüberstehen, wobei von den 270 vielleicht die Hälfte zum Pfarrfest kommen. Das reale Ver0hältnis beträgt hier also eher 150 : 550)

Warum kann es sinnvoll sein, so ein Pfarrfest zu veranstalten?
* Die Kirche geht damit aus der Kirche hinaus. Viele, die sich nicht regelmäßig am Pfarrleben beteiligen, stehen der Pfarre wohlwollend gegenüber. Wenn die Kirche ihnen entgegenkommt, bleibt es auch so. Das ist schon was wert.
* Es wird erlebbar, dass zur Pfarrgemeinde auch jene gehören, die nicht regelmäßig an den Gottesdiensten teilnehmen. Das ist für sie eine wichtige Botschaft. Gleichzeitig hält es das Denken der Engagierten auf diese Menschen hin offen.
* Die Mitglieder der Pfarrgemeinde kommen auf kirchlichem Boden miteinander ins Gespräch. Am Sonntag tun dies ein Teil der Gottesdienstteilnehmer noch am Kirchenplatz, aber sonst gibt es davon nicht viel. Auf diese (hier bescheiden mögliche) Weise erleben sich die Menschen als Kirche, als Pfarrgemeinde.
* Hat eine Pfarre gerade größeren außergewöhnlichen Geldbedarf, können auch einmal die Finanzen das Geschehen prägen.
Die Planer kommen jedenfalls nicht darum herum, sich für ein Hauptziel des Pfarrfestes zu entscheiden. Die Pole, viel Gewinn zu erzielen und die Pfarrgemeinschaft zu erleben, gehen nicht immer zusammen.

Der PGR einer Pfarre hat das Pfarrfest wie folgt konzipiert:

Fragen am Anfang
Welchen Charakter soll das Fest überhaupt haben? Geht es uns darum, viel Gewinn zu erzielen? Soll die Pfarrgemeinschaft erfahrbar werden? Sollen Kinder und Familien stärker angesprochen werden? Sollen die Gäste gut bedient werden oder wollen wir mit möglichst wenig MitarbeiterInnen auskommen? Wollen wir ein gutes Programm bieten oder sollen die Leute viel miteinander ins Gespräch kommen? Welchen Festgeist - welche Botschaft - sollen die Leute spüren?
Die Entscheidung darüber hat konkrete Auswirkungen auf alle weiteren Schritte. Soll viel Geld hereinkommen, machen wir vielleicht eine Seidelbar und eine Schnapsbude. Wollen wir Familien und Kinder ansprechen und keine Betrunkene haben, müssen wir das weglassen ...

Zielsetzungen
Der PGR hat sich für Folgendes entschieden:
Ein Fest mit viel Gesprächsmöglichkeit und Kinderfreundlichkeit und sowie möglichst wenig Alkoholkonsum und mit der Absicht, finanziell positiv abzuschließen, aber keine großen Gewinne anzustreben. Die FestbesucherInnen sollten spüren, dass wir uns über sie freuen und nicht nur über ihr Geld. Außerdem sollten nicht zu viele MitarbeiterInnen lange Dienste machen müssen.

Maßnahmen
Das hatte konkret zur Folge:
* Festbeginn: Samstag um 17.00 Uhr, Ende der Ausschank um 23.00 Uhr, um Mitternacht ist Schluss.
* Niedrige Preise für nicht alkoholische Getränke, eher Volksfestpreise für alkoholische Getränke, keine harten Getränke.
* Keine bekannte Musikband, sondern ortansässige Musiker, Leute aus der Pfarre, die man kennt, auch wenn die musikalische Qualität nicht sehr ausgeprägt ist, und die um eine Jause spielen, oder maximal ein Alleinunterhalter.
* Die Ehejubilare (Silberhochzeiten ...) werden besonders eingeladen und begrüßt.
* Keine Eintrittsgebühren.
* Ein Spielprogramm der Jungschar und zu beginnender Dunkelheit ein Feuer für die Kinder.
* Keine aufwendige Kotelettgrillerei, sondern nur zwei Sorten gegrillte Würste.
* Der Pfarrer und der PGR-Obmann werden nicht zur Arbeit eingeteilt, sondern schauen, dass sie mit möglichst vielen Leuten ins Gespräch kommen. Vor allem die kirchlich Distanzierteren sollten erleben, dass ihre Anwesenheit gesehen und geschätzt wird.
* Ein Mitarbeiter fotografiert interessante Gesprächs-, Tisch- und Spielszenen und bietet später die Fotos an.

Reflexion
Schon bei der Planung wurde drei Wochen nach dem Fest eine Nachbesprechung terminisiert. Dazu sind alle, die Dienste verrichtet haben, eingeladen. Es gibt dabei Gulaschsuppe, Brot und Getränke, sodass nicht mehr viel Arbeit anfällt.
Hier wurde analysiert, ob der Festcharakter erreicht wurde, das Finanzergebnis berichtet und den MitarbeiterInnen der Dank ausgesprochen. Auch die Fotos wurden gezeigt. Wer welche haben wollte, bekam sie kostenlos. Die Erfahrungen wurden für die Festplanung des nächsten Jahres aufgeschrieben (inklusive verbrauchte Speisen und Getränke). Durch geringen Personaleinsatz und Schichtbetrieb hatte niemand länger als drei Stunden arbeiten müssen, sodass auch für die MitarbeiterInnen das Fest ein Fest war.

Was einem Pfarrfest sonst noch gut ansteht
* Umweltfreundlichkeit: Bezirksabfallverbände und Stadtgemeinden haben meist Geschirrmobile zum Ausborgen. So braucht man keine Plastik- oder Papierbecher und -teller und es fällt wenig Müll an.
* In einem Ort, in dem es auch eine größere evangelische Gemeinde gibt, wechseln sich die beiden Konfessionen mit dem Pfarrfest jährlich ab. Die eine Kirche gestaltet das Fest, die andere nimmt teil und arbeitet auch mit. Das wird nur für wenige Pfarrgemeinden möglich sein, aber bewusste Gastfreundschaft über die eigenen Grenzen hinaus ist generell angebracht.
* Durch alles Planen hindurch sollte bewusst bleiben, was eigentlich zu feiern ist: dass es hier so viele Christen gibt, dass wir eine lebendige Pfarre sind, dass wir als Christen viel Grund zur Fröhlichkeit haben, dass wir einander keine perfekten Spiele vormachen brauchen, dass wir uns für einander interessieren, dass jeder wichtig ist ...
Das schlägt sicher durch, es wird ein Fest sein.

 

Rechtsinformation: Ab einer gewissen Höhe der Einkünfte bei einem Pfarrfest sind Abgaben zu entrichten. Bei künstlerischen Darbietungen wird AKM relevant.

(Aus: PGR-Press April 2001)

Josef Weichselbaumer

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