Tuesday 9. March 2021

Alles hängt mit allem zusammen!

„Darf ich vorstellen, Maria Theresia: König von Ungarn und Böhmen. Sie lernte im Männersattel zu reiten, damit die Krönungszeremonie zum König gültig war. Sie wurde König, nicht Königin.“

Das war eines der Beispiele zu Geschlechterkonstruktion, sex und gender, das Angelika Ritter-Grepl bei ihrem Vortrag „Alles hängt mit allem zusammen! Die Kirche und die tüchtigen Frauen“ bei der diesjährigen Severin-Akademie brachte.

 

Vortrag von Mag.a Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der KFBÖ bei der Severin-Akademie des Forum St. Severin am 18.1.2021

 

Das Thema wählte man, wie der Vorsitzende Paul Grünbacher in seinen Begrüßungsworten erklärte, obwohl die Reaktionen darauf von: „Das kann ich nicht mehr hören, da tut sich ja eh nichts!“, bis: „Man darf nicht aufhören darüber zu reden!“, reichen. Gerade in Zeiten der Pandemie erleben wir, wie Frauen in systemrelevanten Berufen, die Gesellschaft am Laufen halten. Gleichzeitig ist die Gewalt an Frauen weiter hoch und es herrscht eine strukturelle Vorherrschaft von Männern über Frauen. Frauen sind von der Corona-Krise anders und leider ärger betroffen als Männer.

 

Angelika Ritter-Grepl Porträt

Mag.a Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, referierte bei der diesjährigen Online-Severin-Akademie zum Thema "Alles hängt mit allem zusammen! Die Kirche und die tüchtigen Frauen." © Welt der Frauen.

 

Auf diesen Umstand ging auch die Referentin ein und wies darauf hin, dass eine zentrale Forderung der UN hinsichtlich einer nachhaltigen Transformation der Weltgesellschaft die Besserstellung der Frauen hin zu Geschlechtergerechtigkeit ist. Auch die Kirche meldet sich immer wieder gegen die Diskriminierung der Frauen in Würde und Recht zu Wort und bekennt sich klar zur Gleichberechtigung von Frauen, wie zum Beispiel Papst Franziskus in der Enzyklika Fratelli tutti. Dass der Papst und die Kirche zu Veränderung ermahnen, ist weltpolitisch enorm wichtig und erfüllt den Auftrag des Evangeliums, sich für das Heil in der Welt einzusetzen. Doch wie kann sie in diesen Forderungen ernst genommen werden, wenn innerhalb der Kirche aus der gleichen Würde aller Menschen nicht die gleichen Rechte folgen?

 

Der Vortrag von Mag. Ritter-Grepl spannte einen weiten Bogen von Geschlechterrollen zu Zeiten Maria Theresias bis zur Neuzeit, von Geschlechterkonstruktionen in Kirche und Gesellschaft und dem Zusammenhang zwischen dieser kirchlichen Geschlechterkonstruktion, dem anbrechenden Reich Gottes und den Menschenrechten. Veränderungen werden nicht von heute auf morgen passieren, doch in der pastoralen Praxis gab es in den letzten 50 Jahren schon Aufbrüche, die nicht an das Geschlecht der handelnden Person gebunden waren. Die Forderung der Referentin ist, zu hinterfragen, wo unhaltbare Annahmen über Geschlecht dahinterstecken, um darauf angemessen reagieren zu können. Was jetzt männliche Praxis ist, lässt sich nicht immer eins zu eins auf Frauen übertragen, doch konnte sich zum Beispiel im Laienbereich der KommunionhelferInnen und LektorInnen eine geschlechtergerechte Praxis entwickeln, auf die nun auch im römischen Lehramt reagiert wurde.

 

„Geschlechtergerechtigkeit heißt in diesem Fall die Würdigung und Anerkennung von personalen Charismen unabhängig vom Geschlecht und deren Einsatz in zugesprochenen, beauftragten und institutionalisierten Diensten und Ämtern.“


Für eine Kirche in der Welt, die positiv gestaltend und als Vorbild vorausgehen kann, braucht es innerkirchliche Reformen, für die sich Mag.a Angelika Ritter-Grepl und mit ihr zahlreiche andere Frauen (und auch Männer) weiter einsetzen werden. Wie schon im letzten fss-aktuell von Forum St. Severin Vorstandsmitglied, Gudrun Becker, so treffend formuliert wurde: „Die Fragen nach der (strukturell) gleichen Partizipationsmöglichkeit von Frauen und Männern stellen einen bleibenden Stachel im Fleisch unserer Kirche dar: schmerzhaft, beunruhigend, spaltend, in-Bewegung-setzend, fokussierend, in-Frage-stellend.“

 

Der gesamte Vortrag von Mag.a Ritter-Grepl kann auf facebook nachgesehen werden.

 

19.01.2021/se
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