Wednesday 1. April 2020

Rückblick: "Severin-Akademie"

Am Dienstag, den 7. Jänner 2020 fand die "Severin-Akademie" in der Katholischen Privat-Universität in Linz statt. 

Zu Gast war die Vortragende Dr.in Doris Reisinger, die über spirituellen Missbrauch in der katholischen Kirche referierte. 

 

Skandale über Missbrauch in der katholischen Kirche sind in den letzten Jahren leider nicht weniger geworden. Immer öfter treten Missbrauchsopfer an die Öffentlichkeit und brechen ihr Schweigen. Zur diesjährigen Severinakademie mit Dr.in Doris Reisinger kamen etwa 160 Personen an die Katholische Privatuniversität, um sich mit diesem schmerzlichen Thema auseinanderzusetzen. Die Referentin ist eine wichtige Vorkämpferin für Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche, die durch ihre Vorträge und Bücher zu einer wichtigen Stimme in der deutschsprachigen Debatte wurde. 2014 erschien ihr erstes Buch mit dem Titel „Nicht mehr ich – Die wahre Geschichte einer jungen Ordensfrau“. Darin enthüllte sie ihre Erfahrungen als Missbrauchsopfer in dem katholischen Orden „Das Werk“. Anfang 2019 wurde ihr zweites Buch „Spiritueller Missbrauch in der katholischen Kirche“ im Herder Verlag veröffentlicht. Darin zeigt sie sensibel und eindringlich auf, was passiert, wenn manipulative Seelenführung eingesetzt wird, um Menschen gefügig zu machen, wenn Machtausübung mit geistlicher Führung gekoppelt wird und eine liebevoll offene spirituelle Begleitung fehlt. Besonders bekannt wurde Frau Reisinger auch durch die 2019 ausgestrahlte Arte-Dokumentation „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ sowie durch ein langes, intensives Fernsehgespräch, das sie im Februar 2019 mit Kardinal Christoph Schönborn zum Thema des Missbrauchs in der katholischen Kirche im BR Fernsehen geführt hat.

 

Nach der Begrüßung und Vorstellung der Referentin durch Dr. Paul Grünbacher (Vorsitzender des Forum St. Severin) und Dr.in Silvia Habringer-Hagleitner (Bereichssprecherin für die Hochschulen) erläuterte Doris Reisinger dem Publikum verschiedene Aspekte spirituellen Missbrauchs in der katholischen Kirche (und darüber hinaus). Doris Reisinger versteht Spiritualität als Sinnstiftung und geistlichen Missbrauch als eine Verletzung spiritueller Autonomie. Sie erörterte Begrifflichkeiten, zeigte Filmausschnitte und brachte eine Vielzahl an Beispielen aus dem Alltag, um Formen des Missbrauchs darzustellen und aufzuzeigen. Die Vortragende unterschied drei verschiedenen Stufen spirituellen Missbrauchs nach der Form des Auftretens, der Intensität und der Gefährlichkeit: Spirituelle Vernachlässigung, spirituelle Manipulation sowie spirituelle Gewalt. Frau Reisinger zeigte, wie diese Formen des Missbrauchs die eigene Spiritualität wanken lassen, Autonomie und Individualität in Frage stellen sowie Menschen ihrer Entscheidungsfähigkeit berauben. Reisinger betonte, dass Menschen unterschiedliche Ausdrucksformen von Spiritualität benötigen.

 

Auch in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde das große Interesse am Vortrag von Frau Dr.in Reisinger durch eine große Zahl an Wortmeldungen deutlich. Die Referentin stand auch nach dem Vortrag den Besuchern im Rahmen eines Buffets in den Katakomben der Katholischen Universität Linz noch für einen weiteren Meinungsaustausch zur Verfügung.

 

Dr.in Doris Reisinger (geb. Wagner), geb. 1983 in Ansbach (Bayern), war von 2003 bis 2011 Mitglied der geistlichen Familie „Das Werk“. Ihre Erfahrungen in dieser Zeit führten sie zur Auseinandersetzung mit spirituellem Missbrauch in der katholischen Kirche, über die sie mehrere Bücher schrieb. Sie studierte in Rom, Freiburg i. Br. und Erfurt Philosophie und katholische Theologie. In Münster/Westfalen promovierte sie 2019 in Analytischer Philosophie. Aktuell ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich katholische Theologie an der Goethe-Universität in Frankfurt tätig und nimmt einen Lehrauftrag an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten in Sankt Georgen wahr.

 

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