Sonntag 16. Dezember 2018
Notfallseelsorge OÖ

krisen.fest - Plattformtagung am 20./21. April 2018

Nachlese der Tagung „krisen.fest“

 

Thema: Strukturierte psychosoziale Versorgung bei Katastrophen und komplexen Bedrohungs- und Gefahrenlagen - Herausforderungen und Grenzen

Katastrophenberichte gehören mittlerweile zum Alltag. Veränderte klimatische Verhältnisse sind Auslöser für Hitze und Überschwemmungen. Amokläufe machen nicht an unseren Grenzen Halt. Ein Kollaps unserer Energie-Infrastruktur steht zwar nicht unmittelbar bevor. Aber dass er kommt, darüber sind sich alle Experten einig.

In diesem Umfeld agiert die Krisenintervention und Akutbetreuung in Österreich. Krisenfest zu sein heißt, die Hintergründe zu kennen. Dynamiken zu verstehen und sich darauf vorzubereiten. Zusammenarbeit mit verschiedenen Einsatzorganisationen kennen und nutzen. Dabei entsteht Handlungskompetenz für den Ernstfall.

Die Amokfahrt in Graz und der Amoklauf in München machen etwas davon deutlich, wie Betroffene in solch unerwarteten Situationen reagieren. Dass dabei die Fantasie über das Verhalten Betroffener und die Wirklichkeit auseinanderklaffen, darüber berichtete eindrucksvoll Dr. Jutta Helmerichs. Eine Krise löst nicht immer nur Panik aus. Sie weckt auch Ressourcen bei den Menschen. Einander helfen, miteinander trauern, zusammenstehen, das sind die Erfahrungen, die wir in solchen Situationen machen.

Das ein Blackout der Stromversorgung uns nicht nur das Licht nimmt, sondern viel tiefgreifendere Einschnitte in unseren Alltag mit sich bringt, war eine wesentliche Erkenntnis. Unterbrochene Kommunikation, beeinträchtigte Wasserversorgung, kein Treibstoff an Tankstellen, eingeschränkte medizinische Versorgung, keine Bezahlen mit Bankomat- oder Kreditkarten und vieles mehr. Und dass ein Hochfahren des Stromnetzes nicht mit dem Umlegen eines Schalters verbunden ist. Eingebettet in das europäische Stromnetz kann es Tage brauchen, bis Österreich wieder mit Strom versorgt wird. Auch in diesen Situationen ist Krisenintervention ein wesentlicher Baustein der Begleitung, Stabilisierung und des sozialen Friedens.

350 Teilnehmer haben sich diesen Themen in Graz gestellt. Sich mitnehmen und vorbereiten lassen. Es war eine bunte Runde von Menschen aus vielen Einsatzorganisationen und Institutionen.

Ein Gedanke, der sich bei mir im Laufe dieser Tagung eingeschlichen hat: „Prävention ist wichtiger als Nachsorge.“ Das gilt nicht nur für Strukturen, Tools und Hilfsmittel. Auch die psychische Verfasstheit nach einer Krise hat viel mit der Prävention im Alltag zu tun. Um Langzeitfolgen für Betreuer wie für Betroffene zu reduzieren. Und um schneller wieder im Alltag Fuß fassen zu können.

Wolfgang Pachernegg (Evang. Notfallseelsorge)

 

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