Dienstag 14. August 2018

"Das gab mir in meinem Sozialpraktikum zu denken"

Weitere Erfahrungsberichte der Seminaristen von ihrer Sozialpraktikumszeit.

„Das gab mir in meinem Sozialpraktikum zu denken“

 

Im Zuge der ersten „Phase“ der Priesterausbildung durfte ich ein kurzes Sozialpraktikum absolvieren. Für ungefähr fünf Wochen wurden wir in verschiedene Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitsbereiches geschickt. Ich hatte die Möglichkeit bekommen in einem Pflegeheim mitzuhelfen, wo besonders viele Demenzkranke wohnen – auch in dem Stockwerk, in dem ich arbeitete.

Meine Erfahrung war nach dieser Zeit: Älter werden ist nicht einfach!

Obwohl man sich mit aller Mühe und Zeit anstrengt, den Bewohner ein gutes Leben dort zu machen, war der Großteil der alten Menschen nicht glücklich und teils sogar depressiv. Die Gewissheit total abhängig von anderen zu sein, löste bei vielen negative Gedanken und Emotionen aus. Regelmäßige Besuche von den Angehörigen und gutes zureden half da nicht wirklich – auch wenn es manchmal äußerlich so schien, als sei die Person glücklich, wusste man, innerlich gibt es keine Lebenskraft mehr. Viele der Bewohner vereinsamten mit der Zeit und verloren die Lust am Leben. Obwohl es viele andere in diesem Haus gibt, denen es genauso ergeht, lebt dort jeder für sich.

Trotz der längeren Zeit, die ich dort verbrachte, bin ich mir sicher, dass fast alle Bewohner, die ich kennenlernen durfte, meinen Namen nicht mehr wissen. Demenz kann wirklich schlimme Auswirkungen haben, vor allem dann, wenn die betroffene Person noch ihre Krankheit, ihren Verlauf und ihre Auswirkungen bewusst miterlebt. Alles wird vergessen, sogar das, was man vor fünf Minuten mit der Person redete; und wenn die eigene Mutter ihren Sohn oder ihre Tochter nicht mehr wiedererkennt, ist das nicht nur belastend für den Betroffenen, sondern auch besonders für die Angehörigen – selbst für einen Außenstehenden ruft das Emotionen hervor, vor allem weil es ja jeden treffen kann.

Und obwohl diese Menschen ihre ganze Umwelt nicht mehr so erkennen können wie andere, haben sie ihren Glauben – wenn sie ihn überhaupt je hatten – noch nicht vergessen. Das ist eines der wenigen Dinge, an die sie sich noch erinnern und festhalten können. Wie ihr persönliches Glaubensleben aussieht, kann ich nicht sagen, aber ein kleiner Funke, vom dem was damals war, ist noch immer in ihnen vorhanden, und das hat mich in Staunen versetzt. Der Glaube ist für manche das wenige, das noch ihnen gehört; dort wo sie nicht von anderen abhängig sind.

Ihnen zu helfen, diesen Teil in ihnen zu bewahren, sollte unsere Aufgabe sein, damit sie zumindest noch etwas von ihrem früheren Leben mitnehmen können, etwas haben, das ganz ihnen alleine gehört und ihnen vielleicht etwas Hoffnung und Kraft schenkt.

Thomas B., Diözese St. Pölten

 


 

Die Begegnung mit Christus im Nächsten

 

Ich durfte mein Sozialpraktikum in einem Krankenhaus absolvieren. Intensivierend kam hinzu, dass ich in der Abteilung für Krebspatienten eingesetzt war. In den fünf Wochen im Krankenhaus, habe ich miterlebt, wie schnell der menschliche Körper verfallen kann. Manche, die zu Beginn noch sehr kräftig und sogar „gesund“ gewirkt haben, weilten am Ende meines Praktikums schon nicht mehr unter uns. Wenn man das so miterlebt, versteht man, warum Jesus sich selbst mit den Kranken identifiziert und besucht werden möchte. Das ewige Wort begegnet uns in Menschen, die in manchen Fällen so hilflos sind wie Neugeborene. Während wir Neugeborene jedoch meist mit Entzücken anblicken, empfinden wir bei Kranken meist Mitleid und Bedauern. In diesen oft bedauernswerten Wesen möchte er uns begegnen, obwohl er es ist, der aus Mitleid mit uns überhaupt erst Mensch geworden ist. So wie die Geburt im Stall, zeigt uns auch das, wie weit er aus Liebe für uns gegangen ist. Es ist oft nicht leicht, in solchen Menschen den Erlöser der Welt sehen zu können. Wenn wir uns jedoch bemühen, wird uns vielleicht auch diese Christusbegegnung klarer und ein kostbares Geschenk.

(Dies ist eine leicht abgeänderte Version des Artikels, der in der Februar-Ausgabe von „Der Ruf“ erschienen ist.)

Michael S., Erzdiözese Wien

 

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