Saturday 4. February 2023
Fachbereich Seelsorger:innen in Pfarren

Erste Seelsorgehelferin der Diözese Linz: Gertrud Scharmüller verstorben

Am Mittwoch, den 28. Dezember 2022, ist Gertrud Scharmüller, die erste Seelsorgehelferin der Diözese Linz, im Alter von 100 Jahren gestorben. Gleich nach Kriegsende machte sie ihre Ausbildung und wurde 1947 für die Pastoral in der Pfarre Linz-St. Theresia angestellt. Ein Blick auf ein Leben, das der kirchlichen Arbeit gewidmet war.

Gertrud Scharmüller wurde am 18. Dezember 1922 in Wels geboren. Bereits während des zweiten Weltkriegs interessierte sie sich für den Dienst in der Kirche. Von 1945 bis 1947 besuchte sie die neu gegründete „Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas“ im Heimsuchungskloster in Wien. Nach ihrer Sendungsfeier 1947 kam Gertrud Scharmüller als erste Seelsorgehelferin der Diözese in die Linzer Arbeiter:innen-Pfarre St. Theresia. Dort arbeitete sie mit Pfarrer Josef Zauner zusammen, den sie bereits aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit in der Jugendzeit kannte. Insgesamt 14 Jahre bis zum Tod von Josef Zauner blieb sie in St. Theresia und wechselte danach in den Schuldienst in ihre Heimatstadt Wels, auch dort war sie als unterrichtende Seelsorgehelferin eine Pionierin. Neben dem Unterricht arbeitete sie in der Kinder-und Jugendarbeit sowie der Pfarrkanzlei mit.

 

 

Hier wie dort verrichtete sie ihren Dienst unter den ärmlichen Verhältnissen der Nachkriegszeit. Seelsorge in dieser Zeit bedeutete, sich um die Grundbedürfnisse der Menschen zu kümmern. Sie selbst beschrieb den wesentlichen Teil ihrer Arbeit folgendermaßen: „Eine der umfangreichsten Arbeiten war damals die Caritas, denn die Leute hatten überhaupt nichts. Die Pfarre war noch nicht durchorganisiert und auch Caritashelfer standen nicht zur Verfügung. Also bewerkstelligten die Wirtschafterin und ich alles, oft arbeiteten wir bis Mitternacht. (...) Im Herbst bekamen wir meistens von den Bauern aus der Umgebung jede Menge Kraut und Erdäpfel. Die Not leidenden Leute kamen mit Säcken, in die wir hineinschaufelten. Das war im Großen und Ganzen die Caritasarbeit. Wir haben es zwar gern getan für die anderen, aber schön war es damals als Seelsorgehelferin nicht.“

 

Auch persönlich war die Arbeit als Seelsorgehelferin von Verzicht und Idealismus gezeichnet. Gertrud Scharmüller arbeitete anfangs ohne dafür einen Lohn zu erhalten. Erst nach Einsatz von Josef Zauner wurde sie richtig angestellt. Nachdem es das erste Dienstverhältnis dieser Art war, musste sie den Dienstvertrag selbst schreiben. Durch den Vertrag war sie krankenversichert, bezahlt wurde sie von der Pfarre, die selbst kaum über finanzielle Mittel verfügte. Dementsprechend gering war ihr Gehalt. Dazu war es üblich, dass Seelsorgehelferinnen zölibatär lebten, weswegen Gertrud Scharmüller nie heiratete.

Trotz der schwierigen Umstände und der Tatsache, dass Seelsorgehelferinnen nur im Hintergrund tätig sein durften, war die Arbeit für Gertrud Scharmüller ein Idealberuf, wie sie selbst deutlich machte: „Ich bereute es nie, dass ich diesen Beruf ergriff, er prägte mein Leben.“

 

Gertrud Scharmüller war eine der Vorreiterinnen für die Arbeit von Frauen in den vielfältigen Berufsfeldern der Diözese Linz. Mag.a Irmgard Lehner, Leiterin des Fachbereichs Seelsorger:innen in Pfarren, durfte Gertrud Scharmüller persönlich kennenlernen und erinnert sich bis heute an sie: „Ich habe Gertrud Scharmüller 1976 als Volksschulkind in Wels kennengelernt, weil sie meine Religionslehrerin in der 2. Klasse war. Viele Jahre später habe ich sie als Seelsorgerin wiedergesehen, weil sie im Haus der Senioren im Pfarrgebiet lebte und dort ein wichtiger Teil der Gemeinschaft war. Mir bleibt Gertrud Scharmüller in Erinnerung als Frau mit einem wachen, interessierten Blick, einem gütigen Lächeln, einer tiefen Gottverbundenheit.“

 

Gertrud Scharmüller wurde am 5. Jänner 2023 am Friedhof der Stadt Wels im Kreise ihrer Familie beigesetzt.

 

Zitate und Informationen aus dem Leben von Gertrud Scharmüller stammen aus: Maria Fellinger-Hauer, „Gäbe es die Frauen nicht... Zehn Portraits markanter Persönlichkeiten aus der katholischen Kirche in Oberösterreich“, Edition Kirchenzeitung 2003.

 

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