Friday 30. October 2020
Pastorale Berufe

Krise als Chance im Dekanat Weyer

Im Dekanat Weyer nimmt man die Herausforderung der „Corona-Zeit“ an. Eine Visionsgruppe hat sich gebildet und versucht, an die derzeitige Situation angepasst, neue Wege der Seelsorge und auch des gemeinsamen Feierns zu finden. Die ersten Erfahrungen zeigen, einiges soll auch abseits von Corona weitergeführt werden.

„Zentral war die Grundüberlegung, jetzt sind andere Zeiten, jetzt müssen wir sowieso anders tun. Und raus wollen wir sowieso. Also ist es Zeit, Dinge auszuprobieren, die man im öffentlichen Raum machen kann.“ so beschreibt Dekanatsassistentin Dipl.Pass.in Regina Nagler den Wind der gerade durch das Dekanat Weyer weht. Vielen Pfarren des Dekanats ist es ein Anliegen, die Kernfamilien, aber auch andere Menschen, nicht zu verlieren.  „Aber die kommen uns abhanden, die gehen dann nicht in den Gottesdienst und lassen der Kernschicht, im Alter von 60 plus den Vortritt. Also überlegen wir uns alternativ Gottesdienste und auch seelsorgliche Angebote im Freien,“ erzählt Regina Nagler weiter.

 

Federführend in diesen Überlegungen ist die „Visionsgruppe“, die sich im Dekanat spontan im Juli 2020 gebildet hat. Die Gruppe besteht aus fünf Personen: Anita Buchberger BEd (Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Weyer), Karl Karrer (Diakon), Dipl.Pass.in Regina Nagler (Dekanatsassistentin), Julia Postl (Regionalcaritas Bezirk Steyr Land) und Johann Streicher (ständiger Diakon).

Melanie Wurzer

 

Alle fünf waren mit dem Status quo nicht zufrieden und wollten die Krise als Chance verstehen. Man möchte weit denken und Ideen entwickeln. Aber auch der spirituelle Austausch ist der Gruppe wichtig. Dazu treffen sich die Mitglieder einmal im Monat und tauschen sich aus, was in der Zwischenzeit auf- oder eingefallen ist. Dazu Regina Nagler: „Wir überlegen uns, was man in der Corona-Zeit neu beginnen könnte, oftmals sind das neue Formen von Gottesdiensten, aber auch von seelsorglichen Angeboten. Und dann arbeiten wir dahin. Das passiert sehr optimistisch, offen und auch geistvoll.“

Das Anliegen der Visionsgruppe ist es, den vergangenen Dekanatsprozess weiterzugehen, aber auch aus dem herkömmlichen System auszubrechen, Neues auszuprobieren und vor allem die Kirche zu den Leuten zu tragen und nicht darauf zu warten, dass die Menschen in die Kirche kommen.

Erste Initiativen der Gruppe haben bereits stattgefunden. So fand, angeregt durch Anita Buchberger, bereits zwei Mal in Ternberg und einmal in Weyer ein „Erzähl mir was, ich hör dir zu“ statt, das sehr gut wahrgenommen worden ist.

Außerdem wird für den 11. Oktober am so genannten Sebaldusweg ein Stationengottesdienst geplant. Der Sebaldusweg ist ein vom Tourismusverband im Mai 2020 eröffneter Pilgerweg durch den Nationalpark Region Ennstal. Dazu Regina Nagler: „Wandern und pilgern ist ja derzeit so im Trend. Da möchten wir andocken, denn viele marschieren einfach ohne spirituelle Impulse. In den Sebaldusweg an sich, sind wir als Dekanat kaum eingebunden. Nun machen wir den Stationengottesdienst. Außerdem stellen wir „Geistkästen“ am Weg auf, gefüllt mit Schnaps und Pilgertexten und dem Motto ´Kirche im Aufbruch´. Wir wollen uns einfach als Kirche bemerkbar machen, rausgehen und ein anderes Klientel erreichen.“

 

In der Pfarre Ternberg werden wichtige Feste, aber auch Sakramente anders geplant. So fanden etwa im Juli insgesamt sieben Erstkommunionsfeiern statt. Jede Tischgruppe hat für sich, gemeinsam mit ihren Familien gefeiert: „Teils in der Kirche, teils im Pfarrheim und teils im Freien. Das ist bei allen total gut aufgenommen worden und war von einer dichten Atmosphäre geprägt. Das würden wir auch in der Nicht-Corona-Zeit weiterführen,“ erzählt Regina Nagler.

Derzeit finden in der Pfarre Ternberg – wie vielerorts – die Planungen für das Erntedank-Fest statt. Das wird in diesem Jahr auf dem überdachten Parkplatz eines Geschäfts stattfinden, so ist man etwas wettergeschützt und es können viele Leute kommen. Regina Nagler: „Wichtig war uns: Das Fest soll stattfinden! Also gilt es Möglichkeiten zu finden, dass man auch in diesen Zeiten Festfreuden entwickeln kann, ohne Beschränkungen.“

 

Text: Mag.a Melanie Wurzer

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