Freitag 20. Oktober 2017

Eine Wirtschaft, die Leben fördert

MMag.a Dr.in Ingeborg Gabriel

Das Forum „Christ und Wirtschaft“ der Katholischen Aktion und Bischof Manfred Scheuer luden am 8. Juni UnternehmerInnen und Führungskräfte ins Stift St. Florian ein, um einer zentralen Frage nachzugehen: „Welche Wirtschaft fördert das Leben?“. 

Die Sozialethikerin MMag.a Dr.in Ingeborg Gabriel plädierte dafür, den vielzitierten Satz von Papst Franziskus „Diese Wirtschaft tötet“ aus dem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ im Zusammenhang zu sehen. Der Papst wolle damit bestimmt nicht Wirtschaftstreibende angreifen, die sich im Sinne der katholischen Soziallehre an ethischen Grundsätzen orientieren. 

Obwohl sich die Weltbevölkerung seit 1950 auf 7,6 Milliarden Menschen verdoppelt hat, sinke die Zahl der Armen auf dem Globus. Ein erfreuliches Faktum, das Gabriel dem seit Jahrzehnten anhaltenden Wachstum der Wirtschaft zuschreibt. Und doch: Es gebe ein tiefe Kluft zwischen den wirklich Armen und den sehr Reichen. Ungleichheit spüre auch die Wirtschaft selbst: Der Mittelstand müsse zusehen, wie sich global tätige Firmengiganten der Steuerverpflichtung gefinkelt entziehen. Im Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ warne Papst Franziskus vor dem Ausschluss von Menschen aus dem Wirtschaftssystem, vor dem Götzendienst des Geldes, vor einem Finanzsystem, das die Herrschaft über die Kreisläufe der Wirtschaft übernimmt und vor sozialer Ungleichheit. 
Längst ausgedient habe die früher heiße Frage: Planwirtschaft oder Marktwirtschaft. Heute sei zu fragen, welche Art von Marktwirtschaft sei für uns nötig, sagt Gabriel, und: „wie lässt sich Marktwirtschaft global vernünftig organisieren?“ Festzustellen sei ein Schrumpfen der Ethik, ein „Outsourcen der Moral“ in der Wirtschaft, obwohl nach wie vor der Grundsatz gelte: „Nur wenn Menschen moralisch handeln, kann man ihnen vertrauen“. Dieses Vertrauen erodiere aber zusehends, stellte die Sozialethikerin bedauernd fest. Gabriel brachte abschließend den Begriff des Gemeinwohls ins Spiel. Gemeinwohl sei mehr als die Summe der Einzelteile und es erfordere, von Anfang an das Wohl des globalen Ganzen im Auge zu haben. Erst dieser über die Wirtschaft hinausgehende Blick bringe letztendlich ein Mehr an Freiheit.
 

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