Sonntag 18. November 2018

Ignatiuskirche Linz

 

Neugestaltung des Eingangs- und Aussprachebereiches in der Ignatiuskirche Alter Dom in Linz Pressetext


Die Ignatiuskirche ist neben der Karmelitenkirche und dem Linzer Mariendom eine der Linzer Kirchen in der regelmäßig und täglich das Sakrament der Versöhnung (Beichte) gespendet wird. Die Jesuiten haben nun den Eingangsbereich völlig neu gestaltet und neue, zeitgemäße Beicht- und Aussprachemöglichkeiten geschaffen. Am Samstag, den 5. Oktober um 16.00 Uhr wird der neu gestaltete Teil der Ignatiuskirche Alter Dom von Bischof Ludwig Schwarz gesegnet.

 

Kirchenrektor P. Michael Meßner SJ:  „Vor zwei Jahren haben wir uns entschieden, das vom Kunstreferat der Diözese Linz zur Ausführung empfohlene Konzept zur Erneuerung des Eingangsbereichs und der Vorhalle unserer Kirche umzusetzen. Die beiden alten Beichtstühle (von 1975) sollten abgebaut und ein neuer Aussprache- und Beichtraum errichtet werden. Die Künstlerin Elisabeth Plank entwickelte und gestaltete dieses Projekt. Herr Architekt DI Klaus Leitner übernahm die Planung und Bauleitung.“


Die beiden alten Beichtstühle entsprachen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. An ihrer Stelle wurde ein neuer und freundlicher Gesprächs- und Beichtraum gebaut. Einladend nicht nur für traditionell Beichtende, sondern für Menschen, die in unsere Kirche kommen und in schwierigen Situationen das Gespräch oder bei Entscheidungen Hilfe suchen – niederschwellig, anonym, verschwiegen und kostenlos. „Wir hoffen, dass es uns auf diese Weise gelungen ist, die alte Tradition der Beichtpraxis, die ja in unserer Kirche beheimatet ist, auf eine breitere Basis zu stellen. Wir möchten sie auf diese Weise auch für Menschen interessant machen, die der Kirche nicht nahestehen, aber das Gespräch sowie Versöhnung suchen und brauchen“, so Pater Meßner. 

 

Ignatiuskirche Linz. © Kunstreferat
Ignatiuskirche Linz. © Kunstreferat


Die beiden alten Beichtstühle wurden abgebaut, die Statuen der Pieta und des hl. Antonius auf neue Sockel gestellt, ein neuer Büchertisch wurde aufgestellt, die Opferstöcke neu gefasst, das Hauptportal und der Seiteneingang restauriert und neu gegen die Kälte abgedichtet und der ganze Eingangsbereich wurde ausgemalt. Der Eingangsbereich wurde dadurch viel heller und freundlicher, einladender für die vielen Menschen, die in die Kirche kommen.

 

 

Versöhnung heute aktuell 


Laut Pater Meßner gibt es in der Welt und im Leben Konflikte, Spannungen, Unterschiede und Gegensätze. Es kommt auch immer wieder zu Verletzungen. Versöhnung ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Versöhnung zwischen Nationalitäten, Kulturen, religiösen Richtungen, politischen Überzeugungen; Versöhnung  zwischen den Generationen, in den Familien, Partnerschaften, am Arbeitsplatz, im Konkurrenzkampf in der Wirtschaft, mit den Nachbarn oder Mitbewohnern; Versöhnung mit unserem Schicksal, mit uns selbst.


„Es gibt viele Möglichkeiten, die helfen uns wieder zu versöhnen. In der Katholischen Kirche gibt es das Sakrament der Versöhnung – die Beichte – eine Möglichkeit, mit sich selbst, mit Gott wieder ins Reine zu kommen, um Heilung tiefer seelische Wunden (Bitterkeit, Sucht, Abhängigkeiten, Verwundungen) zu bitten“, so Pater Meßner. Und er zitiert Literaturnobelpreisträger Günter Grass der im Radio Vatikan zur Versöhnung befragt wurde:  „Ja, ich finde die Einrichtung der Beichte etwas sehr Menschliches. Weil die Gegenseite ans Schweigegebot gebunden ist und der Mensch sich erleichtern kann von dem, was ihn bedrückt. Eine sehr menschliche Geste. Keine öffentliche Anklage, man macht das in dem Beichtstuhl aus. Die Beichte sollte mehr praktiziert werden.“


Zum künstlerischen Konzept von Elisabeth Plank


Für den Kirchenbesucher kommen dem Eingangsbereich und der Vorhalle besondere Bedeutung zu. Hier wird er vom profanen Außenbereich in den sakralen Raum geführt und atmosphärisch aufgenommen. Hier ist der Ort der Sammlung, der auf den eigentlichen Kirchenraum hinführt. 


Nach einem Gesamtkonzept gefragt, war es mein Ziel, von der Düsternis und Inhomogenität der früheren Situation zu einem helleren Gesamtbild in stiller, zurückhaltender Gestaltungssprache zu gelangen. Stille und Leichtigkeit wurde angestrebt. 


Es wurde die Renovierung und Restaurierung des Raumbestandes vorgeschlagen. Weiters wurden alle Themenbereiche (Beichtraum, Marienort, Schriftentisch, Opferstöcke, Gefäße und Tische für die Heiligen Wasser) einzeln und für sich gestaltet, aber mit Blick auf die selbstverständliche Stellung im Gesamtkonzept. Die einzelnen Themen wurden verdichtet und räumlich präzise angeordnet um den früheren Eindruck des Angeräumtseins verschwinden zu lassen. Es sollte mehr Raum entstehen. Materialien wie Stuckatur, Versilberungen, Schmiedeeisen wurden der bestehenden Materialsprache der Kirche entnommen. Auch sollte eine handwerklich hochwertige Gestaltungssprache gefunden werden, die sowohl dem barocken Kirchenschiff als auch der Gegenwart angemessen ist. Auf Farbe wurde zugunsten der Schlichtheit verzichtet, auch um den beiden farbig gefassten Figuren (Pietá und Antonius) eine größere Deutlichkeit zu geben. 


Kernstücke der Vorhalle sind der neue Beichtraum und der Marienort, die zueinander im Gleichgewicht stehen. 


Beichtraum: Der geöffnete Vorhang, der den Hochaltar einrahmt, wird in stilisierter Form über dem Beichtraum wieder geschlossen. Die tuchartige Außenstruktur soll den Beichtraum als Ort der Diskretion beschreiben. Die blattversilberte Eingangstür (Spiegel) und der Sockelstreifen deuten an, dass es sich hier um einen Ort der Reflexion und der ehrlichen Selbstbetrachtung handelt. Die schwebende Optik des Beichtraums soll die Möglichkeit des Loslassens von Verstrickungen symbolisieren. Der Raum ist nach außen geschlossen, ein weißes Tuch des Schweigens liegt über dem Dialog.


Im Gegensatz dazu der Marienort: Hier ist alles zu sehen. Die farbig gefasste Pietá, die Pflanzen, die Kerzen, der Knieschemel. Durch die dunkle Farblosigkeit der Gegenstände und das Flackern der Kerzen bildet sich um die Pietá ein konzentrierter, imaginärer Raum, der eine verinnerlichte Form der Zwiesprache ermöglicht. 


Alles sieht nun sehr selbstverständlich aus, und lässt auch das Kirchenschiff in neuem Glanz erstrahlen. 

Eröffnungsfeier: Samstag 5. Oktober 2013, 16.00 Uhr

Kontakt:   

Pater Michael Messner SJ
Domgasse 3, 4020 Linz

T: 0732-770866-26
E-Mail: michael.messner@jesuiten.org

Kunstreferat - Diözesankonservatorat
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Telefon: 0732/995151-4520
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