Wednesday 20. November 2019

Trennendes überbrücken: „Sonntag der Völker“ 2019

Eine bereichernde Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen: So präsentierte sich auch heuer wieder der „Sonntag der Völker“. Bischof Manfred Scheuer feierte am 29. September 2019 mit über 1.000 Gläubigen einen Festgottesdienst im Linzer Mariendom.

Der Diözesanbischof betonte dabei das Aufeinander-Hören als Voraussetzung für ein Miteinander, das letztlich zu einer gerechteren Gesellschaft und einer geschwisterlichereren Welt beiträgt.

 

Am 29. September 2019 um 10.00 Uhr wurde auf Einladung der Fremdsprachigen Seelsorge der Diözese Linz und der Caritas für Menschen in Not im Linzer Mariendom ein Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer zum „Sonntag der Völker“ gefeiert. Bunte Vielfalt wurde auch beim anschließenden „Begegnungsfest“ auf dem Linzer Domplatz sichtbar.

 

 

„Trennendes überbrücken“

 

Mit dem „Sonntag der Völker“, der in den Diözesen Österreichs am 29. September 2019 begangen wurde, macht die Kirche auf die Vielfalt der Nationen in der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft aufmerksam. Das Motto des diesjährigen „Sonntags der Völker“ lautete: „Trennendes überbrücken“. Es schließt an die Papstbotschaft zum Weltflüchtlingstag 2019 an. Papst Franziskus thematisiert darin die Situation von Flüchtlingen und MigrantInnen und ortet eine „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ ihnen gegenüber. MigrantInnen, Flüchtlinge, Vertriebene und Opfer von Menschenhandel seien zu Sinnbildern der Ausgrenzung geworden, „weil ihnen, neben den Schwierigkeiten, die ihre Lage an sich schon beinhaltet, oft ein negatives Urteil anhaftet, das sie als Ursache gesellschaftlicher Missstände ansieht“, so der Papst. Die Anwesenheit von MigrantInnen, Flüchtlingen und anderen schutzbedürftigen Menschen stelle eine Einladung dar, wesentliche Dimensionen des Christseins und der Menschlichkeit wiederzugewinnen, „die Gefahr laufen, in einem komfortablen Lebensstandard einzuschlafen“, betonte Papst Franziskus.

 

Die Antwort auf die Herausforderungen in Bezug auf Migration lässt sich nach Papst Franziskus in vier Verben zusammenfassen: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren. Diese Verben würden die Sendung der Kirche zu den Menschen an den Rändern ausdrücken, die aufgenommen, geschützt, gefördert und integriert werden müssten, so der Papst. Franziskus wörtlich: „Wenn wir diese Verben in die Praxis umsetzen, tragen wir zum Aufbau der Stadt Gottes und des Menschen bei, fördern wir die ganzheitliche menschliche Entwicklung jedes Einzelnen und helfen auch der Weltgemeinschaft, den Zielen nachhaltiger Entwicklung näherzukommen, die sie sich gesetzt hat und die sonst schwer zu erreichen sein werden.“

 

Festgottesdienst zum Sonntag der Völker im Linzer Mariendom
Festgottesdienst zum Sonntag der Völker im Linzer Mariendom
Festgottesdienst zum Sonntag der Völker im Linzer Mariendom
Festgottesdienst zum Sonntag der Völker im Linzer Mariendom

© Diözese Linz / Reischl

 

 

„Es geht nicht nur um Migranten, sondern um alle Menschen“

 

Den Festgottesdienst am 29. September 2019 mit den verschiedenen muttersprachigen Gruppen feierten im Linzer Mariendom Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer, Dr. László Vencser, Nationaldirektor der katholischen fremdsprachigen Seelsorge in Österreich und Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge im Pastoralamt der Diözese Linz, Seelsorger mehrerer fremdsprachiger Gemeinden und Diakon Peter Schwarzenbacher MSc. Ein besonderer Gast war Jaime José Villarroel Rodríguez, Bischof der Diözese Carúpano in Venezuela.

 

Bischof Manfred Scheuer betonte in seiner Predigt, die Überbrückung von Trennendem trage nicht unbedingt zur Vereinfachung des Lebens bei, sofern damit keine Vereinheitlichung gemeint sei. Scheuer wörtlich: „Trennendes zu überbrücken heißt, unterschiedliche Personen und Personengruppen, mehrere Meinungen unter einen Hut zu bringen. Das erfordert einen langen Atem, ein gutes Aufeinander-Hören, eine Achtsamkeit auf die verschiedenen Stimmen, die lauten und die leisen Töne.“ Trennendes zu überbrücken, ergebe nicht automatisch eine gute Mischung, sondern „das mischt erst einmal gehörig auf“, so der Bischof realistisch. Trennendes zu überbrücken sei nicht der einfachere, sondern meist der herausforderndere, aber auch der spannendere und lehrreichere Weg. Gott gehe es nicht um eine „Entschlackung des Lebens, das letztlich der Bequemlichkeit Vorschub leistet, sondern um eine Verdichtung des Lebens durch bewussten Verzicht – wenn das Eigene konfrontiert wird mit den konkreten Ansprüchen, Bedürfnissen und Sichtweisen anderer“, betonte der Bischof.

 

Scheuer verwies auch auf die Papstbotschaft zum Weltflüchtlingstag. „Es geht nicht nur um Migranten“, so ihr Titel und ein immer wiederkehrender Satz darin. Der Bischof fasste das Kernanliegen des Papstes folgendermaßen zusammen: „Es geht nicht nur um Migranten, sondern auch darum, sich den eigenen Ängsten vor dem Fremden zu stellen, die Nächstenliebe und die Menschlichkeit so zu konkretisieren, dass sie niemanden ausschließt und den Letzten an die erste Stelle setzt; sich vor Augen zu führen, dass es um nichts weniger als um den ganzen Menschen und um alle Menschen geht, was schlussendlich dazu führen soll, immer mehr zum Aufbau einer gerechteren Gesellschaft, einer vollkommeneren Demokratie, eines solidarischeren Landes, einer brüderlicheren Welt und einer offeneren christlichen Gemeinschaft entsprechend dem Evangelium beizutragen.“

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Scheuer bei seiner Predigt

Bischof Manfred Scheuer hielt die Festpredigt. © Diözese Linz / Reischl

 

Amazonien-Synode als bedeutender Brückenschlag

 

Scheuer erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Beginn der Amazonien-Synode am 6. Oktober, deren Ausgangspunkt „die Erfahrungen der indigenen Völker und ihre Sehnsucht nach dem „Buen vivir“, dem guten Leben, dem Leben in Einklang mit der Natur, mit den Menschen und mit dem höchsten Wesen“ seien. Es werde bei der Synode um klare Botschaften hinsichtlich einer ökologischen Umkehr der Welt, aber auch hinsichtlich einer der Situation im Amazonasgebiet gerechten Rolle und gerechten Verständnis von Glaube und Kirche gehen. „Die katholische Kirche als Ganze, aber auch die einzelnen Ortskirchen sind Hörende. Im Vorfeld ist zu beobachten, dass dieser Aspekt vernachlässigt wird. Es gibt viele – auch bei uns –, die diese hörende Dimension nicht im Blick haben und bereits die Auswirkungen der Synode auf die Kirche hierzulande zu wissen meinen“, so Scheuer kritisch. Er bezeichnete die Synode als wichtigen Beitrag, Brücken zu den Völkern Amazoniens zu errichten. Der Bischof weiter: „Die Amazonien-Synode ist ein Beitrag, die Stimmen aus dieser so fremden Region, die schon aufgrund ihrer einzigartigen Biosphäre immense globale Bedeutung hat, in aller Freiheit zur Geltung bringen zu lassen. Sie ist ein Beitrag, sich von einem gewissen kirchlichen Eurozentrismus zu lösen, und ein Beitrag, kritische Anfragen an ein allzu bequemes Ausruhen auf gewachsenen pastoralen Gewissheiten hierzulande entgegenzunehmen.“ Durch die Amazonien-Synode würden Brücken geschlagen, die helfen könnten, Trennendes zu überwinden. Ergebnis würden keine „einfach gestrickten Lösungen sein“, so Scheuer, die Synode werde aber die Kirche als Ganze „hoffentlich in eine positive Auseinandersetzung darüber bringen, wie Glaube in der Welt von heute verkündet und gelebt werden kann“.

 

 

Sprachlich-musikalische Vielfalt

 

Die Vielfalt der verschiedenen muttersprachlichen Gruppen wurde nicht nur durch die bunten Landestrachten sichtbar, sondern auch bei den Texten und Liedern im Festgottesdienst hörbar: Die Texte zum Bußakt wurden in verschiedenen Landessprachen gelesen, ebenso die Fürbitten. Das Gloria wurde auf Kroatisch gesungen. Die Lesungen wurden auf Englisch und Polnisch gelesen, das Evangelium auf Deutsch und Kroatisch. Über 1.000 Mitfeiernde beteten und sangen in ihrer jeweiligen Muttersprache mit. Musikalisch mitgestaltet wurde die Feier vom Chor der afrikanischen Gemeinde.

Bei der Gabenbereitung kamen VertreterInnen unterschiedlicher Volksgruppen nach vorn und überreichten Bischof Scheuer landestypische Geschenke.

 

Bischof Manfred Scheuer (rechts neben ihm der Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge László Vencser) erhielt von den Volksgruppen landestypische Geschenke
Bischof Manfred Scheuer (rechts neben ihm der Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge László Vencser) erhielt von den Volksgruppen landestypische Geschenke
Bischof Manfred Scheuer (rechts neben ihm der Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge László Vencser) erhielt von den Volksgruppen landestypische Geschenke
Bischof Manfred Scheuer (rechts neben ihm der Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge László Vencser) erhielt von den Volksgruppen landestypische Geschenke
Bischof Manfred Scheuer (rechts neben ihm der Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge László Vencser) erhielt von den Volksgruppen landestypische Geschenke
Chor der afrikanischen Gemeinde
Chor der afrikanischen Gemeinde

© Diözese Linz / Reischl

 

Das anschließende „Begegnungsfest“ auf dem Domplatz lud bei strahlendem Sonnenschein mit Musik und Tanz zum geselligen Miteinander und vielen Begegnungen ein. Musikalisch-tänzerische Beiträge kamen von den polnischen, ungarischen, kroatischen, philippinisch-katholischen, und lateinamerikanischen spanischsprachigen Gemeinden, davon fünf Beiträge von Kindern und Jugendlichen. Ein besonderes Highlight war der Gospelchor der afrikanischen Gemeinde. Kulinarisch verwöhnt wurden die BesucherInnen u. a. mit Spezialitäten der türkischen, ukrainisch-griechisch-katholischen, rumänisch-griechisch-katholischen, philippinisch-katholischen, vietnamesischen, polnischen, ungarischen, tschechischen, slowakischen, kroatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen spanischsprachigen Gemeinden.

 

Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Bischof Scheuer war begeistert von den tänzerischen und musikalischen Darbietungen auf dem Domplatz.
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Tanzdarbietung beim Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz
Begegnungsfest auf dem Linzer Domplatz

© Diözese Linz / Reischl

 

Fremdsprachige Seelsorge in Oberösterreich

 

In der Katholischen Kirche in Oberösterreich gibt es Seelsorge für 15 fremdsprachige Gemeinden: afrikanische und englischsprachige, albanisch-katholische, arabische und chaldäische, ukrainisch-griechisch-katholische, kroatische, rumänisch-griechisch-katholische, philippinisch-katholische, polnische, lateinamerikanische/spanischsprachige, tschechische und slowakische, türkische und persische, ungarische sowie vietnamesische. Am „Sonntag der Völker“ wird diesen Gruppen besondere Wertschätzung zuteil. Dr. László Vencser, Nationaldirektor der katholischen fremdsprachigen Seelsorge in Österreich und Leiter der Fremdsprachigen Seelsorge im Pastoralamt der Diözese Linz, sowie Mag.a Edith Fiedler, Leiterin der Fach- und Forschungsstelle für Migration, Integration und interkulturelle Bildung der Caritas OÖ, sind als OrganisatorInnen wesentlich für das Gelingen des Festes verantwortlich.

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