Tuesday 27. July 2021
Ursulinenkirche

Kunst-Interventionen in der Ursulinenkirche

Von 11. Juli bis 7. August 2020 durchmisst das "Band" von Frenzi Rigling in Aneinanderfügung von jeweils ein Meter langen vernähten Stoffbahnen den gesamten Kirchenraum und Regula Dettwiler präsentiert eine lebendige Skulptur aus Zimmerpflanzen.

In der Ursulinenkirche Linz werden von 11. Juli bis 7. August 2020 Kunstinterventionen von zwei in Österreich lebenden Schweizer Künstlerinnen, Regula Dettwiler und Frenzi Rigling, gezeigt. Die barocke Ursulinenkirche an der Linzer Landstraße war bis 1968 Klosterkirche der Ursulinen. Seit der Restaurierung 1985 ist der Sakralraum, insbesondere die Krypta, während der Fastenzeit auch Ort der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. KünstlerInnen begegnen dem Raum, seiner Ausstattung und Funktion mit unterschiedlichen Medien und konzeptuellen Ansätzen.

In der Erweiterung des Projektes "für immer" von Regula Dettwiler in der Krypta 2020, das Corona-bedingt geschlossen werden musste, wurde Dettwiller zusammen mit Frenzi Rigling während der Sommermonate für Interventionen im Kirchenraum eingeladen.
 

Bezugnahme zu Raum, Ausstattung und Geschichte

Frenzi Rigling schuf bereits 2016 die permanente Wandinstallation "Werke der Barmherzigkeit" für die Marien-/Lourdeskapelle der Ursulinenkirche. Mit den beiden Interventionen "Das Band" und "Gruppenbild mit Pflanze" schaffen die beiden Künstlerinnen mit vorhandenen und gefundenen Materialien und Objekten, wie Stoffbahnen und Zimmerpflanzen, eine ortsspezifische Bezugnahme zum Raum, seiner Ausstattung und Geschichte. Mit den beiden reduzierten und präzise gesetzten Interventionen eröffnen sie neue Sichtweisen auf das barocke Gesamtkunstwerk und schaffen eine Brücke zur Gegenwart.
 

Das "Band"

Das "Band" von Frenzi Rigling durchmisst in einer Aneinanderfügung von jeweils ein Meter langen sorgfältig vernähten Stoffbahnen den Kirchenraum in seiner vertikalen Mittelachse. Das Ausgangsmaterial sind Mädchenkleider der Künstlerin, die ihre Mutter für sie genäht hat. In dem schmalen Band versammeln die einzelnen Streifen mit ihren unterschiedlichen Farben und Mustern die Fülle der Ausstattung in sich. Die reiche Ausstattung des Kirchenraumes mit seinen zahlreichen Engeln verweist auf das himmlische Paradies. Das "Band" nimmt als unmissverständliche Geste diese Verbindung von Himmel und Erde, von Oben und Unten, in Form von Boden und Gewölbe in den Blick. Die Künstlerin schafft mit der Intervention eine vielschichtige Metaphorik über Textilien, Kleidung, Handwerkskunst, der Durchmessung des Raumes und der rhythmischen Gliederung der sorgfältig ausgewählten Streifen.

 

 

 

Kunstinterventionen in der Ursulinenkirche

Das "Band" von Frenzi Rigling: Bis 7. August 2020 in der Ursulinenkirche zu sehen. © Rigling

 

 

Mit Blick auf die Verbindung zum angrenzenden Kloster und seiner im Unterricht von Mädchen über 270 Jahren wirkenden Ordensfrauen und der Bedeutung von textilen Techniken in der Ausstattung der Kirche gewinnt die eigene jahrzehntelange biografische Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer Mutter mit dem "Band" eine neue Dimension. Konzeptuelle Ansätze, Textilien in Verbindung mit Gefundenem und Biografischem, sind ebenso wie die Arbeit mit Texten zentrale Aspekte des Werkes von Frenzi Rigling.
 

"Gruppenbild mit Pflanzen"

Als lebendige Skulptur im Raum, zwischen Bankblock und Eingangsbalustrade, platziert Regula Dettwiler ihr "Gruppenbild mit Pflanzen". Die Künstlerin versammelt 12 Zimmerpflanzen unterschiedlicher Art und Größe auf jeweils 12 Stühlen, die sie als "Komposition" miteinander in Verbindung bringt. Die Ausgangsobjekte der Installation stammen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, dem Linzer Priesterseminar. Das ebenso aus der Barockzeit stammende und mehrfach umgebaute Gebäude dient - im Unterschied zur ehemaligen Mädchenschule des Ursulinenklosters - als Ausbildungsstätte für Priester und zudem auch als Bildungsort. Die dort als Raumschmuck auf den weitläufigen Gängen aufgestellten Pflanzen werden in der Kirche auf Stühlen platziert. Die in ihrer Funktion für Menschen vorgesehen Sitzmöglichkeit unterschiedlicher Ausführung und Entstehungszeit aus dem Priesterseminar dienen als Sockeln für Pflanzen in der Kirche. Sie kommen damit auf Augenhöhe zu den BesucherInnen. Die Pflanzen mit ihren verschiedenen Blattstrukturen, Grüntönen, Größen und Übertöpfen werden als Gruppenbild zum Motiv einer kunstgeschichtlichen Gattung erhoben. Als Darstellung mehrerer Menschen, als Familie oder in Verbindung mit ihrer gemeinsamen Beschäftigung erlebte das Gruppenbild in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts seine Blütezeit.

 

Kunstinterventionen in der Ursulinenkirche

"Gruppenbild mit Pflanze" von Regula Dettwiler. © Dettwiler

 

 

Die Auseinandersetzung mit Zimmerpflanzen in ihren Erscheinungs- und Darstellungsformen und ihrer Herkunft sind seit mehr als drei Jahrzehnten zentraler Aspekt der künstlerischen Arbeit von Regula Dettwiler. In ihren Werken interessiert sie sich nicht für das Abbild, sondern - die von Menschen geschaffene - Konstruktion von Natur. Mit dem "Gruppenbild mit Pflanze" als skulpturale Intervention im Kirchenraum schafft Regula Dettwiler auf subtile Weise durch Chiffren und Verweise Bezugnahmen zu der vom Menschen angeeigneten und domestizierten Natur. Die zumeist exotischen Pflanzen aus unterschiedlichen Kontinenten, vorwiegend aus dem asiatischen Raum, schaffen ebenso Bezüge zum Raum und der kulturellen Identiät eines sich in der Barockzeit ausbreitenden Christentums.

 

Die Künstlerinnen

Frenzi Rigling wurde in Schaffhausen/Schweiz geboren und studierte 1977-1984 an der Schule für Gestaltung in Zürich. Sie lebt und arbeitet in Wien und Obermarkersdorf/NÖ

Ihr Werk umfasst Zeichnungen, Installationen und Textilarbeiten.
www.frenzirigling.at

 

Regula Dettwiler wurde in Oberkulm im Schweizer Kanton Aargau geboren. Sie studierte zunächst Kunst an der Hochschule in Luzern und von 1991-96 Bildhauerei bei Bruno Gironcoli an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Auslandsaufenthalte und Stipendien führten sie u.a. nach Chicago, Paris, Montreal und nach Japan. Regula Dettwiler lebt in Wien und arbeitet in den Bereichen Zeichnung, Installation, Skulptur und Kunst im Öffentlichen Raum.

 

Zur Installation "für immer" von Regula Dettwiler in der Krypta liegt eine eigene Broschüre auf.

 

Kuratorin der Ausstellung ist Martina Gelsinger vom Kunstreferat/Diözesankonservatorat der Diözese Linz.

 

Öffnungszeiten

Die generellen Öffnungszeiten der Kirche sind täglich von 8 bis 19 Uhr.

Betreute Öffnungszeiten von Kirchenraum und Krypta sind von 11. Juli bis 7. August jeweils Donnerstag, Freitag, Samstag von 14 bis 17 Uhr.

 

 

 

Kunstinterventionen in der Ursulinenkirche

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